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Segelkanu
Balolang
Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"420. Canoe - "Balolang".Das Canoe bildet das volksthümliche Fahrzeug aller indischen Küstenbewohner. Es wird von den Buginesen und Makassaren "Lipa-lipa" genannt und ist aus einem Baumstamm in der mühevollsten Weise gezimmert und ausgehöhlt. Das vorliegende gehört zur kleineren Sorte, nur für zwei Personen bestimmt. Man hat noch kleiner nur für eine Person, mit welchen die Eingebornen mittelst eines einfachen Ruders pfeilschnell über die Wasserfläche dahingleiten. Anderntheils hat man grosse, wunderschön gearbeitete Canoes, wohl für zwanzig Personen, fünf bis sechs Meter lang, ebenfalls aus einem einzigen Baumstamm gezimmert. Gebraucht man ein solches Canoe ohne Segel, so werden einfache Handruder zum Rudern verwendet. Die Insassen müssen auf dem Boden entweder mit gekreuzten Beinen sitzen, oder niedergekauert hocken. Sie müssen dabei sich ruhig verhalten und ihren Oberkörper gerade und in der Mittellinie des Canoes halten, da beim stärkeren Verrücken des Schwerpunktes ein so starkes Schwanken eintritt, dass dieses leicht gebaute Fahrzeug nicht allein Wasser schöpft sondern umschlägt. Da dies Fahrzeug aus einem sehr leichten Holz gezimmert ist, so kann es niemals sinken wenn es auch voll Wasser läuft. In einem solchen Falle springen die Insassen , die gewöhnlich nicht viel Kleidung anhaben, in das Wasser, schwimmen darin so lange herum, bis zwei derselben durch eigenthümliches Schwingen des Canoes das Wasser aus denselben herausgeschleudert haben, wo dann die ganze Gesellschaft zu beiden Seiten des Fahrzeugs wieder in dasselbe hineinklettert. Schlägt es bei schlechtem Wetter ganz um, so hat dies auch nicht viel zu sagen, man hat es in kurzer Zeit wieder in die richtige Lage gebracht, ausgeschöpft, die herumschwimmenden Ruder zusammengesucht und seine alten Plätze wieder eingenommen, und so bleibt in den meisten Fällen ein solcher Zwischenfall ohne weiteren Folgen. Und wenn auch dann und wann bei sehr schlechtem Wetter die Insassen eines solchen Fahrzeuges nie mehr wiederkehren, so macht das bei dem indolenten Charakter dieses Volkes bei den Angehörigen und im Dorf auch keinen grossen Eindruck. Um weiter mit diesem Fahrzeug in die See zu gelangen und den Wind zu benützen, werden dreieckige oder viereckige Segel gebraucht; da jedoch der Wind, in die überaus grossen Segel sich legend, das leichte kleine Fahrzeug umlegen würde, so sind zu beiden Seiten auf langen Querstangen, die quer über das Canoe gebunden sind, grosse Balancirhölzer angebracht, wodurch das Umschlagen verhindert wird, ohne die Geschwindigkeit des Fahrzeugs zu beeinträchtigen. Ein solches mit Segeln versehenes Canoe schiesst bei mässigem winde pfeilschnell über die Fluth und kein europäisches Boot, ähnlich ausgerüstet, kann es einholen, darum auch die Piraten und Strandräuber, deren es in den Gewässern von Celebes noch viele gibt, ihren Verfolgern stets entkommen, wenn sie auch ihr grosses Fahrzeug zurücklassen müssen. Es ist aufgabe der niederländisch-ostindischen Marine, die überall in den Gewässern kreuzt, die Strand- und Seeräuber einzubringen, was ihr jedoch beinahe niemals gelingt, wenn sie auch von Zeit zu Zeit irgend ein grosses Piratenboot kapert, die Bemannung weiss immer mit ihren kleinen Canoes zu entkommen. Das vorliegende Exemplar führt ein kleines dreieckiges Segel, ein breites Steuerruder rückwärts an der linken Seite, zwei kleine Handruder, eine kleine Sitzbank aus Bambus, einen originellen Anker aus einem hakenförmigen Holz gebildet, an dessem oberen Theil ein grosser Stein mittelst Rohr festgebunden ist, endlich ein Wasserschöpfer, eine zu diesem Zwecke hergerichtete grosse Muschel. Mit diesem kleinen Fahrzeuge wagt sich der Eingeborne oft meilenweit in die See, mit etwas Trinkwasser, gekochtem Reis, spanischem Pfeffer, getrocknetem Fisch und dem unentbehrlichen Betel verproviantirt, um einen ganzen Tag auf offener See zu bleiben und mit langen angelschnüren Fische zu fangen. Meist verlässt er mit dem Landwinde, der vom Lande zur See weht, das Land und kehrt mit dem Seewinde, der zum Lande weht, wieder zur Küste zurück, beladen mit grossen und kleinen Fischen , die dann an der Sonne getrocknet, halb faul und stinkend, auch in cocosöl gebraten oder gebacken, seine Lieblingsspeise bilden."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 95-97). Wien, Wilhelm Braumüller

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNBarrow_outward
Zugangsdatum:
1883
Objektbezeichnung
Segelkanu
Kultur
Süd-Sulawesi, Makassar
Material/Technik:
Holz
Bildrecht
Weltmuseum Wien
Sammlungsbereich
Insulares Südostasien
Inv. Nr.
17669



















