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Tuch, Batik
Kain Panjang
ca. 1870 | František A. J. Czurda
Ein grob gezeichnetes Batiktuch mit Semenmuster.Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: https://khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"603 - 607. Leibtuch - "Beled".Dieses, einige Quadrat meter umfassende Tuch wird auch "Kein" genannt und ist bei den Javanen, gleich dem Sarong, ein volksthümliches Kleidungsstück, das von Männern und Frauen getragen wird. Dasselbe wird einfach einigemal um die Lenden geschlungen und über den Hüften mit einem Band oder Gürtel, letzterer mehr oder minder kostbar, "Sabuk" genannt, befestigt. Die Männer wissen das Ende dieses Tuches vorne in feine, zierliche, von oben nach unten verlaufende Falten zu schlagen. Beim Gehen wird mit der linken Hand, und zwar mit zwei Fingern, der untere Rand des Kleides gehoben, um das Gehen zu erleichtem, was stets in graciöser und koketter Weise erfolgt. Dieses Tuch ist aus einem groben, doch haltbaren, entweder von Javanen selbst erzeugten, oder importirten Wollstoff gemacht. Das Wichtigste und Interessanteste bei den javanischen Keins sowohl, wie bei den javanischen Sarongs, bildet die Procedur des Färbens derselben, die Erzeugung von verschiedenen Mustern und Farben. Das Färben erfolgt in der originellsten und mühevollsten Weise und wird "Batik" genannt. Die Procedur dabei ist im Kurzen folgende:Auf dem weissen, noch vollkommen ungefärbten Stoff wird das Muster mittelst Kohle nach einer Vorlage gezeichnet, und dies in der Weise, dass die Vorlage unter dem ungefärbten Stoffe liegt oder auf eine verticale Rahme gespannt wird, so dass das Muster dieser Vorlage durch den weissen Stoff hindurchschimmert, wo dann die Conturen des selben mit Kohlenstiften nachgezogen werden. Ist dies erfolgt, so werden die Conturen der Figuren mit flüssigem heissen Wachs ausgezogen mittelst einer kleinen Maschine, einem kleinen, aus Kupferblech gearbeiteten, tiefen Löffel, der einen hölzernen Stiel besitzt und vorne eine feine Ausflusscanüle, durch welche das heisse, flüssige Wachs stets in einem dünnen Strahle ausfliesst. Das zu dieser Procedur nöthige Wachs wird stets in einem kleinen Holzkohlenofen heiss und flüssig erhalten, wo sich auch eine grössere Anzahl solcher Maschinen zum Erwärmen befindet. Nachdem dies erfolgt ist, werden nun alle Stellen in der Zeichnung, die nicht gefärbt werden sollen, mit derselben Maschine, die jedoch eine etwas gröbere Canüle hat, mit Wachs ausgefüllt. Ist so das ganze Tuch mit Wachs bedeckt, mit Ausnahme der zu färbenden Figuren, so wird es in die Färbeflüssigkeit gethan und so lange darinnen liegen gelassen, als dies zur vollständigen Färbung nöthig ist. Nach einigen Tagen nimmt man den gefärbten Stoff heraus und kocht ihn im Wasser aus, wodurch alles Wachs sich vom Stoffe loslöst und sich auf der Oberfläche des Wassers ansammelt. Das Tuch ist nun mit den gefärbten Figuren bedeckt, die Wachsstellen natürlich weiss und ungefärbt. Bei einfärbigen Mustern ist mit diesem Act auch die ganze Procedur beendet, bei mehrfärbigen Mustern dagegen muss das beschriebene Verfahren auf den ungefärbten Stellen so oft wiederholt werden, als eben Farben in das Muster kommen sollen. Alle diese Arbeiten verrichten nur Frauen, meist kleine Mädchen, und um ein mehrfärbiges, feines Muster zu erzeugen, hat man oft Monate nöthig. Solche fein ausgeführte Stoffe werden auch oft mit hundert Gulden und noch mehr bezahlt. Auf den grossen Plätzen Javas beschäftigen sich tausende von Frauen und Kindern mit dieser Arbeit, es sind ganze Stadttheile und Plätze auf Java, wo jedem Haus "kebatikt" wird.Diese so gefärbten Stoffe werden im ganzen indischen Archipel von den europäischen Frauen getragen, und deswegen hat die Fabrikation derselben einen so grossen Umfang. Sie werden in Europa, in der Schweiz und in Frankreich in grossen Fabriken imitirt und in grossen Massen nach Java eingeführt, wo sie jedoch meist nur von europäischen Frauen und von den bei Europäern dienenden Eingebornen gekauft werden. Die vorliegenden Stoffe sind echt javanische Arbeiten, aus dem unabhängigen Fürstenthume "Surukarta" stammend. Sie zeigen feine Muster in dunklen Farben, blau und braun vorherrschend."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 151-153). Wien, Wilhelm Braumüller

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNBarrow_outward
Zeit:
ca. 1870
Zugangsdatum:
1883
Objektbezeichnung
Tuch, Batik
Kultur
Ostjava, Java
Material/Technik:
Baumwolle; Leinwandbindung, Naturfarben, Reservedruck, Wachsbatik
Bildrecht
Weltmuseum Wien
Sammlungsbereich
Insulares Südostasien
Inv. Nr.
17983



















