Wissenschaftliche Sammlungsbereiche

Die neun Sammlungen des Weltmuseums Wien bauen auf insgesamt etwa 250.000 ethnographischen Objekten, über 140.000 Photographien und 146.000 Druckwerken aus unterschiedlichen Teilen der Welt auf.

Afrika südlich der Sahara

Afrika südlich der Sahara

Die Sammlung umfasst ca. 37.000 Objekte und reflektiert die kulturelle Vielfalt Afrikas vom Sahelraum bis zur Südspitze des Kontinentes, vom islamischen Senegal im Westen bis zum christlichen Äthiopien und zur Insel Madagaskar im Osten. Zu den Highlights der Sammlung gehören die herausragenden Bronzen und Elfenbeinarbeiten aus dem Königreich Benin, afro-portugiesische Elfenbeinschnitzereien aus dem 16. Jahrhundert und die umfangreiche Ostafrikasammlung.

Die Objekte dokumentieren Herrschaftstraditionen wie des Königreichs Benin im heutigen Nigeria, des Königreichs Bamum im Kameruner Grasland und des äthiopischen Kaiserreichs. Sie berichten aber auch vom Alltag, von Wirtschaftsformen, Glaubensvorstellungen und dem Kunstschaffen vieler Bevölkerungsgruppen des Kontinentes.

Die meisten Objekte sind vor 1918 in das Museum gelangt und repräsentieren daher historische Realitäten. Sie erzählen dabei nicht nur von vergangenen afrikanischen Lebenswelten, sondern auch von ihrem Transfer nach Europa im Kontext der kolonialen Aneignung des Kontinents.

Erste Objekte aus Afrika
Die frühesten nach Österreich gelangten Objekte aus Afrika waren seit 1596 in der Kunstkammer von Schloss Ambras dokumentiert und gelangten 1880/81 in die ethnographische Sammlung des k.k. Naturhistorischen Museums. Es handelt sich hier um feine sogenannte afro-portugiesische Elfenbeinschnitzereien, die im 16. Jahrhundert in Sierra Leone und an der Beninküste für den europäischen Markt hergestellt wurden.

Königreich Benin
Den bekanntesten Teil des Sammlungsbestandes bilden die Bronzen und Elfenbeinarbeiten aus dem Königreich Benin. Die herausragenden Kunstwerke sind Produkte einer höfischen Kultur und waren Privileg der herrschenden Klasse. Die Blüte des Reiches und der Benin-Kunst lag im 16. und 17. Jahrhundert. Seit dem späten 15. Jahrhundert hatte das Reich Benin intensive Handelsbeziehungen mit Europäern, anfänglich mit Portugiesen, dann mit Engländern, Niederländern und Franzosen. Nach der Zerstörung der Hauptstadt des westafrikanischen Reiches durch britische Truppen im Jahre 1897 wurden die Kunstschätze über die ganze Welt verstreut. Der damalige Kustos der ethnographischen Abteilung, Franz Heger, erkannte die Bedeutung der Werke und engagierte sich dafür, einige Stücke für die Wiener Sammlung zu erwerben. Es gelang ihm, Mäzene aus dem reichen Bürgertum und der Aristokratie für den Ankauf einer repräsentativen Sammlung von sogenannten „Benin-Altertümern" zu gewinnen.

„Entdeckungsreisen" im 19. Jahrhundert
Der größte Teil des Afrika-Bestandes des Weltmuseums Wien gelangte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die damalige ethnographische Sammlung, dies entspricht dem Zeitraum der sogenannten „Entdeckungsreisen" in Afrika und der Kolonialisierung. Obwohl Österreich-Ungarn selbst keine Kolonialmacht war, gab es doch Bürger der k.k. Monarchie, die in unterschiedlichsten Missionen teilweise für nicht-österreichische Auftraggeber nach Afrika reisten. Österreicher arbeiteten als Verwaltungsbeamte für den ägyptischen Sudan, andere waren in unterschiedlichen Funktionen für den Kongostaat unter dem belgischen König Leopold tätig oder für die deutsche Kolonialverwaltung in Ostafrika. Manche waren im diplomatischen Dienst für die Donaumonarchie in Afrika situiert, andere einfach nur privat als Geschäftsleute oder Abenteurer unterwegs. Kustos Franz Heger bemühte sich, von diesen in Afrika tätigen Österreichern ethnographische Gegenstände zu erwerben, und animierte sie, Sammlungen für das Museum anzulegen. Vom Umfang her nicht so bedeutend, aber zeithistorisch interessant sind die Sammlungen der k.k. Kriegsmarine, die die Landaufenthalte auf ihren Übungsfahrten nutzte, um für die heimischen Museen Material zu erwerben. Insgesamt wurden 215 Sammlungen afrikanischer Gegenstände zwischen 1862 und 1910 im Inventar der ethnographischen Abteilung registriert. Die meisten Sammlungsgegenstände stammen aus dem Kongo, dem südöstlichen Sudan und Ostafrika, eine geringere Zahl aus Süd- und Westafrika.

Schwerpunkt Kongo
Objekte aus dem Kongogebiet bilden einen wichtigen Komplex der Afrika-Sammlung. Einen bedeutenden Teil, ca. 660 Inventarnummern, erhielt sie als Ergebnis der Österreichischen Kongo-Expedition (1885-1886) von Oskar Lenz und Oscar Baumann. Weitere wichtige Sammlungen stammen von Janko Mikich (Mikic), einem kroatischen k.u.k. Leutnant, der von 1882 (?) bis 1885 für die „Association Internationale pour L'Exploration et la Civilisation de L'Afrique Centrale" im Kongogebiet tätig war, und Franz Thonner, einem wohlhabenden „Privatgelehrten", der zwei Reisen (1896 und 1909) in das nördliche Gebiet der Kongo-Kolonie durchführte. Auch Josef Chavanne, ein österreichischer Wissenschaftler, der zuerst 1884 geographische Untersuchungen für das belgische Geographie-Institut durchführte und 1885 schließlich eine Plantage für ein belgisches Handelshaus anlegte, ließ dem Museum umfangreiche Sammlungen zukommen. Einige signifikante Einzelstücke wurden vom Deutschen Leo Frobenius und dem lange im Kongo tätigen Ungarn Emil Torday erworben, der mit dem Britischen Museum kooperierte und in dessen Auftrag gezielte ethnographische Forschungen durchführte und Sammlungen anlegte. Wertvolle Objekte, die in Frankreich bereits auf Kolonialausstellungen gezeigt worden waren, wurden auch von einem Funktionär des französischen Marineministeriums gestiftet. Die hier genannten Österreicher bewegten sich im Kongo zu einem Zeitpunkt, als das gesamte Territorium bereits von den Einwirkungen des intensiven Handels mit Europäern und den ersten kolonialen Bestrebungen geprägt war.

