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Miniaturmalerei

 

Der Liebhaber hält in beiden Händen eine Blume, so wie zwei Frauen in einem Pavillon schon auf ihn zu warten scheinen. Wer ist die Angebetete? die Dienerin, die eine Säule umschlungen hält und sehnsüchtig in seine Richtung blickt, oder die Dame des Hauses, die offensichtlich ein strenges Wort an sie richtet? Wir wissen es nicht.

 

Diese Dreier-Gruppe findet in den drei Bäumen im Hintergrund mit ihren ineinander verästelten Zweigen ihre Entsprechung. Nur zwei erstrahlen in saftigen Grün während der dritte ein Dasein in deren Schatten führt. Die Beziehung zweier Liebender findet in der metaphorischen Naturdarstellung auch in den beiden weißen Vögeln in deren Baumkronen eine Entsprechung. Sie neigen sich einander zu und berühren sich fast mit ihren Schnäbeln. Die Bäume sind es auch, die die strenge Geometrie des Bildes durchbrechen. Ihre natürliche Form kontrakariert die geraden Linien des Gebäudes ebenso wie der gezähmten Natur der Gartenanlage. Selbst die Kleidung der Menschen ist in geraden Linien ausgeführt und verhüllt jede Ahnung des Körpers. Nur die Bäume scheinen es zu sein, welche die strikten Regeln der Gesellschaft übersteigen und das wahre Wesen der Liebe ausdrücken dürfen. Auch der Pfau auf dem Dachvorsprung gibt einen Hinweis darauf – ist er doch ein Symbol für Krishna, der in den Wäldern von Vraja die Liebe über alle Konventionen sozialen Verhaltens erhob.

Sammlung:
Franz Ferdinand von Österreich-Este (1863 Graz - 1914 Sarajevo) DNB

Zeit:
1. Hälfte 19. Jh.

Objektbezeichnung
Warten auf den Geliebten

Kultur
Indien

Material/Technik:
Karton; Miniaturmalerei

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Inv. Nr.
102390

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