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Spuckbecher

Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"132. Spuckbecher.Bekanntlich gebrauchen alle Eingeborenen des indischen Archipels, die Frauen nicht ausgenommen, stark salivirende Mittel als Reiz für die Mundhöhle, die zu den unentbehrlichsten Genüssen gezählt werden. Diese Reizmittel bestehen aus dem frischen Blatte der Betelpflanze (Piper betel), dem eingedickten Saft der Pinangpalme (Areca catechu), der zerstampften Nuss dieser Palme und Kalk. Diese Ingredientien werden untereinander vermengt, ein Bolus geformt und derselbe zwischen Zähne und Wange eingeschoben.Kommt der Pinangsaft mit Kalk und Speichel in Berührung, so entsteht eine intensiv rothe Farbe, welche den durch den Betel reichlich secernirenden Speichel färbt, wodurch auch Lippen und Zähne stets dunkelroth gefärbt erscheinen, was von allen Eingebornen für schön gehalten wird, da blendend weisse Zähne für thierisch gelten. Da nun der in so grosser Menge und dabei roth gefärbte Speichel, jeden Augenblick ausgeworfen werden muss so wären bald alle Räume der Bambus- oder Holzhütte der Eingebornen mit dieser rothen Farbe bedeckt und desshalb bedient man sich überall im ganzen Archipel, beim Fürsten wie beim kleinen Mann, dieser Spuckgefässe, die stets in der Nähe der Betelkauenden sich befinden. Vornehmen werden Spuckbecher aus edlen Metallen, oft prachtvoll gearbeitet, von Sklaven nachgetragen. Bei Besuchen ist das erste, was man dem Besuchenden an die Seite stellt, ein solcher Spuckbecher. Das Material, aus welchem diese Gefässe gearbeitet werden, ist nach Rang und Vermögen verschieden. Man findet sehr einfache aus Cocosnuss verfertigte bis zu den kostbarsten aus schwerem, ciselirten Gold."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 31-32). Wien, Wilhelm Braumüller

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNB

Objektbezeichnung
Spuckbecher

Kultur
Aceh

Material/Technik:
Messing; getrieben

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Sammlungsbereich
Insulares Südostasien

Inv. Nr.
18066

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