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Boucherouite („Fetzenteppich“)

Ende 20./Anfang 21. Jahrhundert | Axel Steinmann

Marokko, Zentraler Hoher Atlas, Berber. Hier werden Teppiche kaum noch auf herkömmliche Art und Weise geknüpft. Weggeworfene synthetische Fasern von Altstoffresten und Kunststoffe haben Schafwolle und Ziegenhaar ersetzt. Die jungen Knüpferinnen haben verlernt, einen gleichmäßigen Faden zu spinnen. Nach getaner Knüpfarbeit werden die Kettfäden nicht mehr vom Knüpfstuhl rituell „abgenabelt“. Neuerdings greifen die Weberinnen auch zu wiederverwertbaren und reißfesten Plastiksäcken aus Polypropylen, in die sie ihre Muster sticken. Produziert werden kleinformatige Teppiche und Satteldecken, vorerst für den Eigenbedarf. Später tauchen sie wie aus dem Nichts im Teppichbazar von Marrakesch auf, wo man ihnen das Label Boucherouite („Fetzen“) verpasst. Mittlerweile werden sie in Europa und den USA in einschlägigen Kunst- und Textilgalerien für viel Geld zum Kauf angeboten.

Zeit:
Ende 20./Anfang 21. Jahrhundert

Objektbezeichnung
Teppich

Material/Technik:
Altstoffreste

Maße:
L. 229 cm, B. 139 cm

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Inv. Nr.
188643

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