Objekt speichern
Sie können die Abbildung für den privaten Gebrauch herunterladen und nutzen. Nutzungsbedingungen & AGBs
Für eine Veröffentlichung (wissenschaftlich oder kommerziell) schicken Sie uns bitte eine Reproduktionsanfrage
Spiel
Aggalacengeng
Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"407. Spiel - "Agalatjangang".Ein etwa meterlanger Holzblock, 20 Centimeter breit, auf dessen oberer Fläche zwei Reihen schüsselförmiger Vertiefungen sich befinden, in welche harte Früchte oder Steinchen in der Weise gegeben werden, wie es das Spiel verlangt. Dies Spiel wird "Galatjang" genannt, und folgender Weise gespielt: Zwei auf dem Boden hockende Personen setzen den Block so zwischen sich, dass jeder Spieler zu seiner rechten Hand eine grosse der ausgehölten Schüssel hat, "indo" genannt. Nachdem die übrigen kleinen schüsselförmigen Aushöhlungen, "mata" genannt, je mit sieben Nüssen oder Steinchen besetzt sind, beginnt man aus einer "mata" an seiner Seite liegend, die Nüsse herauszunehmen und vertheilt dieselben von der linken Hand zur rechten fortgehend, Stück für Stück in die darauf folgenden "matas" und auch in den "indo", der einem gehört. Die Nüsse aus den "mata", in welche man die letzt Nuss gegeben, werden alle herausgenommen und in der selben Weise in die folgenden Höhlungen oder "matas" Stück für Stück vertheilt. Trifft es sich, dass man die letzte Nuss gerade in seinen eigenen "indo" wirft, so muss man wieder auf's Neue mit einer "mata" der eigenen Seite das Vertheilen beginnen. Auf diese Weise geht es fort, bis einer der Spieler die letzte Nuss in eine leere Höhlung oder "mata" zu geben gezwungen ist, was "potjo" genannt wird, dann beginnt der Andere, bis auch er "potjo" gemacht hat, worauf wieder der Erste beginnt und so fort. Bei diesem "Potjo"machen sei bemerkt, dass, wenn man die letzte Nuss in eine leere "mata" der eigenen Seite geworfen und in derselben "mata" der anderen Seite noch Nüsse vorhanden sind, man sagen kann "natembai"‚ d. h. es ist gut, und dann das Recht hat alle Nüsse dieser Höhlung zu gleich mit der eigenen letzten Nuss in seinen eigenen "indo" zu werfen. Das schliesst jedoch nicht aus, dass nun die Reihe zum Spielen an dem Gegner ist. Wenn es endlich so weit gekommen ist, dass einer der Spieler an seiner Seite in den Höhlungen keine Nüsse mehr hat, um sie weiter zu vertheilen, so nimnt man beiderseits die Nüsse aus seinem " indo" und sieht wie viel "matas" man damit füllen kann, wenn einer der Spieler eine seiner "mata" nicht mehr mit sieben Steinen füllen kann, wie dies beim Beginne des Spieles geschah, so heisst dies "ri-tallo-ni tji-lallang"‚ d. h. ein Haus in Brand stecken. Bleiben zwei Höhlungen leer, so spricht man von "ri-tallo-ni duwa-Iallang" u. s. w. Die leeren "matas" werden mit ein oder dem anderen zugemacht und dürfen nicht mehr besetzt werden. Sobald nun wieder einer der Spieler ausser Stand gesetzt ist, zu besetzen, dann füllt man aufs Neue die "matas" seiner Seite mit Nüssen aus seinem "indo"‚ und kommt man da noch zu kurz, so werden wieder ein oder mehrere der leer gebliebenen "matas" zugemacht. Derjenige, dessen "matas" zuerst alle zu sind, bekommt einen "aseg" oder Streifen, er hat verloren. Hat man jedoch das Glück bei der zweiten, dritten oder einer der folgenden Partien wieder alle "matas" zu füllen, so wird eine der zugemachten "matas" auf's Neue gebraucht, und so kann das Spiel oft mit abwechselndem Glücke lange Zeit dauern. Dieses Spiel wird gewöhnlich in der Trauerzeit, die nach einem Verstrobenen gehalten wird, gespielt, und meist aus den Moscheen, wo es gegen Entgelt vermiethet wird, geholt. Bedient man sich seines eigenen Spielblockes, so muss derselbe nach beendeter Trauerzeit auf dem Kirchhof begraben werden, um so mit demselben alles unreine "permali" aus dem Hause zu entfernen." Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 89-91). Wien, Wilhelm Braumüller

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNBarrow_outward
Zugangsdatum:
1883
Objektbezeichnung
Spiel
Kultur
Süd-Sulawesi, Mallasoro
Material/Technik:
Holz, Samen
Bildrecht
Weltmuseum Wien
Sammlungsbereich
Insulares Südostasien
Inv. Nr.
17655_a



















