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Flickengewand eines Derwischs mit Mütze

hirqa

Im 21. Jahrhundert trägt ein Sufi durchaus Alltagskleidung und unterscheidet sich in seinem Äußeren nicht von seiner Umgebung. Einst zog sich jemand, der das entsagungsvolle Leben eines Mystikers führen wollte, ein Gewand aus grober Wolle über und wurde als Sufi, abgeleitet vom arabischen Wort für Wolle, ṣūf, bezeichnet. Die Aufnahme in eine Bruderschaft erfolgte über eine besondere Zeremonie, an deren Ende der Novize mit dem Derwischgewand, hirqa, eingekleidet wurde und das sich in Farbe und Aufmachung von Bruderschaft zu Bruderschaft unterschied. Oft war es ausschließlich aus unzähligen Flicken zusammengenäht. Und es heißt auch, dass derartige Flickengewänder bevorzugt aus Fetzen, die sich Sufis in Ekstase aus den Gewändern gerissen hatten, genäht wurden. Die Lumpengewänder der Sufis drücken Armut aus. Irgendwie erinnern sie aber auch an das bunte Kostüm des Harlekins mit seinen bunten Rautenstreifen. Es scheint, als wäre der umherwandernde Narr Gottes in der Commedia dell’arte in die Rolle des halb clownesken, halb dämonischen Schelmen geschlüpft, um weiterhin, Spott und Verachtung auf sich ziehend, die Strukturen und Mechanismen der Gesellschaft zu entlarven. Spiritualität und Humor schließen sich wechselseitig nicht aus. Beide lassen sich als wirkungsvoller Versuch verstehen, die komplexen und paradoxen Situationen, von denen das wirkliche Leben so voll ist, aufzuzeigen.

Bezug/Institution:
Wiener Weltausstellung (1873) DNB

Zeit:
vor 1925

Objektbezeichnung
Flickengewand eines Derwischs mit Mütze

Kultur
Irak

Material/Technik:
Baumwolle

Maße:
Kleid: a) H. 127 cm x B. (Spannweite) 140,5 cm
Kappe: b) H. 16,5 cm x B. 24 cm

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Inv. Nr.
120121_ab

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