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Mitte 20. Jahrhundert | Erika Friedl-Löffler

Band/Gurt (Farsi/Luri: band) aus schwarzem und weissem Ziegenhaar, gewebt und geflochten.

Herstellung und Verwendung: Dertige Bänder wurden traditionell lokal von Frauen gewebt/geflochten und zu allem verwendet, das festgezurrt werden sollte, wie z.B. Zelte, Taschen und andere Behälter auf Eseln. Sie gehörten zum notwendigen Hausrat. Seitdem dem Ende der Wanderviehhaltung im Zuge der wirtschaftlichen Modernisierung Irans, wurden sowohl das Rohmaterial (Ziegenhaar) wie auch die Notwendigkeit und Fertigkeit für die Herstellung solcher Bänder seltener.

Herkunft: Sisakht, eine Kleinstadt im Norden der Provinz Kohgiluye/Boir Ahmad,Südiran, Heimat verschiedener lurischer Stämme. Die Einwohner von Sisakht bezeichnen sich selbst als "Sisakhti" und sehen sich als eine kleine Abstammungsgruppe ("Stamm").

Gewebt im Haushalt von Nasser Nikeqbal in Sisakht von einer unbekannten Frau, und dort jahrzehntelang in einem Plastiksack aufbewahrt. Der Sohn von Herrn Nikeqbal, Jahangir Nikeqbal, ein pensionierter Lehrer in Sisakht, übergab den Sammlern dieses nie verwendete Band als Geschenk an das Weltmuseum Wien ( damals Museum für Völkerkunde Wien) als Teil der Sammlung Löffler, die fast das gesamte materielle Gut der Einwohner von Sisakht in den 1970er Jahren umfasst.

 

 

Anmerkung der Sammlerin: Meist wurden solche Bänder/Gurten aus von Frauen aus selbstgesponnenem Ziegenhaar und Schafwolle mit der "drop spindle" [Wurfspindel] hergestellt. Die meisten Ziegen hatten schwarzes Haar, aber in diesem Fall scheint der weisse Anteil von einer (sehr seltenen) weissen Ziege zu stammen. Ziegenhaar war billiger als Schafwolle. Das Muster entsprach dem Wunsch der Weberin, etwas "Schönes" herzustellen. Meist sind einfache Gurte nur aus schwarzen Ziegenhaaren gewebt. Ziegenhaar ist nach Ansicht der lokalen Weberinnen besonders attraktiv ist für Motten, da diesem auch nach oftmaligem Waschen Ziegen-Urin anhaftet. Derartige Textilien werden nicht mehr hergestellt.

 

 

Lit.: Löffler/Friedl 1967. Eine ethnographische Sammlung von den Boir Ahmad, Südiran. Archiv für Völkerkunde 21, S. 90-207, insb. S. 180.

Collector:
Erika Friedl-Löffler (geb. 1940 Wien)

Time:
Mitte 20. Jahrhundert

Material/technology:
Wolle, Doppelgewebe (?), Ziegenhaar

Dimensions:
Rest: L. 807 cm, B. 3,5 cm, H. 0,6 cm

Copyright
Weltmuseum Wien

Invs.
189671