Sarong, Batik

Sarung

Standort

Derzeit ausgestellt:
Mezzanin: Fasziniert von Indonesien

Das Motiv Sembagen Huk ist ein chinesisch beeinflusstes Motiv eines Phönixvogels in einem Ei. Es bringt Fruchtbarkeit und Frieden. Das Motiv gehörte seit 1801 zu den „Verbotenen Mustern“ im Palast von Yogyakarta und durfte nur von königlichen Familien und Adligen getragen werden.
Die Legende besagt, dass Sultan Agung auf dem Weg nach Mekka ein Ei des Vogels Huk (Eule oder auch oft mit Phönix interpretiert) fand und daraus ein Batikmuster entwerfen ließ. Das Motiv gehörte zu den "verbotenen Mustern" im Palast von Yogyakarta. Hier ist es mit einem Blumen- und Vogelmotiv im kepala (Kopfteil) kombiniert, was darauf hindeutet, dass es auch von Nichtadeligen getragen werden konnte.

Gewisse Motive waren dem indonesischen Adel vorbehalten. Um diese Regel zu umgehen, wurden die klassischen, oft in Erdfarben gehaltenen Batiken abgewandelt und um kreative Motive erweitert. Diese erweiterten Muster sind farbenfroh und spiegeln den multikulturellen Einfluss wider. Oft werden sie um den Teil kepala ergänzt und somit meist als Sarong getragen. Durch diese Erweiterung sind sie keine „verbotenen Muster“ mehr, und jeder darf sie tragen und sich so mit dem Adel verbunden fühlen. Dies war früher vor allem für Migranten und Migrantinnen wichtig, die ihre Wurzeln im damaligen Holland, China und dem arabischen Raum hatten. Sie wurden als Peranakan bezeichnet, was ursprünglich „Kind eines Fremden mit indonesischer Mutter“ bedeutete. Heute beschreibt der Begriff Migranten und Migrantinnen, die bereits seit zwei Generationen in Indonesien leben. Viele ließen sich an der Nordküste Javas (Pesisir) nieder, eröffneten neue Batikwerkstätten und entwickelten den heute typischen Batikstil dieser Gegend.

Diese Batik stammt aus der Sammlung der österreichischen Komponistin mit dem Künstlernamen Linda Bandara-Hofland. Der eigentliche Name dieser beinahe vergessenen österreichischen – aber auf Java geborenen – Komponistin lautete Sieglinde Leber. Sie war die Tochter von Dr. med. Johann Leber und Maria Antonie, geb. Teutschmann, und wurde am 15.5.1881 in Kendal, Semarang (Indonesien), geboren und verstarb am 20.6.1960 in Wien.

Ihre Beziehungen zum Sultan von Yogyakarta und zu der Aristokratie Javas ermöglichten ihr den Zugang zu den jeweils an den unterschiedlichen zentral-javanischen Hofen beschäftigten Orchestern, der bis dahin allein den Mitgliedern des Hofes vorbehalten war. Durch ihre guten Beziehungen kam sie zu extravaganten Batikstoffen, die zum Teil nur am Hofe getragen wurden.
Zwischen 1929 und 1942 lebte Linda Bandara mit wechselnden Wohnsitzen in Wassenaar (Niederlande), Wien und Yogyakarta. 1936 und 1937 war ihre durch javanischen Einfluss geprägten Komposition „Ländlichen Stimmungsbilder“ in einer Interpretation der Wiener Philharmoniker des Öfteren im Radio (ORF) zu hören. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1942 übersiedelte sie permanent nach Wien, wo sie unmittelbar den Zweiten Weltkrieg erlebte.


Objektdaten

Inv. Nr.

142339

Sammlungsbereich

Insulares Südostasien

Objektbezeichnung

Sarong, Batik

Sammlung

Linda Hofland (1881 - 1960) - GND

Datierung

Anfang 20. Jahrhundert

Zugangsdatum

1962

Material/Technik

Wachsbatik (Handbatik) mit natürlichen Farbstoffen auf maschinell gewebter Baumwolle; Leinwandbindung

Kulturpatenschaft

Kulturpatenschaft

Das Weltmuseum Wien dankt Herrn Jean-Claude Brunner sehr herzlich für die Übernahme der Kulturpatenschaft für das Objekt Sarung - Modifiziertes Semen-Motiv.