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Zügel mit Kopfzeug
Sittakang-galang
Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"412 - 415. Zügel mit Kopfzeug - "Sittakang-galang"Zügel und Kopfzeug sind bei den Makassaren und Buginesen sehr primitiv. Der Zügel besteht aus einer einfachen Trense von Messing, die mit einem Bogen von Rohr, das mit einer Hanfschnur, Kupfer- oder Silberdraht umwunden ist, in Verbindung steht. Das Kopfzeug ist gewöhnlich eine einfache oft mit Glaskorallen oder Messingringen verzierte Schnur, die von der Trense über den Kopf des Pferdes läuft, so dass sie hinter den Ohren, zwischen diesen und der starken Mähne zu liegen kommt. Bei Fürsten und Vornehmen vertritt diese einfache Schnur eine Kette von Silber oder Gold, aus breiten, plattenförmigen Gliedern gebildet. Der oben beschriebene bogenförmige, steife Rohrzügel ist so kurz, dass er hinter den Ohren des Pferdes auf der Mähne liegt und nicht über den Hals herabgezogen werden kann, durch welche Eigenthümlichkeit der Reiter eine grössere Kraft entwickeln kann, als bei einem langen Zügel, was bei der makassarischen Race mit ihrem sehr kurzen und starken Hals wohl nöthig ist. Der Reiter sitzt sozusagen auf den Schultern des Pferdes, und hält mit seiner linken Hand, die er ausgestreckt hat, den bogenförmigen Zügel hinter den Ohren des Pferdes fest, wobei die Faust auf der starken Mähne ruht, meist auch die Haare derselben gefasst hat. Die Rechte ist entweder mit der Lanze bewaffnet, oder frei in die Seite gestemmt. Die Makassaren und Buginesen sind ein Reitervolk, da die Pferde hier einheimisch in grossen Massen wild vorkommen, entweder niemandem angehören, frei in Wäldern und auf Wiesen herumschweifen, oder aber Eigenthum der Fürsten sind. Die makassarische Pferderace ist klein, doch sehr stark, und bis auf den etwas kurzen Hals proportionirt gebaut. Sie bildet die einzige Race im indischen Archipel, die mit Vorteil als Truppenpferd verwendet werden kann. Das makassarische Pferd ist äusserst intelligent, an Entbehrungen aller Art gewöhnt, ausdauernd in der Arbeit und von lebhaftem Temperamente. Die Eingebornen auf Celebes fangen die wilden Pferde mit ihren Stricklanzen in ähnlicher Weise wie die Hirsche. Sie reiten alle ohne Sattel, welcher übrigens nirgends im indischen Archipel bekannt ist. Sie sind gute Terrainreiter, die sich jedoch wie Affen auf dem Halse des Pferdes bei einem schwierigen Ritt festklammern. Eine Eigenthümlichkeit bildet wohl ihr Reiten mit aufgezogenen Beinen. Ist der reiter müde, so zieht er entweder ein Bein oder beide Beine auf den Rücken des Pferdes hinauf, und in dieser hockenden affenartigen Stellung kann er im Trapp oder sogar im mässigen Galopp ziemlich weite Strecken reiten. Es dürfen nur Fürsten, Häuptlinge und Vornehme sich der Pferde bedienen, das Volk selbst darf ohne Erlaubniss des Fürsten oder der Herren, "Kreins", zu seinem Vergnügen oder für seine Privatzwecke das Pferd nicht besteigen. Zum Schlusse sei noch erwähnt, dass in ganz Ostindien nur Hengste geritten werden, die Stuten werden zu keinerlei Arbeit verwendet, auch von den Europäern nicht. Die Wagenpferde der letzteren sind ebenfalls Hengste, sowie auch die ganze niederländische Cavallerie in Indien sich nur der Hengste bedient. Eine Castration von Thieren ist den Eingebornen völlig unbekannt und wird auch von den Europäern hier nicht ausgeübt. Die Pferde sind bei den Eingebornen auch niemals beschlagen, bei der Cavallerie nur auf gebirgigen Stationen und da nur die Vorderhufe. Die makassarischen Pferde bilden einen wichtigen Ausfuhrartikel von Süd-Celebes. Zwei der vorliegenden Zügel sind mit langen elastischen Pferdestricken, aus einer Art Rohr gedreht, versehen."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 92-94). Wien, Wilhelm Braumüller

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNBarrow_outward
Zugangsdatum:
1883
Objektbezeichnung
Zügel mit Kopfzeug
Kultur
Süd-Sulawesi
Material/Technik:
Messing, Rattan, Hanf
Bildrecht
Weltmuseum Wien
Sammlungsbereich
Insulares Südostasien
Inv. Nr.
17663



















