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Hausmodell

Ruma

Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"514. Haus - "Ruma".Das Modell eines gewöhnlichen Hauses, die gewöhnlichste Form, wie sie auf den Dörfern angetroffen wird. Es ist ganz aus Bambus hergestellt und mit Palmenblättern gedeckt. Alle Häuser der Buginesen und Makassaren sind in dieser Weise gebaut wie das vorliegende, nur verwenden die Vornehmen und Fürsten als Baumaterial Holz, das aussen und innen reich und kunstvoll geschnitzt ist. Die Dachdeckung ist dieselbe, nur ist sie sorgfältiger ausgeführt. Alle Bestandtheile des Hauses‚ sowohl des aus Bambus, wie desjenigen aus Holz gebauten, sind mittels gespaltenem Rohr oder gespaltenem Bambus aneinander gebunden, die Holzbestandtheile meist ineinander gesteckt. Eiserne Nägel sind völlig unbekannt, wie überhaupt Eisen am ganzen Hause in keiner Form zu finden ist. Nur Holz, Bambus, Palmenblätter oder Gras, und Rohr sind die Bestandtheile, die zum Hausbau verwendet werden. Alle Häuser stehen auf klafterhohen Pfählen, so dass die Wohnung mehr als drei Meter über dem Boden sich befindet, gewiss eine sehr nützliche hygienische Massregel. Des Nachts entsteigen dem Boden schwere Nebel und Miasmen, die sich jedoch zu keiner bedeutenden Höhe erheben, so dass bei dieser Bauart die Menschen über der vergifteten Luftschicht zu liegen kommen. Ausserdem kann ein solches, sozusagen in der Luft hängendes Haus durch den geringsten Wind allseits von allen schädlichen Dünsten und Gasen gereinigt werden. Der Raum unter dem Hause bildet gewöhnlich den Aufenthaltsort aller möglichen Hausthiere und es wird auch aller Unrath und alle Flüssigkeiten durch den Boden des Hauses in diesen Raum geworfen und gegossen, so dass er sich wohl nicht durch besondere Reinlichkeit auszeichnet. Zu der an der Vorderseite des Hauses befindlichen Eingangsthüre führt entweder eine Stiege von Holz oder eine schiefe Ebene, aus Laufbrettern gebildet, oder endlich eine einfache Bambusleiter. Alle Häuser sind in Gibelform gebaut, mit steilen, zu beiden Seiten tief überhängenden Dächern. Das Haus des kleinen Mannes, das er sich aus Bambus selbst baut, besteht erstens aus einem schmalen Seitentheile, zu welchem vorne die Eingangsthüre führt. Der vordere Theil dieses Raumes dient als Küche, wo auf Steinen, die auf einer Sand- oder Erdlage ruhen, in den verschiedenen Töpfen und Pfannen gekocht und gebraten wird, während der rückwärtige Theil als Abort benützt wird. Es befindet sich daselbst im Boden des Hauses eine kleine Oeffnung. Der Rauch muss sich seinen Ausweg entweder durch die Thüre oder durch die zahllosen Oeffnungen und Ritzen des leichten Bambusbaues suchen. Das Innere des Hauses ist mehr oder weniger mit Rauch erfüllt, die Wände des Küchenraumes sind braun, selbst schwarz angeraucht. Aus diesem schmalen, zur Seite des Hauses befindlichen Küchenraum gelangt man in ein grosses Zimmer, den für den täglichen Verkehr und das tägliche Leben bestimmten Ort. Um die Wände läuft gewöhnlich eine niedrige Bank aus Bambus der Boden ist mit mehr oder minder feinen Matten bedeckt, die Wände mit den Waffen des Hausherrn geziert. In der Mitte steht der grosse Hauptpfahl des Hauses, der heilige Pfahl, an dem die verschiedenen religiösen Ceremonien stattfinden, an dem man den Geistern und Göttern Opfer bringt. Der Boden des ganzen Hauses ist ebenfalls aus geflochtenem Bambus, sowie die Wände und die Decke verfertigt, er ist elastisch und nachgiebig, so dass man bei jedem Schritte durchzubrechen fürchtet. An der vorderen Seite des Hauses, somit