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Der Tag des Jüngsten Gerichtes, Rūz-e mahshar
qalamkār-e taswīrī
Ende 19. Jahrhundert | Saeed Motamed
Irak, Kerbala, 10. Oktober 680. Eine Übermacht des sunnitischen Umayyaden-Kalifen Yazid metzelt die kleine Schar des schiitischen Imams Hussein nieder. Das Blutbad vernichtet die Hoffnung der Schia, ihr religiös-politisches Oberhaupt als Kalifen einzusetzen – und besiegelt die Spaltung der Gemeinschaft der Muslime. Für die Schiiten wird die Schlacht von Kerbala zum Urbild religiösen Märtyrertums und der Rebellion gegen illegitime muslimische Herrscher.
Iran, Isfahan, spätes 19. Jahrhundert. Ein bemalter Wandbehang zeigt das Jüngste Gericht aus schiitischer Sicht. Hauptthema ist die Belohnung der bei Kerbala gefallenen Märtyrer im Jenseits und die Höllenqualen ihrer Gegner am Jüngsten Tag. Doch das finale Tohuwabohu fremdelt mit Elementen aus der christlichen Ikonographie. Da ist der Posaunenengel, der ins Horn zum Endgericht bläst; der Empfang der Auferstandenen im Himmel; die beiden Engel, die die Seelenwaage bedienen; die Erwählten, die aufgereiht auf Einlass ins Paradies warten; die Blutzeugen, die vorab die ewige Gartenwonne genießen; schließlich die Andersgläubigen und Verräter, die bereits gerichtet vor dem Höllengrund stehen. Es gibt aber auch Neues: Der Prophet des Islam ist jetzt eine feste Größe und Christus der Weltenrichter übernimmt den Part eines Vorgänger-Propheten. Endzeitvisionen sind Projektionen irdischer Blutgerichte.
Syrien, Aleppo, Weihnachten 2016. Nach der Einnahme der Stadt hissen schiitische Kämpfer über der Umayyaden-Moschee ihre Flagge, als wäre damit der Tod ihrer Märtyrer in Kerbala vor mehr als 1.300 Jahren gerächt worden.

Sammler/in:
Saeed Motamed (1925 - 2013)
Zeit:
Ende 19. Jahrhundert
Zugangsdatum:
1958
Objektbezeichnung
Bemalter Wandbehang
Kultur
Iran, Isfahan
Material/Technik:
Baumwolle, Pigment
Maße:
B 370 cm x H. 350 cm
Bildrecht
Weltmuseum Wien
Sammlungsbereich
Nordafrika, Vorder- und Zentralasien, Sibirien
Periode
Qajaren-Zeit
Inv. Nr.
137901
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