Entdecken Sie eine Perlenkette von Geschichten.

Werden Sie jetzt Kulturpatron!

Das Herzstück des neuen Museums wird die von Grund auf neu konzipierte Schausammlung sein. In 14 Sälen, die sich wie eine Perlenkette von Geschichten aneinanderreihen, werden die zentralen Bestände gezeigt und aus zeitgemäßer Sicht interpretiert. Wir möchten Ihnen die Gelegenheit geben, diese Säle nach und nach zu entdecken und schon jetzt einen Vorgeschmack auf dieses große Vorhaben zu bekommen. In jedem präsentierten Saal kann man Objekte aktivieren und sie damit besser kennenlernen - ebenso wie den Kurator/die Kuratorin dahinter.

Ein Dorf in den Bergern (Arbeitstitel)
Dieser Ausstellungsraum erzählt über das Leben in einem Dorf im Himalaya. Dabei liegt die Betonung auf den Beziehungen zwischen den Dorfbewohnern und zwischen religiösen Vorstellungen und profanem Handeln. Diese Beziehungen führten in der musealen Erzählung zum Modell eines fiktiven Dorfes mit seinen verschiedenen Orten, an denen Menschen leben und handeln:
Der Herd ist der Fokus des familiären und sozialen Lebens.
Der Hausaltar verbindet die Familie mit den Göttern.
Auf den Feldern erwirtschaftet die Familie ihren Lebensunterhalt.
Auf Almen halten meist junge Mitglieder der Familie deren Vieh.
In Tempeln streben Mönche nach Erleuchtung und stimmen die Götter gnädig.
Weit weg vom Dorf streben Yogis nach spirituellen Einsichten.Heilige Berge wachen über diese Welt.
Erst das Zusammenspiel von menschlichem Handeln an all diesen Orten und die vielfältigen religiösen Vorstellungen verleihen der Welt der Bergbewohner ihren Sinn und ermöglichen ein Leben im Himalaya.
Für viele jungen Menschen scheint diese Welt nicht mehr attraktiv. Vor allem die, die eine Schulbildung genossen haben, suchen ihr Glück in den Städten mit all ihren Möglichkeiten, aber auch Problemen.

Im Schatten des Kolonialismus (Arbeitstitel)
Zwischen 1500 und 1920 geriet der Großteil der Welt unter Kontrolle fremder Mächte, die durch Herrschaft, Ausbeutung und Kulturkonflikte geprägt war. Vor diesem Hintergrund entfalteten ethnographische Museen im 19. und 20. Jh. ihre volle Blüte und prägten stereotype Vorstellungen von kolonialisierten Kulturen mit. Auch unser Haus profitierte von kolonialer Expansion, und so erzählen Erwerbsgeschichten mancher Objekte von brutaler Aneignung und kolonialer Gewalt.
Während nach dem 2. Weltkrieg Kolonien sukzessive ihre Unabhängigkeit erstritten oder in diese entlassen wurden, waren diese Veränderungen nicht zeitgleich in ethnographischen Museen erkennbar. Zögerlich wurden die liebgewonnenen, scheinbar zeitlosen Vorstellungen vom „Eigenen“ und „Fremden“ erst ab den 1980er Jahren hinterfragt. Heute versuchen wir uns der Vielfältigkeit unserer kolonialen Vergangenheit zu stellen. Die Art und Weise, wie wir in der Gegenwart mit den Sammlungen und den mit ihnen verbundenen Menschen umgehen, zeigt zukünftigen Generationen, wer wir heute sind.