Südafrika
Emil Holub ist sicherlich die leuchtendste Figur unter jenen Sammlern, denen wir frühe Bestände aus Südafrika verdanken. Der Mediziner Emil Holub betrat 1872 zum ersten Mal südafrikanischen Boden und war bis 1879 als Arzt in den Diamantenfeldern bei Kimberley stationiert. Von Kimberley aus unternahm er mehrere Forschungsreisen in den noch unabhängigen Norden zu den Thlaping, Kora, Rolong, Ngwato und ins Lozi-Reich (bei Holub „Marutse-Mabunda") im Bereich des heutigen Zambia. Bei einem zweiten Südafrika-Aufenthalt von 1883 bis 1887 gelangte Holub durch das Lozi-Reich zu den Tonga und den Ila („Maschukulumbe"). Im Rahmen des South African Rock Art Digital Archive (SARADA) wurden die Sammlungen der Felsbilder digitalisiert und stehen hier zur Verfügung.

Neben Holub brachten weitere Privatpersonen, die aus beruflichen Gründen das Land am Kap aufsuchten, Objekte mit. Von den meisten wissen wir, abgesehen vom Namen, sehr wenig. Rudolf Malcher, ein gebürtiger Mähre, war 1862 nach King William‘s Town in Südafrika ausgewandert und gründete dort eine Handelsfirma. Nach 23 Jahren kehrte er 1885 nach Österreich zurück; seine umfangreiche Zulu-Sammlung gelangte 1971 über seine Nachkommen ins Museum.

Ostafrika
Die Ostafrikabestände stammen von frühen „Forschungsreisenden" wie Oscar Baumann oder „Entdeckern" wie Ludwig von Höhnel, der mit dem ungarischen Grafen Samuel Teleki als erste Europäer den Rudolf-See (heute Turkana-See) und den inzwischen vertrockneten Stephanie-See erreichte und nach Mitgliedern des österreichischen Königshauses benannte. Auch Handelstreibende und Missionare wie Günther Säuberlich legten umfangreiche Sammlungen an.
1888 unternahm Oscar Baumann als Begleiter und Topograph des deutschen Forschungsreisenden Hans Meyer eine Expedition ins deutsche Schutzgebiet, um Usambara, die nordöstliche Region Tanzanias, zu erforschen und den Kilimanjaro zu besteigen. Die Expedition musste abgebrochen werden, da sie von einem Aufstand gegen die deutschen Kolonisten überrascht wurde und beide Reisenden in Gefangenschaft gerieten. Um die geographische Erforschung zu vollenden, unternahm Baumann 1889-90 im Auftrag der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft im Alleingang nochmals eine Expedition nach Usambara und von 1891-93 eine weitere im Auftrag des Deutschen Antisklaverei-Komitees bis nach Mwanza an den Viktoria-See und nach Ruanda. Alfred Sigl, ein gebürtiger Österreicher (geb. 1864 in Wien, verstorben 1903 in Weimar), von dem das Museum insgesamt 1.800 Sammlungsstücke besitzt, trat 1887 in den Dienst der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft ein und wirkte bis 1900 in unterschiedlichen Funktionen der Kolonialverwaltung.  

Sudan
Die ersten Kontakte des ägyptischen Sudan zu Österreich ergaben sich 1835, als der Pascha Ägyptens Mehmed Ali österreichische Bergbauexperten in den Sudan einlud. 1850 bewilligte Kaiser Franz Joseph die Errichtung eines österreichischen Konsulats in Khartoum. Mehrere am Konsulat wirkende Österreicher trugen während ihres Aufenthaltes naturhistorische oder ethnographische Sammlungen zusammen. Die Sammlungen der ersten beiden Konsularbeamten Konstantin Reitz und Josef Natterer gehören zu den ältesten Afrikabeständen des Museums. Weitere Bestände stammen von Martin Hansal (1823-1885), dem Zoologen Ernst Marno (1844-1883) und einige Einzelstücke von Freiherr Rudolf Carl von Slatin, dem bekanntesten unter den österreichischen Sudanreisenden. Auch einige Missionare, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Sudan gelangt waren und sich der Christianisierung im Süden sowie der Bekämpfung des Sklavenhandels widmen sollten, brachten Sammlungen mit. Der Maler Richard Buchta war im Sudan als Zeichner und Photograph tätig und begleitete den deutschen Gouverneur von Äquatoria, Emin Pascha, auf mehreren Expeditionen, unter anderem ins Königreich Bunyoro (Uganda) und in das Siedlungsgebiet der Azande, und brachte Sammlungsgegenstände mit.

20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert waren es vor allem österreichische Wissenschaftler, die während ihrer Feldforschungen in Afrika für das Museum sammelten. Zu nennen sind hier vor allem Rudolf Pöch, der 1907-08 in die Kalahari Südafrikas reiste, oder Pater Paul Schebesta, der im Auftrag von Pater Wilhelm Schmidt 1934/35 im Ituri-Gebiet des Kongo forschte. In den 1960-70er Jahren führte Elisabeth Schweeger-Hefel, die damalige Leiterin der Afrika-Abteilung, langjährige Forschungen zum Maskenwesen und der Kunst im Norden Burkina Fasos bei den Kurumba durch und legte eine herausragende Sammlung an.

Ausstellungskatalog 2010
African Lace

Kontakt
Mag. Nadja Haumberger
Kuratorin ad interim
+43 1 534 30- 5103
nadja.haumberger@weltmuseumwien.at

Nordafrika, Vorder-, Zentralasien und Sibirien

Nordafrika, Vorder-, Zentralasien und Sibirien

Die Abteilung Nordafrika, Vorder-, Zentralasien und Sibirien des Weltmuseums Wien zählt mit ihren knapp 25.000 Inventarnummern zu den international bedeutenden Sammlungen zur Alltags- und Sachkultur des betreffenden Großraumes. Die Zielsetzungen, die in den vergangenen Jahrzehnten die Sammelstrategie in dieser Abteilung bestimmten, spiegeln sich in den einzelnen Sammlungsbereichen wider.

Zum einen galt es in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. systematisch und punktuell orientalisches Handwerk und Kunstgewerbe im Wandel der Zeit zu dokumentieren, zum anderen die symbolischen Formen, in denen die Volksfrömmigkeit der vier großen monotheistischen Religionen im Nahen und Mittleren Osten (Zarathustrismus, Judentum, Christentum, Islam) ihren Ausdruck findet, zu erfassen. Dieser Ansatz brachte es mit sich, dass wenige Objekte, falls überhaupt, als „Kunstwerke“ dokumentiert oder gesammelt wurden, sondern vielmehr eingebettet in ihrem historischen, sozioökonomischen und kulturellen Kontext studiert und erworben wurden. Die mittlerweile großteils historischen Sammlungen umfassen die Alltagskultur im Maghreb, Ägypten, Anatolien, Iran und Afghanistan im 19. und 20. Jh. sowie die materielle Kultur der sogenannten „kleinen Völker“ in Russisch-Fernost um 1900.

