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um 1990 | Hans Seethaler

Knüpfteppich mit Kriegsmotiven. Vermutlich in Afghanistan, Pakistan oder Iran hergestellt, um 1990. Wolle, Baumwolle. Grobe, kurzflorige Knüpfung. Bordeauxroter Fond des gesamten Teppichs; ansonsten durch synthetische Färbung erzielte Buntfarben. Oben und unten Kelimabschluß; Fransen geknotet. Thema: Kriegsgerät. Das Mittelfeld dominiert ein Übereinander von vier Hubschraubern und zwei Panzern, welches am Rand des Mittelfeldes vertikal von je zwei Kalaschnikows eingerahmt wird; rechts unten ein kleiner roséfarbener Hubschrauber. Die Hubschrauber im Mittelfeld tragen als Aufschrift die Nummer "1015" (zwei Hubschrauber allerdings seitenverkehrt). Eine Panzerkolonne bildet die Ornamentik der Bordüre. Der Teppich wurde 1999 von Hannes Seethaler, dem Sohn des Sammlers, bei einem afghanischen Händler in Hatta (Vereinigte Arabische Emirate), 150 Kilometer südöstlich von Dubai, unmittelbar an der Grenze zum Oman, erworben. Neuwertig. Der vehementeste Einschnitt in das Leben und die Kultur Afghanistans war in diesem Jahrhundert der Krieg mit der ehemaligen Sowjetunion von 1979 bis 1988 sowie der nachfolgende und bis heute andauernde Bürgerkrieg. Anfang der 80er Jahre tauchten erstmals Hubschrauber, Panzer, Lkws, Busse,. Raketen, Bomben, Gewehre und kämpfende Figuren als Bildmotive in afghanischen Teppichen auf und begannen die traditionelle Formensprache (Tier- und Pflanzenmotive, glückbringende Symbole und dämonenabwehrende Zeichen, stammes- und clanspezifische Muster) zurückzudrängen. Auf Kriegsteppichen findet sich sowohl die naturalistische Darstellungsform, die dramatische Kriegsszenen beschreibt, wie auch die abstrakt-symbolische, in der Waffenabbildungen in streng symmetrischer Anordnung eher repräsentativ erscheinen. Als kunstvolle Zeitzeugnisse halten diese zumeist in den Flüchtlingslagern bei Peshâwar, Pakistan, oder Mahad, Iran, geknüpften Teppiche dem Betrachter die menschlichen Katastrophen des Krieges vor Augen und bilden zugleich für die weitgehend nicht-alphabetisierte Bevölkerung Afghanistans eine visuelle Geschichtsdarstellung und Gedenkmöglichkeit.

 

 

 

Lit.: Karin Knauer, Afghanistan. Krieg und Alltag, Freiburg i. Breisgau: Museum für Völkerkunde, 1994 [Ausstellungskatalog].

Jürgen Wasim Frembgen u. Hans Werner Mohm, Lebensbaum und Kalaschnikow. Krieg und Frieden im Spiegel afghanischer Bildteppiche. Blieskastel: Gollenstein, 2000.

Sammler/in:
Hans Seethaler

Zeit:
um 1990

Material/Technik:
Wolle, Baumwolle; Knüpfung

Maße:
Rest: L 174; B 97 cm

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Inv. Nr.
177915