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Marienstatue

21. Jahrhundert | Christian Schicklgruber

Diese Marienstatue aus billiger indischer Massenproduktion wurde in einem Geschäft für religiösen Bedarf in Kohima, der Hauptstadt des Nagalandes in Nordostindien erworben. Die Bezeichnung Naga ist der Sammelbegriff für eine Anzahl kulturell und linguistisch verwandter und zugleich höchst vielfältiger Stämme im Grenzgebiet zwischen Indien und Burma. Ein Großteil der Bevölkerung lebte bis vor nicht allzu langer Zeit in voneinander unabhängigen Dörfern von Landwirtschaft und Viehzucht. Als Kopfjäger von ihren Nachbarn gefürchtet und gemieden, entwickelten die Naga eine einzigartige Kultur.

Einen drastischen Kulturwandel lösten im 19. Jahrhundert die britischen Kolonialherren Indiens aus, nachdem diese ihre Administration auf die Siedlungsgebiete der Naga ausgeweitet hatten. In ihrem Windschatten kamen baptistische Missionare aus Amerika. Von den Briten toleriert (aber nicht geschätzt) veränderten sie die Kultur der Naga wesentlich nachhaltiger als es die koloniale Verwaltung je getan haben könnte. Für über 90% der Bevölkerung des heutigen indischen Bundesstaates Nagaland hat der christliche Gott den indigenen Schöpfergott abgelöst.

Heute leben - wie es Michael Oppitz einmal ausdrückte - die Naga im Spannungsfeld zweier Pole: einer von Normen und Tabus geprägten Kultur der Ahnen und einer durch gewaltsame Einflüsse von außen in ihrer Identität mehrfach gebrochenen, völlig veränderten Gesellschaft. Dazwischen suchen die Naga nach ihrer kulturellen Identität.

Zeit:
21. Jahrhundert

Objektbezeichnung
Marienstatue

Material/Technik:
Gips

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Inv. Nr.
186102

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