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„Bucharische Juden“ aus der Serie „Ansichten und Volkstypen aus Transkaspien“
vor 1891 | Franz Heger
Ende des 19. Jahrhunderts fallen nur wenigen europäischen Reisenden nach Russisch-Zentralasien die dort lebenden Juden auf. In vielem haben sie sich, geltender Bekleidungsvorschriften zum Trotz, den sie umgebenden Tadschiken und Usbeken angepasst. Zu Hause in den eigenen Wohnvierteln lebt man jüdisch, in der Öffentlichkeit nicht. Die Einrichtungsgegenstände für ihre Häuser kaufen die Juden bei den muslimischen Handwerkern auf den städtischen Basaren. Muslime lassen sich bei jüdischen Wunderheilern behandeln. Ihren Glauben leben die bucharischen Juden diskret. Der Name der Stadt Buchara, ihres geistigen Zentrums, wird zum Sammelbegriff für die Juden Zentralasiens.
Der Legende nach kehrt nach dem Ende der babylonischen Gefangenschaft im 8. vorchristlichen Jahrhundert ein Teil der Juden nicht ins Heilige Land zurück. Stattdessen ziehen sie über Persien nach Zentralasien, wo sie sich entlang der Seidenstraße niederlassen. Persisch wird ihre neue Muttersprache; das Hebräische bleibt auf das Rituelle beschränkt. Mehr als 2.000 Jahre leben sie nahezu abgeschnitten vom Rest der jüdischen Welt. Mit der Zeit schwindet auch das Wissen über die religiösen Regeln, bis 1793 der aus Marokko stammende Rabbiner Yosef ben Moshe Maimon in Buchara hängenbleibt und den dortigen Juden Nachhilfe leistet. Er lässt für sie Bücher kommen und lehrt sie die Riten der Sephardim, der Nachfahren der 1492 aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zwingen prekäre ökonomische Verhältnisse, mangelnde Perspektiven und fehlende Heiratspartner die bucharischen Juden zum Exodus nach Israel, in die Neue Welt oder nach Europa. In den Städten Zentralasiens leeren sich die Synagogen und verfallen. Die größte europäische Gemeinde der bucharischen Juden lebt heute in Wien. Sie zählt an die 2.000 Mitglieder.

Käufer/in:
Franz Heger (1853 Brandeis - 1931 Wien) DNBarrow_outward
Fotograf/in:
Alexander Karlowitsch Engel (1848 - 1918)
Zeit:
vor 1891
Objektbezeichnung
Abzug
Kultur
Usbekistan; Juden
Bildrecht
Weltmuseum Wien, Fotosammlung
Sammlungsbereich
Fotosammlung
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