Die ältesten Zugänge der Abteilung datieren aus dem Jahr 1804. Dieser kleine Grundstock wurde gleich zu Beginn des 19. Jhs. durch die Sammeltätigkeit von Forschern und Amateurethnologen wie Karl Alexander Anselm von Hügel (1795-1870), der auf seiner Weltreise 1831-1836 auch in Syrien, Südjemen und dem Iran zahlreiche Ethnographica sammelte, sukzessive erweitert. 1880 bzw. 1881 wurden der Anthropologisch-ethnographischen Abteilung des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums auch Teile der berühmten Ambraser Sammlung, darunter einige Gegenstände aus Nubien, die im Jahre 1804 von Filippo Agnello vor Ort gesammelt worden waren, sowie Sammlungen anderer Mitglieder des Hauses Habsburg zugeordnet, unter denen sich ethnographische Objekte von außergewöhnlichem Wert aus dem islamischen Raum befanden. Zwischen 1881 und 1891 führte Franz Heger (1853-1931), ab 1884 Leiter der Anthropologisch-ethnographischen Abteilung, mehrere Sammelreisen durch, die ihn nach Russland, Georgien und in das heutige Usbekistan führten. Zwischen 1884 und 1892 brachte Josef Troll (1844-1919), ein Vertreter des Wiener Großbürgertums, von seinen vier ausgedehnten Asienreisen allein über 1100 ethnographische Gegenstände aus der Türkei, Syrien, Iran, Irak, Usbekistan und Südsibirien mit, die ihren Weg in die Orient-Bestände fanden.

Zwischen 1881 und 1911 wurde der Großteil der Nordeurasien-Sammlung erworben. Neben einer kleinen Saami-Sammlung findet sich eine umfangreiche, von dem deutsch-russischen Unternehmer Adolph Traugott Dattan bzw. Adolf Wasiljewitsch Dattan (1854-1924) gespendete Sibirien-Sammlung, die auf anschauliche Weise Alltagskultur, Wirtschaft sowie Ritual und Religion der sogenannten „kleinen Völker“ in Russisch-Fernost dokumentiert.

Eine gezielte wissenschaftliche Sammel- und Dokumentationstätigkeit setzte erst im Jahre 1902 ein, als Wilhelm Hein (1861-1903) gemeinsam mit seiner Frau Marie in Qishn, Südjemen, bei den Mahra seine ethnographischen und linguistischen Forschungen betrieb. Dank dieser Mahra-Sammlung vermag das Weltmuseum Wien heute als weltweit einziges Museum den materiellen Bestand dieser in ihrer Schlichtheit doch so vielfältigen und kulturhistorisch einzigartigen Kultur geschlossen zu dokumentieren.

Als im Jahr 1927 die Ethnographische Abteilung aus dem Verband des Naturhistorischen Museums in Wien ausgeschieden und als eigenständiges Museum für Völkerkunde im Ringstraßenflügel der Neuen Burg untergebracht wurde, gehörte Nordafrika zu den wenig bis kaum dokumentierten Regionen, obschon es frühe Erwerbungen gab, wie Fayencen aus Marokko, Keramiken der Kabylen Nordalgeriens, gold- und silberdurchwirkte Textilien aus Tunesien oder Keramikerzeugnisse aus Oberägypten, Pfeifenköpfe und allerlei Hohlgefäße, in einem historistisch-ägyptischen Mischstil aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. In den 1930er Jahren begannen die Ethnologen Julia Humann-Wagner-Jauregg und Ludwig Gustav Alois Zöhrer aus dem Nichts mit dem Aufbau einer kleinen Tuareg-Sammlung, die 1981 durch die Ethnologin und Kunsthistorikerin Gertraud Bogner mit Geräten zur Metallbearbeitung sowie Amuletten und Schmuck erweitert wurde. Ein systematischer Aufbau der Sammlung zur Populärkultur Ägyptens setzte erst 1973 aufgrund der Zusammenarbeit zwischen dem Ethnologen und Schmuckfachmann Peter W. Schienerl (1940-2001) und dem damaligen Leiter der Abteilung Alfred Janata (1933-1993) ein. Abgesehen von ethnographischen Gegenständen, die von Händlern und Handwerkern in Kairo und anderen Orten in Ägypten gekauft oder im Zuge von Feldforschungen in den Oasen Siwa, Fayyum, Bahriyya und der Halbinsel Sinai gesammelt worden waren, gelangten auch islamische, jüdische und koptische Religiosa in die Sammlung. Die Siwa-Sammlung wurde Ende der 1980er Jahre durch die Beiträge der Schweizer Sammlerin Bettina Leopoldo abgerundet.

1979 begannen unter der Leitung des damaligen Universitätsassistenten Josef Salat (1947-1985) Studenten vom Institut für Völkerkunde an der Universität Wien mit dem Aufbau einer Sammlung zu türkischem Handwerk. Zeitgleich dokumentierten, großteils im Auftrag des Museums für Völkerkunde, Werner Finke und Markus De Zordo über mehrere Jahre hinweg das traditionelle Handwerk in der Region um Istanbul, die Populärkultur Anatoliens einschließlich der materiellen Kultur der Kurden Ostanatoliens und der Yörük-Nomaden.

Zu Beginn der 1980er Jahre kam es zum Aufbau einer gänzlich neuen Sammlung orientalisch-jüdischer Artefakte. Während westliches jüdisches Kunsthandwerk gut in Jüdischen Museen dokumentiert ist, scheint diese Sammlung zu den ganz wenigen in Europa zu gehören, in denen die Erzeugnisse der orientalisch-jüdischen Populärkultur als eigenständiges Sammlungsgebiet anerkannt werden.

Anfang der 1960er Jahre kam durch Ludwig G. A. Zöhrer die erste qualitätvolle und umfangreiche Sammlung aus Afghanistan ins Museum. Die Wiener Afghanistan-Sammlung wurde in den Folgejahren von Alfred Janata, weitgehend in Zusammenarbeit mit seiner Frau Irmgard, ausgebaut. Prominent vertreten sind Gebrauchsgegenstände und textile Erzeugnisse der westafghanischen Chahar Aymaq, Werkzeuge und Erzeugnisse tajikischer Handwerker sowie Alltagsgegenstände der sesshaften und nomadischen Paschtunen in der südöstlichen Provinz Paktya. In den 1970er Jahren wurde mit Hilfe des Kunsthistorikers und Ethnologen Max Klimburg eine kleine Nuristan-Sammlung zusammengestellt. 1977 erwarb der Textilfachmann Wilfried Stanzer für das Museum vor Ort eine Jurte der Zai Reza Firuzkuhi. Während der 1970er und 1980er Jahre gehörten Gegenstände aus der Afghanistan-Sammlung zu den häufig ausgestellten Stücken. Im Jahr 2003 hatte die Sonderausstellung „Afghanistan“ im Museum für Völkerkunde Wien die Geschichte und den besonderen Charakter der Wiener Sammlung zum Inhalt.

