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Forschungsprojekt
Kulturgeschichte

Digital Benin

Die 2022 präsentierte Plattform Digital Benin bringt die im späten 19. Jahrhundert aus dem Königreich Benin geraubten und heute weltweit verstreuten Kunstwerke und Kulturobjekte erstmals in einem digitalen Raum zusammen. Die Plattform macht ihre Geschichten, historischen Kontexte und vielfältigen Zusammenhänge sichtbar und öffentlich zugänglich.

Über das Projekt

Die Plattform wurde durch ein Großprojekt ermöglicht, das 2020 vom Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt (MARKK) in Hamburg initiiert und von der Ernst von Siemens Kunststiftung mit 1,5 Mio. Euro gefördert wurde. In Projektbüros in Hamburg und Benin City sowie an weiteren Standorten in Frankreich, Österreich, Großbritannien und den USA arbeitete ein vierzehnköpfiges internationales Team gemeinsam mit wissenschaftlichen Berater*innen aus Nigeria, Kenia und den USA daran, Sammlungen weltweit zu erfassen und ihre Objektdaten zusammenzuführen. 

Innerhalb kurzer Zeit beteiligten sich 131 Museen und Institutionen aus 20 Ländern – darunter Australien, Neuseeland, die Vereinigten Staaten, Kanada, Israel sowie 14 europäische Staaten – an der Dokumentation von mehr als 5.000 Objekten. So entstand eine digitale Infrastruktur, die verstreute Bestände aus Museen weltweit erstmals miteinander vernetzt und in Beziehung setzt. Die Plattform macht diese Objekte nicht nur sichtbar, sondern erschließt auch ihre historischen und kulturellen Zusammenhänge. Objektdaten werden mit mündlichen Überlieferungen, historischen Quellen, Provenienzangaben, geographischen Bezügen und einem Edo-Sprachkatalog verknüpft.

Den Kern der Plattform bilden jene Objekte, die im Februar 1897 im Zuge einer britischen Militärexpedition aus Benin City (heute Edo State, Nigeria) geplündert und anschließend weltweit verteilt wurden. Viele dieser Werke dienten ursprünglich als königliche Repräsentationskunst, dokumentierten historische Ereignisse oder waren in Glaubenspraxis und Rituale eingebunden. Darüber hinaus umfasst Digital Benin auch Objekte aus benachbarten Regionen des ehemaligen Königreichs sowie Werke namentlich bekannter Künstler*innen, die nach 1930 entstanden sind.
 

Reliefplatte: Portugiese mit Luntenspieß und fünf Manillas

Reliefplatte: Portugiese mit Luntenspieß und fünf Manillas, Wilhelm Albert Maschmann, 16./17. Jahrhundert

Gedenkkopf eines Königs

Gedenkkopf eines Königs, William Downing Webster, 19. Jahrhundert

Projektleitung
Prof. Kokunre Agbontaen-Eghafona, University of Benin (Benin City, Nigeria)
Dr. Felicity Bodenstein, Sorbonne Université (Paris, Frankreich)
Dr. Jonathan D.M. Fine, Direktor Weltmuseum Wien (Wien, Österreich)
Dr. Anne Luther,  Projektkatalysator, (Philadelphia, USA )
Prof. Dr. Barbara Plankensteiner, Direktorin Museum am Rothenbaum (MARKK) (Hamburg, Deutschland)

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