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Gürtelplatte
Timang
Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"711. GürtelplatteEine grosse rautenförmige Platte aus Silber, sehr reich und in kunstvoller Weise ciselirt, für einen Gürtel bestimmt, wie ihn Männer zu tragen pflegen. Der Schmuck spielt im indischen Archipel bei allen Völkern eine grosse Rolle, er wird von Frauen wie von Männern in gleicher Weise leidenschaftlich geliebt und es bildet vorzüglich der Diamant "Intan" das ideal eines jeden Eingebornen. Für Schmuck gibt das Volk Alles her und man sieht oft die armseligst gekleideten Menschen, die kostbare Ohrringe, Nadeln und Gürtel tragen. Alle diese verschiedenen und kostbaren Schmuckgegenstände werden entweder von den Eingebornen selbst erzeugt oder von chinesischen und arabischen Goldschmieden, die man auf jedem grösseren Platz findet, in grosser Menge fabricirt. Die leidenschaftliche Liebe zum Schmuck, zu Diamanten, so wie überhaupt zu allen glänzenden Sachen, hat sich auch auf die Frauen gemengten Blutes fortgeerbt, ja noch mehr, alle in Indien gebornen Frauen, selbst die rein europäischer Abkunft, theilen diese Leidenschaft mit ihren braunen Schwestern und man sieht oft in gewöhnlichen Familien Frau und Tochter mit Schmuck geziert, der viele Tausende kostet. Alle Gold- und Silberarbeiter, sowol die Eingebornen als die chinesischen und arabischen sind sehr geschickt und erzeugen oft wahre Kunstproducte, sie werden auch als eine besondere Classe überall geehrt und hochgehalten. In manchen Gegenden sind es sogar Anverwandte der regierenden Fürsten, die sich mit dieser Arbeit beschäftigen. Das Handwerk der Gold- und Silberschmiede ist ein ehrendes, ebenso wie das Handwerk der Waffenschmiede. Das Ciseliren der dünnen Metallplatten erfolgt in der einfachsten Weise. Man presst die Metallplatte auf einen halbweichen Harzkuchen und drückt mittelst eines Metallstiftes, das Muster, jedoch in negativer Weise in die Platte ein, das positive Bild befindet sich selbstverständlich dann auf der dem Harzkuchen zugewendeten Seite des Metalls. Die Araber, welche geschliffene Steine in grosser Menge überall in den Archipel einführen, sind ausgezeichnete Steinkenner, die man selten betrügt, welche jedoch die naiven Eingebornen in der unverschämtesten Weise um ihr erspartes Geld prellen."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 166-167). Wien, Wilhelm Braumüller

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNBarrow_outward
Zugangsdatum:
1883
Objektbezeichnung
Gürtelplatte
Kultur
West-Java
Material/Technik:
Silber; ziseliert
Bildrecht
Weltmuseum Wien
Sammlungsbereich
Insulares Südostasien
Inv. Nr.
18039



