Ausstellungskatalog 2008
Straps and Bands
€ 35,00€ 9,95

Kontakt
Dr. Axel Steinmann
Kurator
+43 1 534 30 – 5030
axel.steinmann@weltmuseumwien.at

Ostasien: China, Korea, Japan

Ostasien: China, Korea, Japan

Im Jahr 2017 umfasst die Sammlung Ostasien, zu der Objekte aus China, Korea und Japan zählen, ca. 28.500 Objekte. Wobei ca. 15.000 Objekte allein aus nur einem Land, nämlich Japan, stammen. Fast 12.000 Objekte wurden im chinesischen Kulturkreis gesammelt. Eine kleine Korea-Sammlung von ca. 1500 Artefakten ist hauptsächlich Ende des 19. Jahrhunderts angelegt worden. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Gegenständen der Alltagskultur aus diesen Regionen, und da der größte Teil bereits im 19. Jahrhundert gesammelt wurde, ist die Sammlung ein bedeutendes kulturhistorisches Zeugnis und ein wichtiges wirtschaftshistorisches Dokument.

In der Sammlung ebenfalls vertreten sind herausragende und einzigartige Kunstobjekte. Genannt seien der Thron-Stellschirm aus der Qing Dynastie, Periode Qianlong ( 1736 - 1795 ), oder das Hausmodell einer Daimyō –Residenz präsentiert bei der Wiener Weltausstellung 1873.

Das früheste inventarisierte Objekt der Abteilung ist ein chinesischer, Jade imitierender Armreif aus Glas, der sich in der Parkinson‘schen Sammlung des Sir Ashton Lever befand. Wenige Objekte dieser Sammlung, integriert in die Cook-Sammlung, wurden im Jahre 1806 auf einer Auktion in London für das Kaiserhaus erworben.

Der Schwerpunkt der Sammlung liegt bei Kunstobjekten und Ethnographica aus Japan. Zu diesem Japanschwerpunkt trug nicht zuletzt Heinrich von Siebolds Sammlung bei, die sich seit 1888 als Schenkung an das k.k. Naturhistorische Museum, ethnographisch-anthropologische Abteilung (ab 1928 Museum für Völkerkunde), bei uns befindet und 5.315 Objekte umfasst. Ebenfalls bemerkenswert ist die Sammlung des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, der auf seiner Weltreise in den Jahren 1892/1893 zahlreiche interessante Objekte zusammentrug. In seiner Sammlung befinden sich auch die Gigaku-Masken, von denen man über ein Jahrhundert lang dachte, dass sie aus dem 8. bzw. 9. Jahrhundert stammen. Neuere Forschungen haben aber ergeben, dass es sich bei den in Japan zum Nationalschatz erhobenen Masken um Kopien vom Anfang des 19. Jahrhunderts handelt. Die Sammlungen umfassen sowohl Objekte der Ainu als auch Objekte aus Ryûkyû.

In den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts, der Zeit der Industrialisierung in Japan, sammelten Japanologen und Ethnologen Gegenstände zur traditionellen Volkskultur und Bodenbaugeräte. Sie stellen bereits ein wichtiges historisches Dokument dar.

Im Verhältnis hierzu sind die Sammlungen zu China nicht so homogen angelegt worden. Die frühen Sammlungen aus China gehen auf Weltreisende des 19. Jahrhunderts zurück bzw. sind Consul-Sammlungen (dies trifft auch für Korea zu). Die Sammlungstätigkeit fand hauptsächlich in den großen Städten der Küstenregion statt, bzw. deckt den Südwesten und Nordwesten Chinas ab. Vor einigen Jahren konnte das Museum eine große Sammlung zum Personenkult um MAO Zedong erwerben, die in die Zeit der Kulturrevolution zu datieren ist (1966 – 1976).

Der Schwerpunkt der Sammlung Ostasien (China, Korea, Japan) liegt bei Kunstobjekten und Ethnographica aus Japan. Ca. 40% der Objekte, die der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este aus seiner Weltreise 1892/93 gesammelt hat, entfallen auf den Sammlungsbereich Ostasien.

Die Sammlungstätigkeit fand hauptsächlich in den großen Städten der Küstenregion statt, bzw. deckt Südwest-China (Slg. Gebauer, Handel-Mazetti) und Nordwest-China (Troll) ab.

Im Rahmen der Schamanismusausstellung 1998/99 wurde ein koreanischer Schamanenaltar erworben.

Ausstellungskatalog 2013
Getanzte Schöpfung
€ 29,95€ 14,95

Buch
Awase - Spielend durch Japan
€ 14,90€ 4,95

Ausstellungskatalog 2009
Made in Japan
€ 14,90€ 6,95

Kontakt
Dr. Bettina Zorn
Kuratorin
+43 1 534 30 – 5117
bettina.zorn@weltmuseumwien.at

Insulares Südostasien

Insulares Südostasien

Die Sammlung Insulares Südostasien umfasst Exponate aus den Inselgruppen Nikobaren und Andamanen, aus den Staaten Malaysia, Brunei, Singapur, Indonesien, Timor Leste und den Philippinen. Indonesien ist heute das größte muslimische Land der Welt; Malaysia und Brunei bezeichnen den Islam als die offizielle Staatsreligion, während die Mehrheit der Bevölkerung auf den Philippinen und in Timor Leste katholisch ist. Die Nikobaren und Andamanen gehören zum indischen Territorium und sind nur restriktiv zugänglich.

Der Raum Insulares Südostasien ist von zwei herausragenden historisch bedingten Merkmalen bestimmt: einerseits sind die Küstengegenden seit Jahrhunderten von „internationalen" Kontakten und deren Nachwirkungen geprägt, andererseits leben viele Ethnien abgeschieden im Landesinneren. Diese Kontraste gestalten den Raum besonders vielfältig und machen ihn nicht nur für Experten ausgesprochen reizvoll.

Der Gesamtbestand der Sammlung Insulares Südostasien umfasst 2017 ca. 19.603 Objekte. Die zwei ältesten Objekte stammen aus der Kunstkammer Kaiser Rudolfs II. (1607-1611): eine wayang-klitik-Figur (Holzpuppe) und ein Kris (Dolch). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wächst der Bestand kontinuierlich bis in die jüngste Zeit.

Viele Objekte stammen von Sammlern aus Militärkreisen des 19. Jahrhunderts, z.B. von Militärärzten oder Offizieren. Bereits damals bestand der Anspruch, eine Kultur systematisch zu dokumentieren, das heißt eine „zusammenhängende" Sammlung aus verschiedenen Bereichen des Alltags und des religiösen Lebens aufzubauen. Dies gelang unter anderen Dr. Frantisek Czurda, einem böhmischen Arzt, der von 1876-1886 im Dienst der niederländischen Krone im damaligen Niederländisch Ost-Indien, dem heutigen Indonesien, als Militärarzt tätig war. Im Laufe seiner Amtszeit wurde er mehrmals versetzt und konnte so einige der Inseln Indonesiens (Sumatra, Java, Sulawesi) bereisen. Von den insgesamt 1100 Objekten der Indonesien-Sammlung des Dr. Czurda befinden sich ca. 850 im Weltmuseum Wien und ca. 250 Objekte im Náprstek Museum Prag. Die Sammlung, die in dem 1883 publizierten „Catalog einer etnographischen Privatsammlung“ von Dr. Czurda persönlich detailliert beschrieben wurde, gilt weltweit als eine der vollständigsten Sammlungen der Insel Celebes. Dieser Katalog ist einer der ersten ethnographischen Kataloge überhaupt.

