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Das taotie (sinojap. tōtetsu), ein Ungeheuer bzw. eine Gottheit aus der chinesischen Mythologie, erfreute sich als Motiv zur Abwehr böser Geister ab der späten Shang (Yīn)-Dynastie (1600–1046 v. u. Z.) großer Beliebtheit und übt seither eine ungebrochene Faszination auf die Menschen aus. Grundsätzlich werden bei diesem Dekormuster mit Hörnern, Augen, Nase, Kiefer, Zähnen usw. in Gussarbeit einzelne Teile des Kopfes des namengebenden Ungeheuers als Relief dargestellt. Abhängig von der Form des Gegenstandes kann es in Verbindung mit weiteren Dekoren wie dem Donnermuster, dem Zikadenmuster und auch jenem des kuí-Drachen sämtliche Teile eines Korpus zieren. Indem, wie auch bei den vorliegenden Arbeiten, die Oberfläche mit Gold oder Silber verziert wird, entsteht schließlich ein noch prächtigerer Eindruck. Nachdem sie große Ähnlichkeiten in der Anordnung des taotie-Musters aufweisen und die Ausführung des Flachreliefs und der Goldtauschierungen sowie die Proportionen des hishitsunagi genannten Rautenmusters am Fuß einander gleichen, wurden die beiden Bronzegefäße möglicherweise in derselben Werkstatt gefertigt. Worin sie sich unterscheiden, ist die Form des Korpus und der Henkel, wobei letztere in beiden Fällen die Form eines shikami oder „beißenden Löwen“ haben, bei der ein Teil des Henkels dem Maul eines wilden Tieres zu entspringen scheint. Bei dem Gefäß mit längerem Hals ragt zudem auf eindrucksvolle Weise noch der Kopf eines weiteren Tieres aus dem Löwenmaul. Beide Objekte schmückt auf der unteren Hälfte des Korpus ein Zikadenmuster, während vor dem Hintergrund des Donnermusters kui-Drachen einander gegenübergestellt sind. Von oben bis unten reichlich mit Gold verziert, haben sie eine großartige Ausgestaltung erfahren. (HK)

Sammler/in:
Heinrich von Siebold (1852 St. Martin/Boppard - 1908 Schloss Freudenstein/Bozen) DNB

Material/Technik:
Bronze (Gold einlage)

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Sammlungsbereich
Ostasien

Geographie
Ostasien/China

Inv. Nr.
37425

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