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Opiumpfeife

Atekkong

Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"385. Opiumpfeife - "Ateng kong"Eine Opiumpfeife, bestehend aus einem langen Bambusrohr, an dessen unterem Ende an der Seite ein hölzerner pfeifenkopfartiger Aufsatz befestigt ist. Derselbe hat obern eine kleine Oeffnung, die durch einen Canal dieses Aufsatzes mit dem weiten Bambusrohre communicirt. Auf diese kleine Oeffnung wird ein Opiumkügelchen gelegt und angezündet, der sich entwickelnde Dampf durch das Rohr eingesogen. Der Raucher liegt auf seiner Matratze oder Matte, ihm zur Seite eine kleine Büchse mit Opium und ein kleines Oellämpchen, an welchem er von Zeit zu Zeit das auf der Pfeife liegende Opiumkügelchen anzündet. Der Raum, in dem der Opiumraucher sich befindet, ist bald mit einem süsslichen, betäubenden Dampf erfüllt, der Raucher selbst liegt apathisch mit glotzenden Augen bewegungslos, nur von dem matten Lichte des kleinen Lämpchens beleuchtet, auf seinem dürftigen Lager. Das Opiumrauchen wird zu einer fürchterlichen Leidenschaft, welche das Individuum, sowie das ganze Volk entnervt, moralisch und physisch zu Grunde richtet, zu einem sicheren elenden Tode führt. Die meisten Opiumraucher sterben an der Opiumauszehrung, dem Opiummarasmas, wo sie sich, zu Skeletten abgemagert, wie Idioten, stumpfsinnig, nur wenig Nahrung zu sich nehmend, auf ihrem elenden Lager wälzen, ohne Willen und Kraft zu besitzen, aufzustehen, bis sie mit Schmutz und Unrath bedeckt, das Leben aushauchen. Das Opiumrauchen abgewöhnen ist eine Unmöglichkeit und sogar für das Individuum lebensgefährlich, da bei vermindeter Opiumaufnahme dasselbe an profusen, durch kein Mittel stillbaren Diarrhöen zu Grunde geht. Das Opiumrauchen ist im ganzen indischen Archipel verbreitet, doch nur an den Küsten, im Inneren der Insel nur da, wo Europäer und Chinesen, die Verbreiter der abendländischen und morgenländischen Cultur, dieses Gift an die armen Opfer ihrer Geldgierde verkaufen können. In jenen Theilen der Inseln, wo europäische und asiatische Cultur noch nicht Eingang gefunden hat, wo es fanatischen arabischen Priestern noch nicht gelungen ist, im Opiumrausche, der Opiumextase, das Paradies den Gläubigen sehen zu lassen, dort, wo die Eingebornen noch in ihrer kindlichen Unverdorbenheit leben, dort ist auch das Opiumrauchen, sowie alle Laster überhaupt, unbekannt. Die holländische Regierung stört diese Demoralisation der Eingebornen nicht, ja leider, sie fördert sie noch, da dieselbe ihr großen materiellen Gewinn liefert, indem alles Opium, aus Asien importirt, hoch verzollt wird. Der Opiumhandel, Monopol der Regierung, wird an Chinesen verpachtet. Der Pacht wirft jährlich enorme Summen ab. Der Opiumpacht auf Java allein beträgt pro Jahr über 13 Millionen, auf Celebes, wo das Innere des Landes noch wenig zugänglich ist und das Landvolk von dieser Plage noch verschont bleibt, beträgt die verpachtete Opiumsteuer nur eine Million Gulden. Es werden zwei Sorten Opium eingeführt, das levantinische und das bengalische Opium. Die Wirkung des Opiums ist bekannt, es sei nur erwähnt, dass bei raschem, übermässigen Genuss das Individuum in eine Art Manie, Raserei geräth, "Amok" genannt, welcher Zustand schon bei der Beschreibung der Fangeisen ausführlich beschrieben wurde. Dieser übermässige Opiumgenuss ist gleichzustellen dem übermässigen Alcoholgenuss in Europa, wo in beiden Fällen das Individuum im Rausche das Unangenehme seiner momentanen Lage vergessen will, sich in ein Reich der Träume flüchtend, bis es endlich völlig erschöpft und betäubt zusammenstürzt oder in Raserei ausbricht. Zum Ueberflusse sei hier noch einmal erwähnt, dass die zum Tode geweihten Vorfechter im Kriege ebenfalls mit Opium berauscht und exaltirt werden, wo sie dann, wilden Thieren gleich, sich auf den Feind werfend, das Gefecht eröffnen."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 82-84). Wien, Wilhelm Braumüller 

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNB

Objektbezeichnung
Opiumpfeife

Material/Technik:
Bambus

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Sammlungsbereich
Insulares Südostasien

Inv. Nr.
17629

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