Die Objekte berichten darüber, wie die Menschen ihre Götter sehen, ihre Gesellschaft organisieren, welchen Platz das Individuum darin einnimmt, wie sie ihr Land in Frucht tragende Äcker verwandeln, die Produkte ihrer Tiere nutzen, wie sie sich kleiden, ihre freie Zeit genießen oder auch Kriege führen. Je nach Blickwinkel und je nach Kontext kann ein und dasselbe Objekt eine ganz andere Geschichte erzählen.
Süd-, SO-Asien, Himalaya
Sri Lanka im Süden, die Mongolei im Norden, Vietnam im Osten und Pakistan im Westen bilden die Eckpunkte dieses riesigen Gebietes. Indische Musikinstrumente, Figuren des vietnamesischen Wasserpuppentheaters, Statuen der Khmer, taoistische Malereien, Buddhastatuen aus Thailand, Kopfjagdtrophäen der Naga - das sind nur einige wenige Beispiele aus der mehr als 30.000 Objekte zählenden Sammlung.

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Die Geschichte der Sammlung
Seit im Jahr 1839 die ersten Objekte der Abteilung in die damalige anthropologische Sammlung des Naturhistorischen Museums kamen, wächst die Sammlung kontinuierlich. Die wichtigsten Beiträge dazu, um nur einige zu erwähnen, lieferten Sourindro Mohun Tagore mit seinen indischen Musikinstrumenten, Richard Teschner mit Marionetten aus Südostasien, Christoph Schneller mit taoistischen Malereien aus Thailand, Helmut Ploog mit Khmerstatuen, Alfred Raquez, der mit 1.640 Nummern den materiellen Bestand von Nordlaos abdeckte, Carl Bock mit hervorragenden thailändischen Buddhas und der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este mit seinen in die Tausende gehenden Nummern.
Welchen Weg nehmen Gegenstände in ihrer Transformation von kulturellen Artefakten zu Museumsobjekten? Dies kann nicht losgelöst von der Person des Sammlers betrachtet werden und sei hier anhand dreier Beispiele behandelt: des Aristokraten Carl Alexander Anselm Freiherr von Hügel, der sich aus privatem Interesse auf eine lange Reise nach Indien begibt, des Entomologen Hans Leder, der sich für die mongolische Götterwelt zu interessieren beginnt, und des Ethnologen Christoph von Fürer-Haimendorf, der in Zusammenarbeit mit der britischen Kolonialverwaltung in Indien eine Sammlung der Naga anlegte.
Carl Alexander Anselm Freiherr von Hügel
Die ersten Objekte aus Indien kamen durch Carl Alexander Anselm Freiherr von Hügel in das Museum und wurden mit 441 Inventarnummern zum Grundstock der Indiensammlungen. Hügel traf im Jahr 1832 in Bombay ein, dem Ausgangspunkt seines langen Indienaufenthaltes. Er sollte der erste Europäer werden, der Indien vom äußersten Süden bis an seine nördlichste Grenze durchquerte. Auf dieser Reise sammelte er neben botanischen und zoologischen Objekten auch Ethnographica. Die Vielfalt der Objekte zeigt, dass Hügel bei der Anlage seiner Sammlung weder einer Systematik noch einem spezifisch ethnographischen Interesse gefolgt ist. Vielmehr scheinen ihn sein persönlicher Geschmack und sein persönliches Interesse geleitet zu haben. Als Vertreter des gebildeten europäischen Adels stand er sowohl den lokalen Machthabern als auch den britischen Kolonialherrn in Indien immer näher als der bäuerlichen Bevölkerung. So sind Objekte aus dem alltäglichen Bereich nur sehr spärlich vertreten. Der Schwerpunkt von Hügels Sammlertätigkeit lag in den Bereichen Waffen, Schmuck und Religion.
Hans Leder
Den Grundstock der Sammlungen zum tibetischen Buddhismus legte Hans Leder in den Jahren 1899/1900, 1902 und zum letzten Mal 1904/1905 in der Mongolei an. Obwohl Leder mit dem Auftrag, Insekten zu sammeln, in die Mongolei gesandt wurde, verschob sich sein Interesse durch den engen Kontakt mit der Bevölkerung von den Käfern zur mongolischen Kultur, wobei sein Hauptaugenmerk auf der alltäglichen religiösen Praxis lag. Die Sammlung von 824 Objekten bietet ein rar gewordenes umfassendes Bild der religiösen und rituellen Kunst zur Zeit der Jahrhundertwende und liefert Aufschlüsse über die Ikonographie des mongolischen Pantheons.
Christoph von Fürer-Haimendorf
Mit Christoph von Fürer-Haimendorf (1909–1995) begann die Wende zum ethnographisch fundierten Sammeln. Gute Kontakte zur britischen Kolonialverwaltung in Indien ermöglichten ihm in den Jahren 1936 und 1937 eine dreizehnmonatige Feldforschung bei den Naga. Während dieser Reise legte er die aus 889 Objekten bestehende Sammlung an. Bei genauerer Betrachtung wird sein Bemühen erkennbar, ein umfassendes Bild der Naga in all ihren Lebenssituationen zu geben. 533 der 889 Objekte der Sammlung sind den Bereichen Haushalt, Kleidung, Landwirtschaft, Handwerk oder Werkzeug zuzurechnen. Die Kopftrophäen und die mit dem Kopfjagdkomplex im Zusammenhang stehenden Objekte gehören sicherlich zu den spektakulärsten der Sammlung.
