Körpertuch

Standort

Derzeit nicht ausgestellt.

Beiden Naga tragen Männer und Frauen solche Tücher als Umhang über den Oberkörpergewickelt oder gefaltet über der Schulter, wobei die Enden in den Gürtelgesteckt werden. Gewebt werden sie ausschließlich von Frauen. Diese sind vorallem im produktiven und agrarischen Bereich tätig, Männern obliegen vor allemsoziale und rituelle Aktivitäten wie die Jagd; in alten Zeiten gehörten dazuauch der Krieg und die Kopfjagd. Würden sie weibliche Tätigkeiten, wie eben dasWeben, ausführen, verlören sie ihre spezifischen Fähigkeiten und würden „zurFrau werden“. Auch Frauen sind allerdings in der Weberei Tabus unterworfen. Dadiese Tätigkeit die Fruchtbarkeit stören kann, wird sie in vielen Gruppen nurin der Periode zwischen der Ernte und der nächsten Aussaat durchgeführt, jedochauf keinen Fall dann, wenn die Männer auf der Jagd oder im Krieg sind.

EinSchultertuch vom Typus des hier vorliegenden war das prestigeträchtigste Textilder Männer aus dem Stamm der Ao-Naga und repräsentierte das Ideal männlicherIdentität. Die Muster auf dem Mittelstreifen, der von Männern gefertigt undnachträglich in das von Frauen gewebte Tuch eingesetzt wurde, verweisen auf dieAspekte der Person des Trägers, auf die er besonders stolz war. Kein Motivdiente nur der Dekoration; vielmehr konnten Eingeweihte aus dem abstraktenMuster ablesen, welchen Rang der Träger in der traditionellen Gesellschaftinnehatte. Status wurde durch Erfolg als Krieger oder durch das Abhalten vonVerdienstfesten erworben. Mit der Anzahl an Bullen, Mithun-Rindern undSchweinen, die zur Verköstigung der Dorfgemeinschaft geopfert wurden, stieg dassoziale Ansehen. Die stilisierten Mithun-Köpfe auf dem Mittelstreifen zeigenauch, wie viele Generationen von Vorfahren des Trägers derlei Feste schonausgerichtet hatten, die letztendlich der Umwandlung von Reichtum in Statusdienten.

Alldiese Bedeutungen gingen mit dem rapiden Kulturwandel verloren; heute dienensolche Tücher eher als Identität stiftendes Symbol der Ao als Stamm.

 

Objektdaten

Inv. Nr.

126434

Sammlungsbereich

Süd-, SO-Asien, Himalaya

Objektbezeichnung

Schultertuch

Sammlung

Christoph von Fürer-Haimendorf (1909 Wien - 1995 London) - GND

Datierung

20. Jahrhundert

Kultur

Nagaland / Ao

Material/Technik

Baumwolle, Leinwandbindung, Bemalung, Färbung im Garn, Fransen aus Kettfäden - gedreht