Provenienzforschung und Restitution

1998 begann, auf Basis des im selben Jahr beschlossenen Kunstrückgabegesetzes, auch im Weltmuseum Wien (damals Museum für Völkerkunde) die Provenienzforschung. Es geht dabei um die systematische Überprüfung der Bestände, die ab 1933 ins Haus gelangt sind. Unter anderem wird die Herkunft von über 63.000 Objekten bzw. Inventarnummern untersucht (oft besteht eine Inventarnummer aus mehreren Einzelobjekten). Zu allen bedenklichen Erwerbungen werden Dossiers erstellt.

Diese Dossiers werden der im Bundesdenkmalamt angesiedelten Kommission für Provenienzforschung übergeben und von dort an den Kunstrückgabebeirat des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur weitergeleitet, der die zuständige Ministerin in der Entscheidung betreffend einer allfälligen Rückgabe an die ursprünglichen Eigentümer und Eigentümerinnen bzw. deren Rechtsnachfolger und -nachfolgerinnen berät.

Recherchiert wird nicht nur im Archiv des Museums für Völkerkunde, sondern auch in einer Reihe von externen Archiven, zum Teil sogar im Ausland. Besonders zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang das Archiv des Bundesdenkmalamtes, das Wiener Stadt- und Landesarchiv sowie das Österreichische Staatsarchiv.

Seit 1998 wurden 15 Dossiers erstellt und zusätzliche Meldungen zu problematischen Erwerbungen abgegeben (Stand Juli 2009)


Die bisher vom Beirat behandelten Dossiers betreffen folgende Sammlungen:

  • Dr. Hans und Else Abels
  • Ing. Otto und Gisela Braun
  • Stefanie Demeter
  • Dr. Hanns und Gertrude Fischl
  • Julius Kien
  • Gertrude Marlé
  • Ing. Dr. Georg Popper (inventarisiert als „NSV-Erwerbung“)
  • Dir. Michael Ottokar und Maria Popper
  • Flora Wilhelm

Der Beirat hat bisher in acht Fällen die Rückgabe empfohlen. Bis heute wurden zwei der betroffenen Sammlungen den Rechtsnachfolgern bzw. Rechtsnachfolgerinnen der ehemaligen Eigentümer / Eigentümerinnen übergeben. Vier weitere Rückgabeverfahren sind im Gange, in den anderen Fällen ist die schwierige Suche nach Erben bzw. Erbinnen (die zumeist mit Hilfe der Israelitische Kultusgemeinde durchgeführt wird) noch nicht abgeschlossen.
Einige Fälle, zu denen Dossiers erstellt worden sind, fallen nicht unter die Bestimmungen des Kunstrückgabegesetzes in seiner derzeitigen Fassung. Dies betrifft vor allem Leihgaben, aber auch Objekte, die aus den während des Zweiten Weltkriegs von Deutschland besetzten Gebieten stammen.

Im Fall einer von einem Wehrmachtsangehörigen auf der Krim „sichergestellten“ Textiliensammlung (sie stammen von den ethnischen bzw. religiösen Minderheiten der Krimtataren und Karäer) wurde auf Basis bilateraler Gespräche zwischen Österreich und der Ukraine die Rückgabe vereinbart. Die Objekte werden im Herbst 2009 im Rahmen eines Festaktes der ukrainischen Botschaft übergeben.


Im Jahr 2006 wurde vom „Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus“ eine Datenbank von entzogenen Objekten erstellt, deren rechtmäßige Eigentümer und Eigentümerinnen bis dato nicht ausgeforscht werden konnten. Die Online-Präsentation soll Erben und Erbinnen die Möglichkeit geben, geraubte Objekte zu identifizieren und zu beanspruchen. Das Museum für Völkerkunde hat sich dieser Initiative angeschlossen (www.kunstrestitution.at) und Bilder von betroffenen Objekten aus mehreren Sammlungen in die Datenbank gestellt.

Ein endgültiger Abschluss der Provenienzforschung ist derzeit noch nicht absehbar.


Information

Weltmuseum Wien
Neue Burg
Heldenplatz, 1010 Wien
Tel. +43 1 534 30 – 5052 oder 5053
info@weltmuseumwien.at