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Kesselgong

4./5. Jahrhundert n.Chr. | Gustav Spiess

Dieser im Delta des Roten Flusses in Nordvietnam gefundene Gong gilt als Ursprungsform einer Entwicklungsreihe, die sich über Thailand, Laos, Burma und Südchina bis Indonesien ausbreitete.

Gehen wir vor die Zeitenwende zurück, zu den Wurzeln der kulturellen Identität des heutigen Vietnams (das es damals noch lange nicht geben sollte). Diese Wurzeln liegen im Delta des Roten Flusses. Ihren bildhaften Ausdruck hinterließen sie auf den Kesselgongs der Dong Song-Kultur mit ihren Verzierungen – Totenschiffen, Gebäuden, Tieren und Menschen. Die auf einem der innersten Kreise dargestellten Vögel verweisen einerseits auf die Flüge der Schamanen ins Jenseits, andererseits - und dies ist politisch wesentlicher wichtiger – waren sie das Totemtier des Klans der ersten Herrscher der Dong Son-Kultur. Geometrische Muster stehen für die Ordnung des Kosmos. Elemente des Universums wie der Himmel, die Erde oder die Menschheit werden mit konzentrischen Kreisen wiedergegeben, die um die im Mittelpunkt dargestellte Sonne kreisen und so auf die kosmische Harmonie verweisen.

Der Klang der Gongs begleitete Tote in das Jenseits und wehrte übelwollende Geister ab, und vor allem rief er den Drachen herbei, der allein den lebenswichtigen Regen für die Reisfelder bringen konnte. Nur die Herrscher durften diese Instrumente schlagen, nur sie konnten das Überleben in einer auf Nassreisfeldbau basierenden Kultur sichern. Ihr exklusives Recht auf diese Gongs legitimierte ihre Herrschaft. Eine Herrschaft, die durch die Besetzung des Roten Fluss Deltas durch die Chinesen im Jahr 111 ein jähes Ende fand.

Zeit:
4./5. Jahrhundert n.Chr.

Objektbezeichnung
Kesselgong

Material/Technik:
Kupferlegierung

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Geographie
Südostasien

Inv. Nr.
66671

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