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Todtenbahre (Modell)

Ulerang-to-mate

Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"522. Todtenbahre - "Ulerang-to-mate"Ein grosses tragbares Gerüste, aus Bambus erbaut, das auf vier grossen, schweren Balken ruht und von zwei- bis dreihundert Trägern unter kolossalem Geschrei getragen wird. Diese ungeheure Todtenbahre wird nur zum Begräbniss fürstlicher Leichen verwendet. Auf den vier grossen Balken ist ein Boden von Bambus angebracht, auf welchem in der Mitte die siebenmal mit weissen Tüchern umwundene Leiche ruht, bedeckt mit einem gewölbten, aus Bambus geflochtenen, mit weissem Cattun überzogenen Deckel, "tjakko-tjakko". Um die Leiche ist eine etwa meterhohe Bambusbarriere im Viereck angebracht, die ebenfalls weiss überzogen ist. Innerhalb dieser Barriere, in den vier Ecken, sitzen bei der Leiche die vier Frauen des Fürsten in graue Trauergewänder gehüllt. Um diese erste Barriere läuft in einem grösseren Viereck eine zweite ebenso hoch und weiss überzogen. In dem Raume zwischen beiden stehen im vollen Waffenschmuck, mit kostbaren Gewändern angethan, die Blutsverwandten des Fürsten. Zum Haupte und zu den Füssen der fürstlichen Leiche sind die Waffen und Kostbarkeiten des Verstorbenen aufgestellt, ebenso die Reichskleinodien und Krönungszieraten. Um diese zweite Barriere läuft noch eine dritte, und der Raum zwischen der zweiten und dritten ist ausgefüllt mit den verschiedenen Opfergeschenken, die von den Vornehmen und Prinzen für die später folgenden Opferfeierlichkeiten gespendet wurden. Die ganze Bahre mit all' ihrem Inhalt hat ein enormes Gewicht und die hunderte von Trägern haben ein schweres Stück Arbeit zu verrichten, da die Leiche oft stundenweit, in brennender Sonnenhitze zu dem Begräbnissplatz der Familie getragen werden muss. Dieser Act der Leichenfeier gestaltet sich zu einer grossartigen Procession. An derselben, die oft einen stundenlangen Zug bildet, betheiligen sich alle Verwandten, alle Häuptlinge und Vornehmen des Landes zu Pferd, sowie der ganze Hofstaat, alle Reichsgrossen, Würdenträger, Priester und Priesterinnen. Vor der Todtenbahre, die, wie schon erwähnt, von einigen hunderten Menschen unter grossem Spektakel über Stock und Stein, Felder und Wiesen getragen wird, da Wege und Strassen unbekannt sind, werden von einer Anzahl Sklaven noch eine grosse Menge Opfergeschenke getragen, die auf der Bahre selbst nicht Platz gefunden haben. Ferner werden der Bahre vorangetragen die oben beschriebenen fürstlichen Fackeln, dann durch Bissus eine grössere Anzahl geweihter Kerzen, nicht angezündet, zum Zeichen des Todes, die Fahnen des Landes und des Fürsten, grosse goldene Sonnenschirme, die fürstlichen Ehrenwaffen und Schilde, von Bissus grosse Thongefässe mit geweihtem Wasser, grosse Körbe mit wohlriechenden Blumen und Blättern, grosse Rauchgefässe aus Thon und Kupfer, in denen riechende Harze verbrannt werden. Zur Seite der Bahre reiten die übrigen Blutsverwandten bewaffnet, während hinter der Bahre, den langen folgenden Zug ein Haufen Klageweiber eröffnet, die ein fürchterliches Geschrei machen. Dann kommen die bereits erwähnten Reichsgrossen, Vornehmen, der Hofstaat, die Hofdamen, Priester und Priesterinnen. Alle nach einer bestimmten, von der Hofetiquette vorgeschriebenen Ordnung. Den Zug beschliesst eine nach Tausenden zählende Volksmenge beiderlei Geschlechtes, in festlichen Gewändern. Alles zu Fuss, da nur Fürsten, Vornehme und Häuptlinge sich der Pferde bedienen dürfen. Von den Verwandten des Fürsten werden während des Zuges immerwährend Kupfer- und Silbermünzen unter das Volk gestreut. Dass bei dieser Feierlichkeit die verschiedenen Musikinstrumente, ebenso wie die teufelvertreibenden Gegenstände eine grosse Rolle spielen, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Die grosse Menge der dem Zuge folgenden Priester und Priesterinnen sind bemüht, durch ohrenzerreissenden Lärm die bösen Geister fernzuhalten."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 130-132). Wien, Wilhelm Braumüller  

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNB

Objektbezeichnung
Todtenbahre (Modell)

Material/Technik:
Bambus, Rattan

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Sammlungsbereich
Insulares Südostasien

Inv. Nr.
17752

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