Erwähnenswert ist auch die hervorragende Batak-Sammlung von Karl Maschmeyer (ca. 362 Objekte, 1900), der die Objekte nicht nur mit den einheimischen Bezeichnungen versah, sondern auch in der Batakschrift aufzeichnete. Eine Sammlung von Borneo stammt von Felix Isidor Baczes (ca. 383 Objekte, 1887), der dazu festhielt, „dass meine Sammlung nahezu alles enthält, was sich auf das Leben und Treiben der Dajaks in und außer dem Hause bezieht".

Abgesehen von den systematischen Sammlungen bekam das Museum eine Vielzahl von Ethnographica durch Expeditionen der k.u.k. Monarchie. Dazu gehören die Schiffsexpedition der „Aurora" und der „Novara" sowie des Rammkreuzers „Kaiserin Elisabeth", mit dem der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este 1892/1893 eine Weltreise unternahm. Auf dieser Weltreise bekam der Thronfolger bei seinem Aufenthalt in Ambon, Molukken, eine ausgezeichnete Sammlung (ca. 800 Objekte) vom holländischen Residenten, Baron Van Hoëvell (1848-1920) geschenkt. Zu dieser Kategorie gehören auch die Sammlungen von zwei Österreicherinnen, Linda Bandara-Hofland (ca. 170 Objekte, 1962) und Helene Potjewijd (ca. 710 Objekte, 1946). Sie waren Indonesien-Liebhaberinnen und bereicherten das Museum mit vorzüglichen, schön ausgewählten Objekten. Linda Bandara-Hofland, eine Musikkomponistin, hatte u.a. viele schöne alte Batik-Stoffe und Helene Potjewijd viele balinesische Kunstwerke gesammelt.

Die aktuelle Ankaufsstrategie zielt darauf ab, zeitgenössische Stücke zu den Themenschwerpunkten „Hochzeit", „China-Diaspora", „Batik" und „Spielzeuge" zu erwerben.

Ausstellungskatalog 2013
Getanzte Schöpfung
€ 29,95€ 14,95

Buch
Balinese Art in Transition
€ 19,90

Katalog
Maluku
€ 29,90

Katalog
The Philippines
€ 18,50

Kontakt
Dr. habil. Sri Kuhnt-Saptodewo
Kuratorin
+43 1 534 30 – 5105
sri.kuhnt@weltmuseumwien.at

Süd-, SO-Asien, Himalaya

Süd-, SO-Asien, Himalaya

Sri Lanka im Süden, die Mongolei im Norden, Vietnam im Osten und Pakistan im Westen bilden die Eckpunkte dieses riesigen Gebietes. Indische Musikinstrumente, Figuren des vietnamesischen Wasserpuppentheaters, Statuen der Khmer, taoistische Malereien, Buddhastatuen aus Thailand, Kopfjagdtrophäen der Naga - das sind nur einige wenige Beispiele aus der mehr als 30.000 Objekte zählenden Sammlung.

Die Objekte berichten darüber, wie die Menschen ihre Götter sehen, ihre Gesellschaft organisieren, welchen Platz das Individuum darin einnimmt, wie sie ihr Land in Frucht tragende Äcker verwandeln, die Produkte ihrer Tiere nutzen, wie sie sich kleiden, ihre freie Zeit genießen oder auch Kriege führen. Je nach Blickwinkel und je nach Kontext kann ein und dasselbe Objekt eine ganz andere Geschichte erzählen.

Seit im Jahr 1839 die ersten Objekte der Abteilung in die damalige anthropologische Sammlung des Naturhistorischen Museums kamen, wächst die Sammlung kontinuierlich. Die wichtigsten Beiträge dazu, um nur einige zu erwähnen, lieferten Sourindro Mohun Tagore mit seinen indischen Musikinstrumenten, Richard Teschner mit Marionetten aus Südostasien, Christoph Schneller mit taoistischen Malereien aus Thailand, Helmut Ploog mit Khmerstatuen, Alfred Raquez, der mit 1.640 Nummern den materiellen Bestand von Nordlaos abdeckte, Carl Bock mit hervorragenden thailändischen Buddhas und der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este mit seinen in die Tausende gehenden Nummern.

Welchen Weg nehmen Gegenstände in ihrer Transformation von kulturellen Artefakten zu Museumsobjekten? Dies kann nicht losgelöst von der Person des Sammlers betrachtet werden und sei hier anhand dreier Beispiele behandelt: des Aristokraten Carl Alexander Anselm Freiherr von Hügel, der sich aus privatem Interesse auf eine lange Reise nach Indien begibt, des Entomologen Hans Leder, der sich für die mongolische Götterwelt zu interessieren beginnt, und des Ethnologen Christoph von Fürer-Haimendorf, der in Zusammenarbeit mit der britischen Kolonialverwaltung in Indien eine Sammlung der Naga anlegte.

Carl Alexander Anselm Freiherr von Hügel
Die ersten Objekte aus Indien kamen durch Carl Alexander Anselm Freiherr von Hügel in das Museum und wurden mit 441 Inventarnummern zum Grundstock der Indiensammlungen. Hügel traf im Jahr 1832 in Bombay ein, dem Ausgangspunkt seines langen Indienaufenthaltes. Er sollte der erste Europäer werden, der Indien vom äußersten Süden bis an seine nördlichste Grenze durchquerte. Auf dieser Reise sammelte er neben botanischen und zoologischen Objekten auch Ethnographica. Die Vielfalt der Objekte zeigt, dass Hügel bei der Anlage seiner Sammlung weder einer Systematik noch einem spezifisch ethnographischen Interesse gefolgt ist. Vielmehr scheinen ihn sein persönlicher Geschmack und sein persönliches Interesse geleitet zu haben. Als Vertreter des gebildeten europäischen Adels stand er sowohl den lokalen Machthabern als auch den britischen Kolonialherrn in Indien immer näher als der bäuerlichen Bevölkerung. So sind Objekte aus dem alltäglichen Bereich nur sehr spärlich vertreten. Der Schwerpunkt von Hügels Sammlertätigkeit lag in den Bereichen Waffen, Schmuck und Religion.

