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Trommel, Schlägel

Ganrang

Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"448 - 449. Trommeln - "Ganrang".Diese Art Trommeln werden überall im indischen Archipel angetroffen, malayisch heissen sie "Ganrang"‚ sie sind aus röhrenförmig ausgehöhlten, etwa ein Meter hohen Baumstämmen verfertigt, wo über die beiden Enden des offenen Rohres, gleich unseren Trommeln, ein Fell gespannt ist. Von beiden Fellen läuft aussen an der Trommelröhre ein Rohrgeflecht, mit dem man, ähnlich wie bei uns, das Fell mehr oder minder spannen kann. Diese schmalen, hohen, ziemlich schweren Trommeln werden mittelst einer aus Rohr geflochtenen Schnur um den Hals getragen, so dass sie vorne horizontal hängen und der Musikant beide Felle derselben mit beiden Händen bearbeitet. Die linke Hand schlägt gewöhnlich platt auf das eine Fell, während die rechte einen stabförmigen Schlägel, " Cabara" genannt, führt. Diese Trommeln werden bei grossen Festen und Feierlichkeiten, bei Begräbnissen und Prozessionen, doch auch im Hause bei kleinen Familienfesten, wie dem Geburtsfest, Heirat, Beschneidung, Zahnfeilen u. s. w. gebraucht und in der verschiedensten Weise geschlagen, so z. B. bei der Geburt eines Mädchens folgt ein Schlag langsam den anderen, was "tatte - sore" heisst, bei der Geburt eines Knaben folgen stärkere, kräftige Schläge rasch aufeinander, das "tatte kanjdjara" genannt wird, u. s. w. Die Bissus, das ist die heidnischen Priester und Priesterinnen auf Süd-Celebes, haben ihre eigene Art des Schlagens der Trommeln, ebenso die Hofdamen an den fürstlichen Höfen, andere Schlagweise die Hoftänzerinnen, andere die Kriegstänzer u. s. w. u. s. w. Bei der Geburt eines fürstlichen Prinzen hat man sieben Arten von Schlagen, bei der Geburt einer Prinzessin fünf Sorten, bei der Geburt eines Kindes eines Fürsten von geringerem Rang oder eines Häuptlings drei Schlagweisen. Das Schlagen auf die Trommel erfolgt durch eigene Künstler, die bei den verschiedenen Festen und Anlässen von Dorf zu Dorf ziehen und gut bezahlt werden. Für das europäische Ohr ist es natürlich sehr schwierig, alle diese verschiedenen Sorten des Trommelschlages herauszufinden."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 104-105). Wien, Wilhelm Braumüller 

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNB

Objektbezeichnung
Trommel, Schlägel

Material/Technik:
Holz, Leder, Rattan

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Sammlungsbereich
Insulares Südostasien

Inv. Nr.
17694_ab

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