1873 – Japan kommt nach Europa (Arbeitstitel)
Die Wiener Weltausstellung 1873 markierte einen besonderen Moment in der Geschichte Japans. Zum ersten Mal präsentierte sich das Land in großem Umfang selbst einer Weltöffentlichkeit. Japan befand sich in einer Umbruchsphase und hatte nach einer von außen erzwungenen Öffnung und einer inneren Umstrukturierung des Landes durch die Abschaffung des alten Feudalsystems im Zuge der Meiji-Restauration großes Interesse, sich mit den industriellen Errungenschaften europäischer Staaten auseinanderzusetzen und sich selbst als modernen Staat in diese einzureihen.
Eine in Japan gebildete Kommission, der auch Ausländer wie die Brüder Alexander und Heinrich von Siebold angehörten, stellten gemäß des offiziell herausgegebenen Katalogs über 6000 Objekte zusammen.
Ein Höhepunkt der Wiener Weltausstellung war dem Thema der Architektur gewidmet und Japan schickte eine Reihe von Architekturmodellen, von denen sich die meisten in der Sammlung des Weltmuseums Wien befinden. Das zentrale Objekt dieses Raumes stellt ein einzigartiges Modell einer Daimyô-Residenz der Edo-Periode (1600–1868) dar; es war eines der größten Ausstellungsstücke im damaligen Japan-Pavillon. Zur Illustration einer Residenz eines Lehensfürsten und Mitglied der japanischen Kriegerelite dienen Objekte aus der Sammlung des Museums, die sich in einer solchen Residenz befunden haben könnten. Die zweite Raumhälfte widmet sich dem kulturellen Austausch zwischen Japan und Europa in der Meiji-Periode (1868–1912).

Museomanie! Drei Habsburger und die exotische Fremde (Arbeitstitel)
Eine frühneuzeitliche Keimform des modernen Tourismus war die sogenannte „Kavalierstour“, deren Ziel der Abschluss der Erziehung eines jungen Adeligen war. Sie sollte ihn für die „richtigen“ Verhaltensweisen eines standesgemäßen Alltags „sozialisieren“. Neben ständischer „Weltläufigkeit“ sollte er allem voran „Kultur“ erwerben. Dass Adelshäuser sukzessive ihre Sammlungen „gebildeten Schichten“ öffneten, ist vor diesem Hintergrund nicht als selbstloser Akt zu verstehen, sondern als Mittel zur Betonung der monarchischen Qualitäten.
Auf diese Weise inszenierten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Angehörige des Hauses Habsburg durch die Öffnung ihrer Sammlungen als „Erzieher ihres Volkes“ und legitimierten somit ihre Vormachtstellung im Staat. Die Entsendung eines führenden Familienmitgliedes diente dem Haus Habsburg zudem dazu, das besondere Interesse der Donaumonarchie an anderen Weltregionen zu demonstrieren. In der nach außen gerichteten adeligen Selbstdarstellung durch wertvolle oder „exotische“ Gegenstände als Zeichen höchster Kultiviertheit und Zivilisiertheit liegt ein bislang wenig beachteter Ursprung unserer musealen Institution.

Südsee-Expeditionen (Arbeitstitel)
Lange bevor sich europäische Expeditionsschiffe in pazifische Gewässer wagten, erkundeten Seefahrer aus Ost- und Südostasien die Südsee und besiedelten mit ihren Familien die Inselwelten Melanesiens, Mikronesiens und Polynesiens.
Die Zielsetzungen europäischer Entdeckungsreisen der Neuzeit waren nicht nur die „Entdeckung“ und Erschließung unbekannter Erdgebiete, sondern auch die Vermessung und koloniale Eroberung der Welt. Vier europäische Forschungsexpeditionen in die Südsee, die mit der österreichischen Museumsgeschichte eng verknüpft sind, erzählen von ereignisreichen Begegnungen mit den Bewohnern der pazifischen Inselwelt, die von Wertschätzung und Respekt, aber auch von zwischenmenschlichen Begehrlichkeiten und blutigen Auseinandersetzungen geprägt waren. Zahlreiche Gebrauchsgegenstände und Ritualobjekte, Tagebuchaufzeichnungen, Reiseillustrationen, Skizzen und Fotografien erinnern an erste Kontaktnahmen, rege Tauschgeschäfte und gegenseitige Gastfreundschaft, aber auch an Gewalt, Widerstand und jahrhundertelange Fremdbestimmung. Viele museale Gegenstände sind daher bis heute von großer historischer und spiritueller Bedeutung für die Menschen der Südsee.