Hans Leder
Den Grundstock der Sammlungen zum tibetischen Buddhismus legte Hans Leder in den Jahren 1899/1900, 1902 und zum letzten Mal 1904/1905 in der Mongolei an. Obwohl Leder mit dem Auftrag, Insekten zu sammeln, in die Mongolei gesandt wurde, verschob sich sein Interesse durch den engen Kontakt mit der Bevölkerung von den Käfern zur mongolischen Kultur, wobei sein Hauptaugenmerk auf der alltäglichen religiösen Praxis lag. Die Sammlung von 824 Objekten bietet ein rar gewordenes umfassendes Bild der religiösen und rituellen Kunst zur Zeit der Jahrhundertwende und liefert Aufschlüsse über die Ikonographie des mongolischen Pantheons.

Christoph von Fürer-Haimendorf
Mit Christoph von Fürer-Haimendorf (1909–1995) begann die Wende zum ethnographisch fundierten Sammeln. Gute Kontakte zur britischen Kolonialverwaltung in Indien ermöglichten ihm in den Jahren 1936 und 1937 eine dreizehnmonatige Feldforschung bei den Naga. Während dieser Reise legte er die aus 889 Objekten bestehende Sammlung an. Bei genauerer Betrachtung wird sein Bemühen erkennbar, ein umfassendes Bild der Naga in all ihren Lebenssituationen zu geben. 533 der 889 Objekte der Sammlung sind den Bereichen Haushalt, Kleidung, Landwirtschaft, Handwerk oder Werkzeug zuzurechnen. Die Kopftrophäen und die mit dem Kopfjagdkomplex im Zusammenhang stehenden Objekte gehören sicherlich zu den spektakulärsten der Sammlung.

Ausstellungskatalog 2008
Götterbilder
€ 19,90€ 6,95

Ausstellungskatalog 2002
Chi Choen
€ 5,10€ 0,50

Ausstellungskatalog 2011
Naga Identitäten
€ 49,90€ 19,95

Kontakt
Dr. Christian Schicklgruber
Stellvertretender Direktor und Chefkurator
+43 1 534 30 – 5101
christian.schicklgruber@weltmuseumwien.at

Ozeanien und Australien

Ozeanien und Australien

30.000 Gegenstände erzählen von der Alltags- und Ritualwelt Polynesiens, Melanesiens, Mikronesiens und Australiens: Federarbeiten aus Hawaii, die James Cook auf seinen Entdeckungsreisen gesammelt hat, Artefakte der Maori aus Neuseeland, ein mit Nautilusschalen verzierter Prunkschild von den Salomonen, umfangreiche Sammlungen aus Neuguinea sowie australische Bumerangs, Dotpaintings und Didgeridoos, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Die Objekte dokumentieren die hervorragenden handwerklichen Fähigkeiten und künstlerischen Leistungen der Pazifikbewohner sowie deren außerordentliche Kreativität bei der Gestaltung von Lebensräumen, Sozialorganisationen und Weltbildern. Eindrucksvoll illustrieren Bootsbau, Architektur, Kleidung, Gebrauchsgegenstände, Wert- und Ritualobjekte regionale Traditionen, aber auch materielle Innovationen und kulturelle Reformen, die durch Fremdeinflüsse, Tausch- und Handelsbeziehungen, Kolonisation und Mission, Kriege und Eroberungen, nationale Widerstandsbewegungen und politische Unabhängigkeit entstanden sind.

Die unermüdliche Sammelleidenschaft europäischer Weltreisender, Naturforscher, Kolonialbeamter, Missionare, Ärzte, Diplomaten und Kunstmäzene, aber auch der innovative Wissenschaftsgeist und die eindrucksvollen Forschungsergebnisse österreichischer Kultur- und Sozialanthropologen spiegeln sich in den Sammlungen der Pazifik-Abteilung wider. Viele Objekte dokumentieren die pazifische Kultur zur Zeit der Kontaktnahme Europas bis hin zur Gegenwart und sind Bedeutungsträger von hohem wissenschaftlichen Wert.

Eine der ältesten ethnographischen Sammlungen des Weltmuseums Wien geht auf die Entdeckungsreisen des britischen Seefahrers James Cook (1728-1779) zurück; der Ankauf der 238 Gegenstände erfolgte im Jahr 1806 bei einer Museumsauktion in London.

Von 1877 bis 1889 bereiste der österreichische Naturforscher Andreas Reischek (1845-1902), Neuseeland. Seine Sammlung umfasst 467 kulturgeschichtlich bedeutende Maori-Artefakte.

Die erste Weltumsegelung von Österreichern auf der Fregatte Novara (1857-1859) erweiterte den Museumsbestand um 130 Gegenstände aus der Südsee, von denen ein mit Nautilusschalen verzierter Prunkschild von den Salomonen weltweite Beachtung gefunden hat.

Eine akribisch dokumentierte Sammlung von 1.600 Objekten aus Melanesien und Mikronesien stammt vom deutschen Zoologen und Ethnologen Otto Finsch (1839-1917).

Rund 2.000 Südsee-Inventarnummern gehen auf die Weltreise des Kreuzers „Kaiserin Elisabeth" (1892-1893) zurück, an der Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este teilnahm.

Von einer Forschungsexpedition nach Neuguinea (1904-1906) kehrte der Wiener Arzt und Anthropologe Rudolf Pöch (1870-1921) mit 3.800 ethnographischen Gegenständen sowie umfangreichem Ton-, Photo- und Filmmaterial zurück; im Jahr 1919 wurde er mit der Einrichtung der ersten Lehrkanzel für Anthropologie und Ethnographie an der Universität Wien betraut.

Durch zahlreiche Feldforschungen des Wiener Ethnologen und Museumskurators Hanns Peter (1931-1993) in den Jahren 1969 bis 1992 wurden die Neuguinea- und Australienbestände des Museums nochmals maßgeblich erweitert. Die Australien-Sammlung umfasst insgesamt 860 Gegenstände, u. a. viele unterschiedlich gestaltete Formen von Wurfhölzern und Bumerangs, Speerschleudern, Schilde, Keulen, Traggefäße, Klangstäbe und Didgeridoos sowie zeitgenössische Rindenmalereien und Dotpaintings.

Kontakt
N. N.
+ 43 1 534 30-5052
info@weltmuseumwien.at

Nord- und Mittelamerika

Nord- und Mittelamerika

Die Sammlung bietet einen Überblick zu den Kulturen Mittel- und Nordamerikas, von der präkolumbischen Zeit über die Kolonialzeit bis zur Gegenwart. Das bekannteste Objekt der Sammlung ist wohl der berühmte mexikanische Federkopfschmuck. Zu den Schwerpunkten zählen die großen archäologischen Sammlungen aus Mexiko, Costa Rica und Panama sowie Textilsammlungen aus Guatemala, Mexiko und Panama und nördlicher bemerkenswert frühe Gegenstände wie zum Beispiel die Sammlungen aus dem Großen Seengebiet, die von der Nordwestküste Nordamerikas von James Cook und die aus Grönland.

Den überwiegenden Teil der Bestände bilden archäologische Sammlungen aus dem Osten der USA, aus Mesoamerika und Zentralamerika. Mehrheitlich ethnographisch sind dagegen die Objekte der arktischen Sammlung. Die Bestände von oberhalb des Rio Grande umfassen sowohl archäologische als auch ethnographische Gegenstände.

