Postkarten mit Gemälden von Marion Haberl

Interview mit Lisi BernroitherBrunnenpassage24.04.2015
„Diese Postkarten bilden Gemälde des tansanischen Künstlers Atakalo Meinulf Soko ab. Ich habe ihn 2013 während meines Auslandssemesters an der Universität in Dar es Salaam kennengelernt und möchte meine Privilegien nützen, um ihn zu unterstützen.“

Der Flyer und die Postkarte von Marion Haberl bilden Gemälde des tansanischen Künstlers Atakalo Meinulf Soko ab. Der Flyer lädt zu einem „Interkulturellen Straßentheater DORFPLATZ-Fest“ des Theatervereins „Fleischerei“ im Juni 2015 ein, bei dem Atakalo seine Bilder ausstellen wird.

Marion hat Atakalo 2013 bei einem 6-monatigen Auslandssemester auf der Universität in Dar es Salaam kennengelernt. Sie war vorher nie so weit weg von zuhause gewesen und auch nicht für so lange Zeit alleine. Zum Glück kannte sie von der Afrikanistik der Uni Wien einen Studienkollegen namens Mfilinge, der aus Tansania kommt, und durfte die ersten zwei Wochen bei dessen Familie wohnen. Mfilinge war zu dieser Zeit selbst gerade auf Heimatbesuch und hatte vor, einen Film über junge tansanische KünstlerInnen zu drehen, u. a. über Atakalo, der ein sehr guter Freund von ihm ist. Daher wurden dessen Bilder gefilmt. Marion hat Atakalo also zugleich mit seinen Bildern kennengelernt. Sie mochten sich von Anfang an sehr gerne und haben sich fast jeden Tag gesehen und etwas miteinander unternommen. Marion konnte schon vor ihrem Aufenthalt etwas Sawhili, aber nicht so gut – Atakalo spricht jedoch sehr gutes Englisch.

In Tansania gibt es eine malerische Tradition, die auf einen sehr bekannten lokalen Künstler der 60er oder 70er Jahre zurückgeht. Auch heute noch wird nach dessen Paradigma gemalt, seine Mal- und Darstellungstechniken werden wiederholt aufgegriffen und die derart entstandenen Werke in touristischen Orten ökonomisch verwertet und immer wieder reproduziert. Dagegen verwehrt sich Atakalo.

Seine Bilder sind vom Alltag und seiner Biographie inspiriert. In seiner Arbeit finden sich Szenen seines täglichen Lebens – auf der Postkarte z. B. ein Fischerboot. Er malt auch immer wieder Frauen mit Kindern auf dem Rücken. Einerseits weil diese in Tansania sehr oft zu sehen sind, aber auch weil er selbst das jüngste Kind in seiner Familie war. In Tansania sagt man, dass das jüngste Kind die stärkste Bindung zu seiner Mutter hat. Atakalos Mutter ist gestorben, als er noch sehr jung war.

 

Seine Bilder sind vom Alltag und seiner Biographie inspiriert. In seiner Arbeit finden sich Szenen seines täglichen Lebens – auf der Postkarte z. B. ein Fischerboot. Er malt auch immer wieder Frauen mit Kindern auf dem Rücken. Einerseits weil diese in Tansania sehr oft zu sehen sind, aber auch weil er selbst das jüngste Kind in seiner Familie war. In Tansania sagt man, dass das jüngste Kind die stärkste Bindung zu seiner Mutter hat. Atakalos Mutter ist gestorben, als er noch sehr jung war.

Seine Bilder hat Atakalo im Hof hinter seinem Haus gemalt, da er kein Atelier hat. Er arbeitet hauptsächlich mit Pinseln, die meisten seiner Materialien sind jedoch von schlechter Qualität – er nutzt, was er zur Verfügung hat. In seinem gesellschaftlichen Umfeld findet seine Kunst wenig Anerkennung, weil sie kein Geld bringt. Er macht auch Comics und Musik, obwohl er sich damit keinen Lebensunterhalt verdienen kann. Ein bisschen Geld kann er mit der Gestaltung von Außenfassaden von Geschäften verdienen.

Marion und Mfilinge halten Atakalo für sehr talentiert und wollen ihn in seiner Kunst unterstützen. Sie hoffen, dass er als Künstler mehr Aufmerksamkeit von der Gesellschaft bekommt und eines Tages von seiner Kunst leben kann. Deshalb hilft Marion Mfilinge dabei, Ausstellungen mit Atakalos Bildern in Wien zu organisieren. Drei konnten bereits realisiert werden – im Afroasiatischen Institut, im Amerlinghaus und im Café Sagya.

Marion erzählt Atakalos Geschichte stellvertretend. Sie möchte ihre Privilegien nützen, um Atakalo Gehör zu verschaffen. Im Endeffekt ergibt sich daraus jedoch ein Spannungsfeld, da sie für ihn spricht und ihn repräsentiert. Sie versucht, ihn in die Ausstellungen so gut wie möglich miteinzubeziehen, ist im Endeffekt aber in der Rolle der Kuratorin, die auswählt, welche Bilder wo gezeigt werden. Momentan stehen die meisten der ca. 20 Bilder, die in Wien sind, in Marions 20 m2-Wohnung, in der sie mit ihrem Freund und drei Katzen wohnt.

    Häufige Suchbegriffe