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Dolch
Tappi lamba
Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"70. Dolch - "Tappi lamba".Dieser Dolch, malayisch "Kriss" genannt, ist so wie der Kalewang eine nationale, volksthümliche [sic!] Waffe beinahe aller Völker des ostindischen Archipels. Er wird im Gürtel getragen, ist vom Manne, den besseren Ständen angehörend, unzertrennlich. Des Nachts liegt er beim Haupte des Schlafenden; je nach Form der Klinge unterscheidet man eine Menge von Sorten, die alle ihre eigenen Namen tragen und wobei die kleinsten Abweichungen den Eingebornen von grösster Wichtigkeit sind. Der Kriss ist eine heilige Waffe, die sich in der Familie durch Jahrhunderte forterbt, an der die verschiedensten Wunder haften, die von einem mysteriösen Aberglauben umgeben sind. Man unterscheidet vornehmlich zwei Sorten, jene mit gerader und die mit geflammter Klinge. Bei der geraden kommen wieder die verschiedensten Abweichungen vor, bei der geflammten Sorte wird vorzüglich die Zahl der Bögen ins Auge gefasst, je mehr Bögen desto kostbarer. Man hat Krisse mit drei, fünf, sieben und neun Bögen. Beinahe alle klingen sind damascirt [sic!], mehr oder minder fein. Die Zeichnung der Damascirung [sic!] ist von grosser Bedeutung, da man aus ihr das Schicksal der Waffe, sowie des Besitzers derselben lesen kann. Es sind bestimmte Zeichnungen, die einen solchen Kriss zur Seltenheit machen, der mit Hunderten von Gulden bezahlt wird. Alle diese Dolche führen eine Scheide entweder von Holz oder von Metall, Silber oder Gold, das meist mit prächtiger und kostbarer Ciselirung [sic!] bearbeitet ist. Die Scheide läuft oben beim Heft der Klinge in ein breites Blatt "Djonga-djonga" aus, das aus den feinsten Holzarten geschnitten ist und am unteren Theil [sic!] der Scheide, die "Wanuwa" heisst, angesetzt ist. Die Aderung [sic!] dieses Blattes ist ebenfalls von grosser Bedeutung und wird teuer bezahlt. Auch sie ist von Einfluss auf das Schicksal der Waffe und ihres Besitzers. Die Verbindungsstelle dieses Blattes mit der Scheide ist, wenn selbe von Holz, bei den Buginesen mit einer Woll- oder Goldschnur "pababba tolitoli" etwa drei Centimeter [sic!] hoch umwickelt, ebenso das untere Ende der Scheide "pababba potto tappi". An der oberen Schnurumwickelung ist eine Schlinge "toli-toli" angebracht, ebenfalls aus Woll- oder Goldschnur, die für den Gürtel dienst, der durch dieselbe gezogen wird. Das Heft ist entweder von Holz, Horn, Elfenbein oder edlem Metall. Die Hefte sind oft wahre Kunstwerke der Schnitz- und Ciselirkunst [sic!], häufig mit kostbaren Steinen und Perlen besetzt. Bei Fürsten findet man Krisse, die viele Tausende Gulden werth [sic!] sind. Das Heft des Krisses der Buginesen ist zum Unterschiede von jenen der anderen Völker in der Mitte rechtwinkelig, gegen die Flachseite der Klinge gebogen, welche Form dem Stosse eine grössere Gewalt ertheilt [sic!]. Das Heft heisst "Pangulu", die Klinge "Mata". Der am Heft befindliche Theil [sic!] der Klinge ist breit, in zwei flügelartige verschieden grosse Fortsätze ausgeschlagen, die in den oberen blattförmigen Theil der Scheide passen. Dieser Theil der Klinge heisst "Kanjtjing". Noch ist eine Abweichung an der geraden und geflammten Klinge, der "tappi sapukala" und der "tappi lamba" zu erwähnen. Die Klinge führt häufig an beiden Flächen eine Längsrinne, vom Hefte gegen die Spitze verlaufend, in welche ein giftiger Pflanzensaft gestrichen wird, der die Wunde vergiftet und unheilbar macht. In der Folge werden, was die Klinge anbelangt, nur drei Hauptunterschiede ins Auge gefasst. Das ist gerade und geflammte, mit oder ohne Giftrinne. Der vorliegende Kriss hat eine geflammte Klinge, ist also ein "tappi lamba". Die Klinge ist gut damascirt [sic!], die Scheide und das Heft von Holz und sehr einfach." Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 15-17). Wien, Wilhelm Braumüller

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNBarrow_outward
Zugangsdatum:
1883
Objektbezeichnung
Dolch
Kultur
Süd-Sulawesi, Sigeri
Material/Technik:
Eisen, Holz, Messing
Scheide: Holz, Rattan
Bildrecht
Weltmuseum Wien
Sammlungsbereich
Insulares Südostasien
Inv. Nr.
17386



















