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Tätowiervorlage mit christlichen Motiven

In Kairo haben die berühmtesten Heiligen ihre wöchentlichen Besuchstage. Bei Imam Shafi’i ist es der Freitag. Das Grabmausoleum des im Jahr 820 verstorbenen Rechtgelehrten liegt in der südlichen Totenstadt, der Qarafa, und zählt zu den populärsten muslimischen Wallfahrtsorten der Stadt. Mitte der 1970er Jahre stellt auf dem Markt vor dem Shafi’i-Mausoleum ein ambulanter Tätowierer allwöchentlich seine Hinterglasbilder mit großer Motivauswahl vor sich auf und wartet auf Kunden: Muslime wie Kopten, Männer wie Frauen, Erwachsene wie Kinder. Ein von ihm erworbenes Hinterglasbild zeigt Kreuze in vielerlei Gestalt und zwei Abbildungen der Jungfrau Maria, einmal als Gottesgebärerin, ein andermal als Schmerzensmutter. Letztere hat sich die Mater Dolorosa des florentinischen Meisters des 17. Jahrhunderts Carlo Dolci zum Vorbild genommen, da diese von Alexandria bis Assuan bei den Christen Kultstatus erreicht hat. Es heißt, 1987 habe in einer Kirche westlich des Nils ein Buntdruck von Dolcis Schmerzensreiche Mutter für die verfolgten Kopten aus ihrem rechten Auge „Blut geweint“. In Zeiten religiöser Bedrängnis identifizieren sich christliche Ägypter zunehmend mit dem Stigma des Kreuzes und lassen sich das Hautzeichen über der Pulsschlagader am rechten Handgelenk stechen.

Sammler/in:
Peter Wolfgang Schienerl (1940 Wien - 2001 München) DNB

Zeit:
vor 1976

Objektbezeichnung
Hinterglasbild

Material/Technik:
Glas, Pigment

Maße:
14,1 cm x 12.8 cm

Signatur
Abu Seif

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Inv. Nr.
158264