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Reisblock

Palungang-lampe

Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"373. Reisblock - "Palungang-lampe".Der vorliegende Reisblock ist der kleinste, der in dieser Art besteht. Man hat Reisblöcke aus ganzen Baumstämmen gezimmert, oft drei bis vier Meter lang. Der vorliegende hat nur zwei mörserartige Aushöhlungen, während die grossen ausser diesen runden Höhlungen noch lang gestreckte, trogförmige besitzen. In letzteren werden die gesammelten Reisähren durch Stampfen mittelst hölzerner Stampfer von den Körnern befreit, welche Procedur unser Dreschen vertritt; in den schüsselförmigen runden Höhlungen dagegen wird das Reiskorn durch Stampfen von seiner Hülle befreit, zum essbaren Reiskorn umgewandelt. Der Reisblock ist das volksthümlichste  Geräth  aller Eingebornen des ganzen ostindischen Archipels, es ist das wichtigste Geräth, das in keinem Hause fehlen darf, da mit demselben das vornehmste Nahrungsmittel, der Reis, zum Genusse vorbereitet wird. Das Reisstampfen besorgen ausschliesslich Frauen. Sie stehen mit dem cattunenen Rock, "Sarong", allein bekleidet beim Block, entweder den ganzen Oberkörper nackt oder den "Sarong" unter den Achseln über der Brust befestigt, einfach eingedreht. Sie sind bei der ermüdenden Arbeit so leicht als möglich gekleidet. Beim Stampfen wird der Stampfer, der etwa ein und einhalb Meter lang ist, in der Mitte gefasst und beim Aufheben und Niederstossen aus einer Hand in die andere geschlendert, so dass die Hände abwechselnd ihn heben und hinabschleudern, eine Hand arbeitet, während die andere ruht. Das Stampfen erfolgt nach einem bestimmten Rhythmus und bringt ein eigenthümliches, weithin vernehmbares Geräusch hervor. Gewöhnlich wird das ganze Jahr hin durch Reis gestampft, so viel als man für kurze Zeit eben nöthig hat, denn der Eingeborne ist kein Freund von grossen Vorräthen. Nach der Ernte wird das Reisstampfenim Grossen allgemein im ganzen Dorfe in jedem Hause betrieben da man das fertige Korn nicht allein zum Verkaufe nöthig hat, sondern auch zur Bereitung von zahlreichen Speisen bei den jetzt oft sich wiederholenden Festessen und Festtafeln. Denn die Erntezeit ist die Zeit der Feste, alle kirchlichen und nationalen Feierlichkeiten werden in diese Zeit verlegt, in dieser Zeit werden die meisten Ehen geschlossen, die grossartigsten Hochzeitsfeierlichkeiten veranstaltet. Das Reisstampfen erfolgt gewöhnlich in mondhellen Nächten. Um die Reisblöcke sind alle Frauen und Mädchen versammelt, durch Plaudern und Singen sich die Zeit kürzend, und hier ist der Ort, wo die Mädchen des Bauernstandes ihre Freier und Männer finden. Die jungen Männer des Dorfes schwärmen in solchen Nächten im Dorfe herum von Haus zu Haus, und wo junge Mädchen am Reisblocke stehen, beginnen sie durch Scherzen und Höflichkeiten aller Art sich den Mädchen zu nähern, doch niemals wird man irgend eine Rohheit oder Frivolität bemerken, sie ist den Naturmenschen fremd. So wie bei uns auf dem Tanzboden durch gewisse Künste der Coquetterie [sic!] das Mädchen den Mann zu gewinnen sucht, so versteht es auch hier das halb nackte Naturkind, dem edelsten der Naturtriebe folgend, sich in kindlich naiver Weise dem anderen Geschlechte zu nähern, sich mit ihm zu vereinen. Doch nicht allein diesem friedlichen Zwecke dient der Reisblock, er bildet auch die Sturmglocke der Dörfer zur Zeit des Aufruhres, der Gefahr. Ist die unbeschreibliche Geduld des äusserst gutmüthigen [sic!] Eingebornen durch beispiellose Bedrückung aller Art zu Ende, greift er zur Waffe, um sich der Fesseln zu entledigen, einen Kampf auf Leben und Tod zu kämpfen, wird er von fanatischen Priestern oder seinen Fürsten in den Kampf gehetzt, dann stehen vor den Reisblöcken der Häuser Männer und Frauen und geben durch Stampfen in dem leeren Blocke und Kriegsgeschrei das Zeichen zum Kampfe, das sich von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf, in der ganzen Abtheilung oft auf der ganzen Insel verbreitet, Tag und Nacht fortdauert, bis die Entscheidung gekommen, die gewöhnlich in der Niedermetzlung von Tausenden dieser Armen besteht.Und noch einem dritten Zwecke dient dieses einfache Hausgeräth. Es ist nämlich der beste Teufelvertreiber. Seine Stimme vertreibt den bösen Geist, die nahende Gefahr. Tritt eine Mondesfinsterniss ein, bei welcher der Mond mit dem bösen Geiste, der ihn vernichten will, kämpft, dann wird der Reisblock geschlagen, die ganze Nacht, in jedem Hans, im ganzen Dorf, auf der ganzen Insel, überall wo das Schauspiel sichtbar ist, und weithin ertönt das eigenthümliche Geräusch in der herrlichen Nacht dieses Paradieses. Bei Epidemien, die das Volk decimiren, sowie bei allen elementaren Ereignissen, die die wehrlose Creatur und ihre Werke bedrohen, wird zum Reisblock die Zuflucht genommen. Da schweigt der monotone Gesang des Eingebornen, da sieht man keine fröhlichen Gesichter, keine glücklichen Liebespaare beim Blocke stehen, nur Angst und Verzweiflung ist sichtbar, und nur das dumpfe Schlagen des Blockes zu vernehmen. Der Gottesbegriff ist bei dem Eingebornen nicht ausgebildet er greift in seiner Angst zu äusseren Mitteln, um die unsichtbare Gewalt von sich zu halten, seine erregte Einbildungskraft durch Lärmen zu betäuben."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 75-77). Wien, Wilhelm Braumüller  

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNB

Objektbezeichnung
Reisblock

Material/Technik:
Holz

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Sammlungsbereich
Insulares Südostasien

Inv. Nr.
17617_a

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