Die Highlights der Sammlungen des Weltmuseums Wien

Nord- und Mittelamerika

Federkopfschmuck

Prominentestes Stück ist der berühmte Federkopfschmuck mit hunderten langen Quetzal-Federn und mehr als tausend Goldplättchen. Dieser Kopfschmuck ist der einzige seiner Art, der erhalten blieb und gilt heutzutage geradezu als Ikone des Weltmuseums Wien. Von 2010 bis 2012 wurden in einem Kooperationsprojekt zwischen Mexiko und Österreich umfassende Recherchen zu seiner Geschichte durchgeführt und er konnte mit hohem Aufwand gereinigt und konserviert werden.

Die Rüstkammer sowie die Kunst- und Wunderkammer des Erzherzogs Ferdinand II., Graf von Tirol, im Schloss Ambras genossen weit über die Landesgrenzen hinaus großes Ansehen. 1596, ein Jahr nach dem Tod des Erzherzogs wurde ein Inventar der Sammlungen verfasst. Von besonderer Bedeutung für das Weltmuseum Wien sind die in diesem Inventar aufgelisteten indianischen Federarbeiten aus dem heutigen Mexiko, die nunmehr im Museum verwahrt werden.

Die Sammlung Nord- und Mittelamerika umfasst insgesamt 18.000 Gegenstände, wovon ungefähr die Hälfte archäologische Artefakte sind. Ihre Schwerpunkte bilden neben Mexiko das Großen Seengebiet und die Nordwestküste Nordamerikas, wo von Captain  James Cook bedeutende Stücke gesammelt wurden.

Südamerika

Federumhang

Dieser seltene Federumhang der Munduruku stammt aus der Sammlung des Zoologen Johann Natterer, der als Mitglied der österreichischen Brasilien-Expedition von 1817 bis 1835 das Land bereiste. Seine ethnographische Sammlung ist die bedeutendste und umfangreichste aus dieser Zeit. Bis heute bestimmt sie den Schwerpunkt der Südamerika-Bestände ethnographischer Sammlungen aus Amazonien. Darüber hinaus sind auch die archäologischen Kulturen und die Volkskunst vertreten, wobei hier der regionale Fokus auf der Andenregion liegt.

Ozeanien und Australien

Federtempel (hale waiea)

Dieses weltweit einzigartige Modell eines hawaiianischen Zeremonialhauses in Form eines Federtempels wurde im Rahmen der dritten Weltumsegelung des britischen Seefahrers Kapitän James Cook (1728-1779) erworben. Das Hausmodell besteht aus einem Flechtwerk aus den gespaltenen Luftwurzeln einer Kletterpflanze und ist mit roten und gelben Federn besetzt. Die Türöffnung weist einen Dekor aus sieben angenähten Schildpattplättchen auf. In den Tempeln Hawai‘is befragten Priester Orakel über den Ausgang politischer und kriegerischer Unternehmungen und stimmten die weitere Vorgangsweise mit den Göttern ab. Das rare Stück kam nach Österreich als Baron Leopold von Fichtel 1806 nach London reiste um im Auftrag des österreichischen Kaiserhauses bei einer Versteigerung der Cook-Objekte aus dem Privatmuseum von Sir Ashton Lever Gegenstände für die Sammlungen des österreichischen Kaisers Franz I. zu erwerben.

30.000 Objekte der Sammlung Ozeanien und Australien dokumentieren die Begegnungen Europas mit den Bewohnern der Südsee vom 18. bis zum 21. Jahrhundert. Die älteste Sammlung geht auf die drei Weltumsegelungen des britischen Seefahrers James Cook zurück. Bei den nunmehr musealen Gegenständen aus Polynesien, Melanesien, Mikronesien und Australien handelt es sich um Belegstücke pazifischer Kreativität, die regionale Traditionen und kulturelle Spezifikationen, aber auch die Auseinandersetzung mit Aneignung und Fremdbestimmung in Vergangenheit und Gegenwart zeigen.

Nordafrika, Vorder-, Zentralasien und Sibirien

Moscheeampeln

Der Inschrift zufolge wurden beide Moscheeampeln für die von 1356-1363 erbaute theologische Hochschule des Mamluken-Sultans an-Nasir Hasan b. Muhammad in Kairo hergestellt. Bevor sie 1883 als Schenkung an die Anthropologisch-ethnographische Abteilung des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums gelangten, zierten sie einen der Prunkräume des Lustschlosses Miramar bei Triest, das Erzherzog Ferdinand Maximilian (1832-1867), der nachmalige Kaiser von Mexiko, zwischen 1854 und 1856 für sich hatte erbauen lassen. Maximilian hat diese Ampeln wohl selbst auf einer seiner Mittelmeerreisen in Kairo erworben.

