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Hahnsporn
Taji
Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"404. Hahnsporn - Tadji.Sieben Stück kleiner, etwa fünf Centimeter langer, zweischneidiger, spitziger Messerchen, aus sehr feinem Stahl geschliffen, die als Sporen dem zum Kampfe bestimmten Hahn an seine natürlichen Sporen angebunden werden. Das Hahngefecht ist ein Sport, der von allen Eingebornen des indischen Archipels mit Leidenschaftlichkeit geübt wird, bei dem durch Wetten oft das ganze Vermögen, Weib und Kind, ja selbst die eigene Freiheit verloren wird der Verlierende beim Gewinner als Sklave sein ganzes Leben dienen muss. In allen der holländischen Regierung zugänglichen Theilen des weiten Inselreiches ist das Hahnfechten verboten, nur bei grossen Festen und aussergewöhnlichen Gelegenheiten können Fürsten und Vornehme die amtliche Erlaubniss zn diesen Spielen bekommen. In allen übrigen Theilen, wo die Fürsten noch selbstständig regieren, Holland sich mit den internen Angelegenheiten des Landes nicht befassen darf, wird es überall von Hoch und Niedrig im grossen Massstabe betrieben und dies entweder privat in irgend einem Hause, oder öffentlich bei Festen auf dem freien Dorfplatze, oder vor dem Hause des Fürsten, oder endlich auch in eigens dazu hergerichteten Fechtbahnen, die von Speculanten unterhalten werden. Der Unternehmer einer solchen Fechtbahn, bei dem man auch immer eine grosse Auswahl an Kampfhähnen antrifft, sorgt für Unterkunft und Verpflegung der von nah und fern herbeiströmenden Fechtlustigen. Für beides, sowie für die Benützung des Festplatzes bekommt der Unternehmer Antheile an den Gewinnen. Das Fechten der Hähne erfolgt in ähnlicher Weise wie es in Europa geschah und in manchen Gegenden noch geschieht. Die Füsse der Hähne sind allzeit mit den scharfen Stahlsporen bewaffnet und der Kampf währt oft nur wenige Minuten, da das eine oder das andere Thier sofort mit zerrissenem Leibe niederstürzt. Eigene Schiedsrichter und Fachmänner sorgen in der strengsten Weise für die Aufrechthaltung der Kampfordnung, Befolgung der Kampfgesetze und Vorschriften, deren es eine Unzahl gibt. Per Aberglaube spielt natürlich, wie überall bei den Eingebornen, so auch hier eine grosse Rolle. Nicht allein das Anlegen der Sporen hat unter Beobachtung verschiedener Formalitäten zu erfolgen, man muss auch die Zeichnung und Abstammung des Hahnes berücksichtigen, je älter das Geschlecht des Kampfhahnes, je mehr er Sieger in der langen Reihe seiner Ahnen aufzuweisen hat, desto werthvoller wird derselbe. Oft kostet so ein Hahn mit einem reinen Stammbaum mehr, wie ein arabischer Hengst, viele tausende Gulden. Die Wetten bei fürstlichen Hahngefechten erreichen oft die Höhe von zehn bis zwanzig tausend Gulden per Hahn.Der Hahn ist bei den Buginesen das Sinnbild der Tapferkeit, überall in den buginesischen Gesängen wird der Held des Liedes dem Kampfhahne verglichen und so auch benannt. Der Hahn ist das Lieblingsthier der Eingebornen, für den er mehr sorgt und den er zärtlicher behandelt als Frau und Kind. Er kann stundenlang seinen Kampfhahn im Arme halten, ihn schmeicheln, streicheln und küssen, er badet ihn, putzt sein Gefieder und ist um dessen Gesundheit mehr besorgt als um seine eigene. Es ist ein komischer Anblick und er kommt da die kindliche Natur des Volkes so recht zur Anschauung, wenn Männer in voller Kraft ihres Lebens, wie kleine Kinder mit ihrem Hahn spielen, denselben mit Zärtlichkeiten überhaufen und mit Stolz von ihrem Kampfhahne sprechen."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 87-88). Wien, Wilhelm Braumüller Abgebildet sind die Objekte VO_17646 bis VO_17652

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNBarrow_outward
Zugangsdatum:
1883
Objektbezeichnung
Hahnsporn
Kultur
Süd-Sulawesi
Material/Technik:
Eisen
Bildrecht
Weltmuseum Wien
Sammlungsbereich
Insulares Südostasien
Inv. Nr.
17646



