Sowohl Einzelobjekte als auch spezifische Teile der Sammlung erfreuen sich eines internationalen Renommees. Die Objekte, die durch Kauf, Schenkung oder Tausch erworben wurden, und die Sammler selbst sind in Gruppen einzuteilen: Angehörige des Hauses Habsburg, in- und ausländische Museen, Mitglieder des Corps diplomatique und Mäzene, Geologen, Mineralogen, Zoologen und Wissenschaftler anderer Disziplinen, die ethnographische Objekte als Nebenprodukt ihrer Forschungsreisen sammelten, Reisende, die Erinnerungsstücke mitbrachten, und Privatsammler, bis im 20. Jahrhundert ausgebildete Ethnologen anfangen, den Ton anzugeben.

Das erste im Museumsinventar registrierte amerikanische Objekt ist ein Korb der Pazifik-Eskimo. 1806 wurde die Sammlung aus dem Parkinson´schen Museum in London erworben. Dabei handelt es sich um Gegenstände, die während der Reisen von James Cook gesammelt wurden. Dazu zählen auch die amerikanischen Artefakte vor allem von der Nordwestküste.

Die frühen Arktis-Bestände wurden mit Gegenständen aus Grönland von Karl Ludwig Giesecke, der sich 1806–1813 in Grönland aufhielt, ergänzt. Sie umfassen ethnographische und archäologische Objekte der Inuit wie Gerätschaften und Kleidung, aber zum Beispiel auch nicht für den Eigenbedarf angefertigte Boots- und Kayakmodelle. 1818 überreichte Giesecke seine Sammlung Kaiser Franz I. für dessen ethnographische Hofsammlung.

Für Indianisch-Nordamerika gibt es eine frühe Sammlung, die ab 1820 aus dem Großen Seengebiet von dem Wiener Pelzhändler Johann Georg Schwarz, der in seiner Jugend die USA und Kanada bereiste, angelegt wurde. In Anbetracht des vermuteten Niederganges, wenn nicht Unterganges, der Kulturen der „American Indians“, wurde im 19. Jahrhundert der Schwarz-Sammlung besonderer Wert zugeschrieben. Schwarz beteiligte sich auch am Transfer der Plains-Ojibwa Sammlung des Pelzwarenhändlers Joseph Klinger und damit der ältesten erhaltenen Artefakte dieses Volkes. Ebenfalls aus dem Großen Seengebiet wurde um 1850 eine Sammlung ethnographischer Objekte von dem Gemälderestaurator Martin Pitzer zusammengetragen.

Das vermutlich bekannteste Objekt, nicht nur für die Abteilung sondern für das Museum als solches, ist der mesoamerikanische Federkopfschmuck, der in der Öffentlichkeit nahezu als Ikone des Museums fungiert und am Ende des 16. Jahrhunderts in die Kunst- und Wunderkammer auf Schloss Ambras aufgenommen wurde. Zu den sogenannten mexikanischen Federarbeiten gehören weiter noch ein Federschild und ein Federfächer, Objekte, die um die Zeit der Eroberung Mexikos angefertigt wurden, sowie Federbilder mit christlicher Thematik aus der Kolonialzeit.

Aus Mexiko stammen große archäologische Sammlungen vor allem von Dominik Bilimek, der sie in der Zeit des zweiten mexikanischen Kaiserreichs von Maximilian von Mexiko zusammentrug, und von dem Darmstädler Kaufmann Philipp J. Becker. Ergänzt wurde die archäologische Sammlung mit Textilien und Ethnographika aus rezenterer Zeit.

Ausstellungskatalog 2012
Der Altmexikanische Federkopfschmuck
€ 19,90€ 14,95

Katalog
Das Altertum der Neuen Welt
€ 19,90€ 3,95

Kontakt
Gerard van Bussel
Kurator
+43 1 534 30 – 5122
gerard.vanbussel@weltmuseumwien.at

Südamerika

Südamerika

Die Sammlung Südamerika zählt über 18.000 ethnographische und archäologische Gegenstände aus allen Ländern des Kontinents: von am nördlichsten gelegenen Kolumbien bis in den tiefsten Süden von Argentinien und Chile. Auch die Karibik-Anrainerstaaten Venezuela, Guyana, Suriname und das französische Übersee-Territorium Französisch-Guyana zählen zum Sammlungsgebiet.

Die Sammlungen spiegeln auf eindrucksvolle Weise die kulturelle Vielfalt des südamerikanischen Kontinents wider. Sie dokumentieren Geschichte und erzählen Geschichten: von der Zeit vor Ankunft der Europäer in den Anden, von der mythischen Urzeit Amazoniens, von den Beziehungen indianischer Kulturen zueinander und der kolonialen Aneignung des Kontinents durch die Europäer: von Kontinuität und Wandel, von Verlust und Wachstum.

Ethnographica
2017 zählt die Südamerika-Sammlung über 18.000 Inventarnummern. Die rund 400 Sammlungen sind durch gezielte Ankäufe, Schenkungen, Tausch mit anderen Museen oder Nachlässe ins Haus gekommen und spiegeln die Sammlungsstrategien der unterschiedlichen Zeiten wider. Typisch für das 19. Jahrhundert sind Sammlungen, die im Zuge naturkundlicher Expeditionen entstanden sind: Zu den bedeutendsten gehört die Sammlung des Zoologen Johann Natterer, der 1817 an der österreichischen Brasilien-Expedition teilnahm, die anlässlich der Heirat von Erzherzogin Leopoldine mit dem portugiesischen Thronfolger Dom Pedro entsandt worden war. Natterer blieb 18 Jahre in Brasilien und bereiste weite Teile des Landes. Mit 2.147 Nummern ist die Natterer-Sammlung die größte zusammenhängende Sammlung aus Südamerika. Darüber hinaus ist sie die weltweit bedeutendste ethnographische Sammlung zu den Indianern Brasiliens des frühen 19. Jahrhunderts. Zu ihr gehören u.a. umfangreiche Bestände der Bororo, Sateré-Mawé, Tikuna, Tukano, Baniwa, Macuxi und Munduruku, sowie seltene Federarbeiten der Parintintin, Karipuna und Apiaká.

Damit war der Grundstein für den Schwerpunkt „Südamerikanisches Tiefland“ gelegt, der noch im 19. Jahrhundert durch namhafte Forscher wie Robert H. Schomburgk, Franz Steindachner und Richard Payer weiter ausgebaut wurde. Eine besondere Bedeutung kommt der 1907 erworbenen Sammlung von Baronin Loreto aus den 1880er Jahren zu: Sie verzeichnet 1.343 Archäologica und Ethnographica aus unterschiedlichen Regionen Brasiliens und dessen Anrainerstaaten (u.a. Bestände von den Bororo, Jivaro, Sateré-Mawé, Tikuna, Tukano, Xiriana und Yuracaré). Auch herausragende Einzelstücke kamen im 19. Jahrhundert in die Sammlung, wie etwa drei Objekte aus der Kunstkammer von Schloss Ambras in Tirol: eine Keule und eine Ankeraxt der Tupinamba aus Brasilien sowie eine Tabakspfeife aus Paraguay. Ebenso bemerkenswert ist ein mit Federn besetzter Rückenschmuck der Wayana – er ist Teil des Konvoluts, das 1806 aus dem Verkauf des Parkinson‘schen Museums nach Wien kam.