"Von den Ausstattungsstücken des Sanktuariums [der Moschee Sultan Hasan in Kairo] in Marmor (...) [bilden] die geretteten 34 Hängelampen aus emailliertem Glas (...), den wertvollsten Teil der ganzen Sammlung. In unreinem, grünlichem Glase mit je sechs Ösen für Drahtkettchen, mittels welcher sie an den Decken oder Schließen der Arkaden aufgehängt wurden, dienten sie mehr zum Schmuck als zur Beleuchtung der Räume. Sie sind in der mannigfaltigsten Weise in bunter Emaille mit eleganten Ranken und Inschriften koranischen Inhalts verziert, auch mit Medaillons, die eine Widmung enthalten, gewöhnlich mit den Worten "Ruhm unserem Herrn, dem siegreichen Sultan", auch öfters mit dem Wappen des Emirs." Franz Pascha, [Julius]. Kairo, 1903

Die Abteilung Nordafrika, Vorder-, Zentralasien und Sibirien des Weltmuseums Wien zählt mit ihren knapp 25.000 Inventarnummern zu den international bedeutenden Sammlungen zur Alltags- und Sachkultur des betreffenden Großraumes.

Afrika südlich der Sahara

Zwei Hofzwerge

Die beiden einzigartigen Figuren zählen zu den ältesten Kunstwerken aus dem Königreich Benin und gelten aufgrund ihres lebensnahen Naturalismus als feinste Beispiele des frühen höfischen Kunststils. Vermutlich standen sie ursprünglich auf einem königlichen Ahnenaltar. Da Hofzwerge nicht zum Standardinventar solcher Schreine gehörten, ist wohl anzunehmen, dass es sich hier um Darstellungen historischer Persönlichkeiten handelt, die eine wichtige Rolle in der Regierungszeit eines Herrschers des 15. Jahrhunderts gespielt hatten.

Seit dieser Zeit sind Zwerge am Königshof von Benin belegt. Ihr lokaler Name bedeutet „Trompete“ und verweist damit schon auf ihre zentrale Rolle als Sprachrohr des Königs. Mit einem Fächer, seinem Attribut, leitet bis heute ein Hofzwerg in Form einer zeremoniellen Begrüßung des Königs Palastzeremonien ein.

Die bekannte Benin-Sammlung ist Teil des nahezu 38.000 Nummern zählenden Bestandes aus Afrika südlich der Sahara. Die Sammlung reflektiert die kulturelle Vielfalt Afrikas vom Sahelraum bis zur Südspitze des Kontinentes, vom Senegal im Westen bis Äthiopien und zur Insel Madagaskar im Osten.

Insulares Südostasien

Wayang klitik Figur

Diese Figur des Wayang-Puppentheaters findet bereits Erwähnung im Inventar der Kunstkammer Kaiser Rudolf II von 1607-1611 und zählt zu den ältesten erhaltenen Beispielen ihrer Art. Das javanische Wayang klitik ist ein Spiel mit flachen Holzpuppen, das heute nur mehr selten aufgeführt wird. Die Vorstellungen hatten nicht nur unterhaltenden Charakter sondern dienten auch zur Belehrung sowie zur Ausbildung in Moral und Ethik.

Die Figur aus hellem, leichtem Holz stellt Yudistira, den ältesten der fünf Pandawa-Brüder aus dem Epos „Mahabharata“ dar. Er war für seine Ehrlichkeit, Friedensliebe und anderen herausragenden Tugenden bekannt und soll als Einziger der Brüder das Nirwana erlangt haben. Mit dem Einzug von Hinduismus und Buddhismus im 7. Jahrhundert verbreitete sich das indische Epos „Mahabharata“ auch in Java, es erfreut sich dort bis heute großer Beliebtheit.

Das Objekt ist Teil der Sammlung Insulares Südostasien, die rund 20.000 Objekte umfasst. Dieses Regionalgebiet schließt die Inselgruppen der Nikobaren und Andamanen, ferner die heutigen Staaten Brunei, Singapur, Indonesien, Timor Leste sowie die Philippinen mit ein.

Ostasien: China, Korea, Japan

Buddha Shakyamuni

Die handwerklich aufwendig gearbeitete Metallstatue mit einer Weiheinschrift in Tibetisch, Chinesisch und Mandschurisch zeigt Shakyamuni auf dem Lotosthron. Mit der hier dargestellten Geste der „Erdberührung“ wendete Shakyamuni kurz vor seiner Erleuchtung die Versuchung durch den Dämonen ab. Statuen des Relgiongründers Siddharta Gautama, Prinz von Shakya (um 560 – 480 v. Chr.) sind auch in Ostasien beliebt.

Diese Buddhastatue gehörte bis zum Boxeraufstand des Jahres 1900 zum Inventar des kaiserlichen Palastes im Jagdparks Nanhaizi südlich von Beijing. Das elaborierte Gewand der Statue zeigt mehrere Drachen mit fünf Krallen, dem kaiserlichen Zeichen.