Wiener Schule
Mit seinem Buch „Die Stellung der Pygmäenvölker in der Entwicklungsgeschichte des Menschen“ gab Pater Wilhelm Schmidt 1910 das Leitthema für die noch junge ethnologische Wissenschaft in Wien vor. In heutigen Jäger-Sammler-Gesellschaften glaubte er Nachfahren der sogenannten „Urkultur“ zu erkennen und schickte daher seine Schüler Pater Paul Schebesta und Pater Martin Gusinde auf Feldforschung aus, um Beweise für seine teilweise umstrittenen Theorien zu finden. Als Mitglieder eines Missionsordens standen sie allerdings häufig im Verdacht, mehr an der Verteidigung der katholischen Soziallehre interessiert zu sein, als an objektiver Wissenschaft. Nicht zuletzt Schmidts gesellschaftspolitischer Kampf gegen das „Rote Wien“ und Sigmund Freuds Psychoanalyse unter Berufung auf „ethnologische Tatsächlichkeiten“ führten zu einer Vermischung von Politik, Glaube und Wissenschaft, in welcher Jäger-Sammler-Gesellschaften eine besondere Bedeutung beigemessen wurde. Wenn auch die damals zugrundeliegenden Theorien heute als überholt gelten, so sind doch die daraus hervorgegangenen Sammlungen in ihrem Umfang und Alter einzigartig.

Orientalia (Arbeitstitel)
Wien: Das ist der Orient vor der Haustür. Nach einem pointierten Ausspruch Metternichs begann nur wenige Meter von seinem Palais am heutigen Rennweg entfernt Asien. Doch die Geschichte der Begegnungen zwischen Okzident und Orient ist seit alters her geprägt von wechselseitiger Stereotypisierung des Anderen sowie einem idealisierenden Selbstbild. Für Orient wie Okzident gilt, dass bei genauerem Hinsehen im Bild des Anderen Sehnsüchte erkennbar werden, die man in der jeweils eigenen Kultur zu verdrängen gelernt hat. Neben der handelspolitischen, militärischen, wissenschaftlichen und touristischen Erschließung des Orients durch Österreich-Ungarn führt dieser Saal den Besuchern das komplexe Gemenge wechselseitiger Einschätzung vor Augen. Die im 19. Jahrhundert entstandene Orient-Sammlung des Weltmuseums Wien spiegelt zum einen die wirtschaftliche und kulturelle Ausrichtung Wiens auf den Orient wider, zum anderen vergegenständlichen sich in der Lebensgeschichte einzelner Sammlerpersönlichkeiten jene Anzeichen von Nähe und Gemeinsamkeit zwischen Orient und Okzident, die, von großen Auseinandersetzungen überschattet, allzu oft unbemerkt bleibe.

In eine Neue Welt - Nordamerika
Die Nomaden- und Reiterkulturen der Großen Grasebenen Nordamerikas wurden im Laufe der Zeit zu einem Archetyp sowie Stereotyp der „American Indians“, hoch zu Ross, kriegerisch und Büffel jagend. Tatsächlich entwickelte sich diese Lebensform jedoch erst nach der Einführung des europäischen Pferdes in Amerika. So dominant diese Bilder in der Vorstellung der Öffentlichkeit auch sein mögen, waren die Kulturen der Great Plains keineswegs die einzige Tradition in Nordamerika.
In den verschiedenen Gebieten des Kontinents waren auch völlig andere Sitten und Bräuche zu finden. Von den Urwäldern im Osten und durch die Grasebenen im Zentrum, über die Rocky Mountains zu den gemäßigten Regenwäldern im Westen, bis hin zur Polarwüste im Norden: die Bevölkerungen dieser vier Regionen legen dar, wie unterschiedlich und dynamisch die Kulturen Nordamerikas immer schon waren und bis heute geblieben sind. Trotz Unterdrückung und Zerstörung sind sie nach wie vor sehr lebendig.
Die ausgestellten Objekte zeigen, dass traditionelle Materialien und Formen noch immer benutzt und hergestellt werden. Nichtsdestotrotz werden Anpassungen und Innovationen auch weiterhin eingeführt. In der heutigen Zeit kommen weitere indigene Identitäten über neue Medien zum Ausdruck und finden sich auf Objekten wie Baseballkappen mit der Aufschrift „Native Pride“ oder auf nationalen Fahnen mit Symbolen zu Stammesidentität wieder.
In Folge verschmilzt das Traditionelle mit dem Nicht-Traditionellen zu einem gemeinsamen Ergebnis, um somit einen Weg innerhalb und außerhalb der Stammeswelt zu ermöglichen. Die Wiener Sammlung präsentiert exemplarisch sowohl alte als auch sich verändernde Traditionen. Zusammengefasst vermittelt der Saal eine klare Aussage: First Americans – Wir sind immer noch hier! Lesen Sie mehr dazu hier.