Im 20. Jahrhundert ging es vor allem darum, „weiße Stellen auf der Landkarte“ zu füllen, das heißt Bestände von Gruppen zu erwerben, von denen noch keine oder nur wenige Objekte vorhanden waren. Hierbei sind die Sammlungen von Wanda Hanke hervorzuheben, die im Fall der Ashluslay und der Lengua beinahe den gesamten materiellen Kulturbesitz umfassen. Weitere wichtige und interessante Sammlungen stammen von den Feuerlandindianern (Ankauf Hagenbeck 1880 und Martin Gusinde 1927), den Guaná und Chamacoco (Nachlass Boggiani 1906), den Karajá (Nachlass Mario Baldi 1957), den Makuna (Ankauf Fritz Trupp und Wolfgang Ptak 1972), den Saamaka (Sammelreise Claudia Augustat 2005), den Yanomami (Ankauf Eibl-Eibesfeldt 2006) und den Tukano (Ankauf Andreas Kowalski und Michael Kraus 2006).

Im Bereich der Volkskunst haben vor allem zwei ehemalige Leiter der Sammlung zum Aufbau der Bestände beigetragen: Etta Becker-Donner (Leiterin der Südamerika-Sammlung 1945–1975) sammelte über 1.200 Objekte, die überwiegend die Volkskultur der Andenländer dokumentieren. Peter Kann (Leiter der Südamerika-Sammlung 1975–1999) sammelte vor allem im Bereich der Volkskultur und Ethnographie Argentiniens, Paraguays, Boliviens und Perus.

Archäologica
Die archäologische Sammlung ist bei weitem nicht so bedeutend wie die ethnographische, jedoch finden sich auch hier wichtige Bestände. Dazu zählen 27 Objekte, die von Karl von Scherzer während der Weltumseglung der österreichischen Fregatte Novara in den Jahren 1857 bis 1859 gesammelt wurden, sowie Keramiken und Textilien der Inka-, Chimu- und Chancay-Kultur, die unter anderem auf den österreichisch-ungarischen Generalkonsul in Lima, Christian Krüger, zurückgehen. Von besonderem Interesse ist die 1882 erworbene Sammlung von Wilhelm Eckhardt, da sie für beinahe alle Objekte den genauen Fundort angibt. Es handelt sich um zahlreiche Metallgegenstände und Textilien aus Ancon, Chillon, Arica und Pachacamac. Besonders hervorzuheben ist noch ein Quipu aus Ancon sowie zahlreiche Holzarbeiten. Des Weiteren konnte von Eckhardt ein einmaliges Federschmuck-Ensemble der Amahuaca erworben werden.

Die aktuelle Sammelpolitik zielt darauf ab, bereits vorhandene Bestände auszubauen, um damit die Erforschung und Darstellung von Kulturen in ihrer zeitlichen Tiefe zu ermöglichen.

Ausstellungskatalog 2012
Jenseits von Brasilien
€ 24,90€ 19,95

Kontakt
Dr. Claudia Augustat
Kuratorin, Projektmanagement Neueinrichtung
+43 1 534 30 – 5113
claudia.augustat@weltmuseumwien.at

Photosammlung

Photosammlung

Die Photosammlung des Weltmuseums Wien umfasst über 140.000 Objekte und verdient sowohl aus photohistorischer als auch aus ethnologischer Sicht Beachtung. Sie entstand um 1880, rund 40 Jahre nach Erfindung der Photographie. Ihre Aufgabe war es, die Forschungs- und Ausstellungstätigkeit der Anthropologisch-Ethnographischen Abteilung des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums in Wien zu unterstützen.

In den Anfängen galt die Photographie als rein dokumentarisches Medium, das die Wirklichkeit „objektiv" abbildet. Später kamen neue Einsichten dazu: Man erkannte den subjektiven Charakter der Photographie und berücksichtigte ästhetische Fragen. Man wurde sich bewusst, wie sehr das Bild von der Welt und ihren Bewohnern durch Medien geprägt ist.

In der Sammlung finden sich bedeutende Beispiele der frühen Reise- und Forschungsphotographie, u.a. von Albert Frisch, Joachim von Brenner-Felsach, Otto Finsch, Oscar Baumann, Eduard Hodek, Rudolf Pöch, Helene und Rudolf Oldenburg, Christoph Fürer-Haimendorf und Mario Baldi. Darüber hinaus belegen umfangreiche Bestände die Entwicklung der kommerziellen Photographie außerhalb Europas im späten 19. Jahrhundert anhand von Aufnahmen bekannter Studios.

Die Photosammlung des Weltmuseums Wien entstand um 1880, rund 40 Jahre nach Erfindung der Photographie, als Einrichtung zur Unterstützung der Forschungs- und Ausstellungstätigkeit der Anthropologisch-Ethnographischen Abteilung des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums in Wien. Aus bescheidenen Anfängen und ohne angemessene Mittel zur systematischen Erweiterung entstand seither dennoch eine Kollektion von etwa 129.000 Inventarnummern, die sowohl aus photohistorischer wie aus ethnologischer Sicht Beachtung verdient.

Zum ursprünglich rein dokumentarischen Interesse an einem Medium zur vermeintlich „objektiven“ Abbildung der Wirklichkeit traten nach und nach Einsichten in die ästhetischen Aspekte der Photographie, in ihre Subjektivität und ihre Bedeutung für die mediale Prägung des Bildes von der Welt und ihren Bewohnern.

Die Sammlung enthält neben einem umfangreichen Bestand an Belegen für die Entwicklung der kommerziellen Photographie außerhalb Europas im späten 19. Jahrhundert (repräsentiert durch Aufnahmen der Studios von Bonfils, Sébah & Joaillier, Zangaki, Lehnert & Landrock, Woodbury & Page, Kazumasa Ogawa, Kerry & Co., Lala Deen Dayal und anderen) auch bedeutende Beispiele der frühen Reise- und Forschungsphotographie, darunter Werke von Albert Frisch, Joachim von Brenner-Felsach, Otto Finsch, Oscar Baumann, Eduard Hodek, Rudolf Pöch, Helene und Rudolf Oldenburg, Anton Gebauer, Tassilo Adam, Christoph Fürer-Haimendorf und Mario Baldi.

Kontakt
Mag. Manfred Kaufmann
Kurator
+43 1 534 30 – 5110
manfred.kaufmann@weltmuseumwien.at

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