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Zwei Liebende

Das Blatt aus Malwa illustriert eine Strophe aus der Gedichtsammlung Amarushataka, die „Hundert Gedichte des Königs Amaru“. Dieser Zyklus von Liebesgedichten wird vom Poeten Anandavardhanas (820 890 n.u.Z.) wie folgt gepriesen: „Eine einzige Strophe des Dichters Amaru trägt mehr vom Geschmack der Liebe in sich als in ganzen Bänden gefunden werden kann“. Für ihn erweckt jedes seiner Gedichte im Leser die Stimmung von erotischer und romantischer Liebe (shringara) zum Leben.

 

Dieses Folio illustriert ein Gedicht aus dem zweiten Teil des Zyklus, der von Liebe in Trennung (vipralambha) handelt. Der Liebende wird von einer weißen Wand von seiner Angebetenen in ihrem Pavillon getrennt, einer Grenze zwischen sinnlichem Begehren und gesellschaftlicher Norm. Auch die Farben unterstreichen diese Grenze, steht er doch vor sinnlichem Rot während sie vor einem sedierenden Blau sitzt. Wie übersteigt der Künstler diese trennende Barriere? Der Baum gibt die Antwort. Er ist es, der sich in Richtung der Geliebten neigt.

 

So zeigt auch dieses Bild die innige Beziehung zwischen der Liebe, sei es menschlicher oder göttlicher, und der Natur. Die Natur des Baumes zeigt ihre Sympathie für das Paar, die Emotion des sich neigenden Baumes wird zur Emotion der Liebenden. Der Baum ist es, der die Menschen ihren Anstand behalten lässt und dennoch der romantischen Stimmung der Nähe zum Durchbruch verhilft. Die Äste mit den roten Blättern schließlich überschreiten für den Liebhaber die Grenze von normierten Verhalten zur Erfüllung des natürlichen Begehrens – sie durchbrechen die strenge Formschnittgärtnerei.

 

 

Sammlung:
Franz Ferdinand von Österreich-Este (1863 Graz - 1914 Sarajevo) DNB

Zeit:
2. Hälfte 17. Jh.

Objektbezeichnung
Zwei Liebende

Material/Technik:
Karton

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Inv. Nr.
102410

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