Die Ostasien-Sammlung des Weltmuseums Wien umfasst Bestände aus China, Korea und Japan. Den größten Sammlungsanteil machen Belegstücke der Hof- und Alltagskultur der ausgehenden Edo- Periode und beginnenden Meiji-Zeit des 19. Jahrhunderts Japans aus. Neben höfischen Glanzstücken Chinas aus dem 18. und 19. Jahrhundert dokumentiert die Sammlung auch das Alltagsleben jener Zeit. Einen rezenten Sammlungsschwerpunkt bildet Populärkultur aus der Zeit Maos.

Süd-, SO-Asien, Himalaya

Kesselgong

Dieser im Delta des Roten Flusses in Nordvietnam gefundene Gong gehört zu den weltweit herausragendsten Stücken seiner Art. Die um die Zeitenwende entstandenen Kesselgongs der Dong Son-Kultur erzählen mit ihren Verzierungen – Totenschiffen, Gebäuden, Tieren und Menschen − von den Ursprüngen der vietnamesischen Kultur. Nur Könige und Priester durften diese Instrumente schlagen. Mit dem Klang der Gongs wurde vor allem der Drache angerufen, der allein den lebenswichtigen Regen für die Reisfelder bringen konnte. So legitimierte der exklusive Besitz dieser Gegenstände die Herrschaft der Könige der Dong Son-Kultur. Stilisierte Darstellungen der Schlagfläche halten den Vietnamesen heute in der politischen Propaganda einen Spiegel in Hinblick auf ihren Ursprung und ihre kulturelle Identität entgegen.

Dieses Objekt besitzt mit seiner weltweiten Bekanntheit eine zentrale Position in der Sammlung zu Südostasien des Weltmuseums Wien, die 25 weitere Kesselgongs enthält. Ausgehend von dieser Sammlung publizierte der Wiener Franz Heger im Jahr 1903 eine bis heute gültige Typologie solcher Instrumente, die sich über die Jahrhunderte stilistisch weiterentwickelt haben und auch von ethnischen Minderheiten übernommen wurden.

Die Sammlung Süd-, Südostasien, Himalaya umfasst knapp 30.000 Objekte die über ein breites Spektrum menschlichen Tuns, von einfachen Alltagsverrichtungen bis hin zu kultischen Handlungen berichten.

Museumsbibliothek

Dala'il al-khayrat

Mit dem "Dala'il al-khayrat" verfaßte der marokkanische Mystiker al- Jazuli das in der islamischen Welt am weitesten verbreitete Handbuch mit Gottesanrufungen des Propheten Mohammed. Die aufgeschlagene Doppelseite zeigt die beiden heiligsten Städte des Islam.

Rechts: Mekka. Die Moschee des Propheten mit Kaaba. Jeder Muslim/ jede Muslima muss - vorausgesetzt, Gesundheit und finanzielle Mittel gestatten es - zumindest einmal im Leben diese Reise zum religiösen Mittelpunkt der islamischen Welt unternehmen. Links: Das Grab des Propheten in der rund 300 km nördlich von Mekka gelegenen Stadt Medina. Kaum ein Muslim, der nach Mekka pilgert, versäumt es, hier seine Huldigungen darzubringen. Abgesehen von Mohammed sind an diesem geheiligten Ort auch die drei ersten Kalifen - Abu Bakr, Umar und Uthman - begraben.

Photosammlung

Wasserträger in Kairo

Dieses Bild zeigt drei Wasserträger aus Kairo. Zum Transport des Wassers dienten damals Tierhäute. Die großen, groben Keramikkrüge standen in den Höfen der Häuser. Das Wasser diffundierte langsam durch die Krüge nach außen, wo es verdunstete und das Wasser kühl hielt. Die Firma Bonfils wurde 1867 in Beirut als „Maison Bonfils“ gegründet. Sie war berühmt für Studioaufnahmen, Bilder archäologischer Stätten, sowie Szenen des alltäglichen Lebens wie in diesem Fall. Die Familie Bonfils produzierte zwischen 1867 und 1916 zehntausende Photos mit Motiven aus dem gesamten Nahen Osten.

Mit ihrer hohen Qualität in Hinblick sowohl auf die Technik als auch die Auswahl der Motive und der gekonnten Kolorierung wurden die Bilder zu begehrten Souvenirs für Reisende. Auch der Ulanen-Rittmeister Josef von Lommer, der im Zuge seiner Weltreise um die Jahreswende 1899/1900 die Gegend bereiste, konnte offenbar nicht widerstehen und erwarb 80 Aufnahmen dieser Firma. Seine Sammlung kam nach dem Tod ihres Besitzers 1905 in das Museum und umfasst 1043 Aufnahmen.

Es befinden sich weitere 136 Bilder der Firma Bonfils im Besitz des Weltmuseums Wien. Die Photosammlung umfasst derzeit insgesamt über 140.000 Nummern und ist damit das größte ethnographische Bildarchiv Österreichs. Die Bestände reichen von 1860 bis heute und enthalten Bilder aus aller Welt, insbesondere Dokumentationsphotos von Forschungs- und Bildungsreisen, Objektbilder aber auch Sammlungen von Photographen.

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