an der Vorderwand dieser grossen ersten Kammer, sind gewöhnlich mehrere hohe und schmale bis an den Boden reichende Fenster angebracht, die nicht allein ein Gitterwerk von Bambus oder Holz haben, sondern auch von aussen mit hölzernen Läden geschlossen wer den können. Bei diesen Fenstern sitzt der Hausherr und seine Familie im süssen dolce far niente mit gekreuzten Beinen am Boden, den Betel im Munde, in das Dorf hinaus blickend, mit Erzählen und Singen sich die Zeit vertreibend. Hier in dieser grossen Kammer werden Gäste empfangen, alle Feste gefeiert und die grossen Festessen veranstaltet Aus diesem ersten grossen Raume, der für Jeden zugänglich ist, gelangt man in zwei oder mehrere kleinere Zimmer, die Schlafstellen des Hausherrn, seiner Frauen und seiner Familie enthaltend, und diese Gemächer darf kein Fremdling betreten; der es wagen würde, hier einzudringen, würde es sicher mit dem Tode büssen. Natürlich haben diese rückwärtigen Zimmer auch einige kleine Fenster und der Boden ist mit Matten sorgfältig bedeckt, auf welchen erst die eigentlichen Schlafmatte oder Matratzen hinter den färbigen cattunenen Vorhängen sich befinden. Das Haus eines Fürsten ist etwas abweichend von diesem gebaut, es ist, wie schon erwähnt, ganz aus Holz. Auf einer schiefen Ebene gelangt man zuerst in einen kleinen, am Vordertheile des Hauses angebauten Raum, das Vorzimmer, in welchem an der Wand Holz- oder Bambusbänke angebracht sind, auf welchen immer einige Sklaven und Diener, in ihre Sarongs eingehüllt, ruhen. Aus diesem Vorraume gelangt man direct in den grossen Saal, das Empfangs- und Gesellschaftslocal des Hauses, das ähnlich eingerichtet ist, wie das oben beschriebene Haus des kleinen Mannes. In der Mitte der heilige Pfahl, an den Wänden Bänke, die Wände selbst mit kostbaren Waffen behangen, der Boden mit feinen Matten bedeckt, in der Vorderwand mehrere hohe schmale Fenster. Dieser Raum nimmt die ganze Breite des Hauses ein und in ihm werden auch alle grossen Feste und Feierlichkeiten der Familie veranstaltet. Aus diesem Saal gelangt man nun ebenfalls in die Schlaf- und Wohngemächer des Fürsten, seiner vier Hauptfrauen und seiner Familie. Aus dem rückwärtigen Theile des Hauses führt ein gedeckter, ebenfalls auf hohen Pfählen ruhender Gang, in die Nebengebäude, wo die Beifrauen, Tänzerinnen, Bissus, Sklaven ihre Kammern haben, auch die Küchen und anderen Nebenlocalitäten sich befinden. Das Innere des Vorderhauses eines Fürsten ist mit kunstvoller Schnitzerei geschmückt, meist bunt bemalt und reich vergoldet. Die Häuser der Buginesen und Makassaren sind in schattigen Bambus- oder Palmenhainen willkürlich zerstreut gebaut, Strassen und Wege gibt es nicht, die einzelnen Häuser sind durch Fusspfade verbunden, die Häuser selbst mit Frucht- und Gemüsegärten umgeben. Nur vor dem Hause des Fürsten oder des Dorfhäuptlings befindet sich ein grosser freier Platz, auf welchem der heilige Baum der Eingebornen, der "Waringin" (Efeus benjamina) steht, wo öffentliche Versammlungen gehalten, Feste gefeiert werden, zur Zeit des Krieges die Bewaffneten des Dorfes sich versammeln. Hier steht auch gewöhnlich eine Moschee und die Gebäude für mohamedanische oder heidnische Priester."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 125-128). Wien, Wilhelm Braumüller 

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNB

Objektbezeichnung
Hausmodell

Material/Technik:
Holz, Bambus

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Sammlungsbereich
Insulares Südostasien

Inv. Nr.
17744

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