Wissenschaft & Forschung

im Weltmuseum Wien

Ethnographische Museen sind lebendige Archive der Kulturen. Bewahren, Erweitern und Erforschen des materiellen und immateriellen Erbes der Welt bilden ihre zentralen Aufgaben. Wissenschaftliche Forschung ist dabei die Basis jeder Ausstellungs-, Vermittlungs- und Sammlungstätigkeit. Sie ermöglicht offenen Dialog, Wissensaustausch und macht eine verantwortungsvolle Erhaltung der wertvollen Objekte und Geschichten erst möglich.

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Forschungsprojekte

Aktuelle Forschungsprojekte im Weltmuseum Wien

South Sudan Museums Network

Gemeinsam mit europäischen Museen, internationalen ExpertInnen und VertreterInnen aus dem Südsudan nimmt das Weltmuseum Wien seit Mai 2017 an einem umfassenden Programm zur Erforschung und Überprüfung südsudanesischer Museumssammlungen teil.

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Sharing Stories. Dinge sprechen.

Sharing Stories beschäftigt sich mit dem musealen Sammeln von Gegenwart. Das Projekt fragt nicht nur, welche zeitgenössischen Objekte wir sammeln und ausstellen, sondern vor allem auch, in welcher Weise dies geschieht: Wie können Geschichten unterschiedlicher Menschen so gezeigt werden, dass sie sich als Erzählende darin erkennen?

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SWICH – Sharing a World of Inclusion, Creativity and Heritage

SWICH ist ein EU-gefördertes Kooperationsprojekt zwischen zehn europäischen ethnographischen Museen. Gemeinsam reflektieren die Partnermuseen über die Zukunft ethnographischer Museen in einer sich verändernden und von Migration geprägten Gesellschaft. Das Weltmuseum Wien fungiert in diesem von Oktober 2014 bis September 2018 laufenden Projekt als „Lead Partner“.

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Nomadic Artefacts

Anhand mongolischer Ritualobjekte aus der Sammlung des Weltmuseums Wien verfolgt das Projekt die Bewegungen von Artefakten durch unterschiedliche räumliche, sozio-politische und institutionelle Kontexte. Wir wird mit solchen ethnographischen Objekten umgegangen, welche Wege gehen sie und wie werden sie ausgestellt?

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Digitalisierung und Retrokatalogisierung

Bereits seit 2011 bzw. 2013 werden die historisch wertvollen Bestände der museumseigenen Bibliothekssammlung retrokatalogisiert und digitalisiert. Wertvolle Bestände werden auf diese Weise bewahrt und stehen für wissenschaftliche Recherchen zur Verfügung.

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National Commission for Museums and Monuments Nigeria (NCMM)

Bereits seit 2002 besteht eine enge Kooperation zwischen der NCMM und dem Weltmuseum Wien. Gegenseitige fachliche Unterstützung, Wissenstransfer sowie die Aufgeschlossenheit zum Dialog bezüglich des geteilten kulturellen Erbes stehen dabei im Vordergrund. Der gemeinsam entwickelte Benin Dialogue thematisiert die Auswirkungen des Kolonialkrieges auf die Kulturschätze des Königreichs Benin.

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Konservierung

Konservierung im Weltmuseum Wien

Die Einrichtung eines chemischen Labors am damaligen Völkerkundemuseum Wien wurde bereits 1955 in die Wege geleitet, mit dem Ziel die Konservierung und Restaurierung mit den Naturwissenschaften zusammenzuführen. Der Chemiker Dr. Wilhelm P. Bauer wurde mit der Einrichtung und Leitung des Labors betraut, sein Beitrag zur Geschichte der Konservierung ethnologischer Objekte war wegweisend und inspirierte andere europäische Museen.

1968 wurde das Labor durch eine Restaurierwerkstatt erweitert und ein akademischer Restaurator wurde bestellt. Im Laufe der Jahre konnte das Team erweitert werden und sich in den Bereichen organische und anorganische Materialien spezialisieren. Nach einem aufwändigen Umbau konnte die Abteilung im Jahr 2007 in die modernen Werkstätten auf ca. 300 m² übersiedeln.

Die Abteilung ist verantwortlich für die Konservierung, Restaurierung, Untersuchung und Ausstellung der Museumssammlungen. Expertisen in den Fachbereichen Objekt-, Textil-, Papierkonservierung, Präventive Konservierung und Forschung stehen dem Museum zur Verfügung. Das Team setzt sich aus RestauratorInnen, Sammlungstechnikern und PraktikantInnen zusammen.

Die schier unendliche materielle Vielfalt der Sammlungsgegenstände wird in der Objektkonservierung in organische − Holz, Rinde, Pflanzenfasern, Haut, Leder, Federn, Horn, Elfenbein, Kunststoffe etc. − und anorganische Materialien − Metall, Stein, Keramik, Glas etc. − unterteilt. Die RestauratorInnen untersuchen und bewerten die materialspezifischen Veränderungen und Alterungsvorgänge der Objekte. Nach ausführlicher Dokumentation des Erhaltungszustandes werden an den Objekten verschiedene konservatorische und restauratorische Maßnahmen vorgenommen, um sie vor weiteren Schäden zu bewahren, bzw. um bereits eingetretene Schäden zu minimieren.

Bevor diese Maßnahmen getroffen werden können, müssen zahlreiche vorbereitende Schritte erfolgen:
Die Materialien und Herstellungstechniken eines Objektes werden, oft auch in Zusammenarbeit mit dem Naturwissenschaftlichen Labor des KHM-Museumsverbandes und anderen Institutionen, untersucht und der Erhaltungszustand photographisch und schriftlich dokumentiert. Diese Ergebnisse stellen einen wertvollen Beitrag zur kunsttechnologischen Forschung dar. Gewonnene Informationen werden in der Museumsdatenbank eingetragen. In Gesprächen mit den KuratorInnen des Hauses wird kulturellen Bedeutungen und ursprünglichen Funktionen des Objektes nachgegangen, um dessen historischen Kontext auch in der praktischen Konservierung zu berücksichtigen. In einigen Fällen ist es an diesem Punkt auch möglich, mit VertreterInnen aus den Herkunftsländern in einen Dialog über eine gemeinsame Vorgehensweise zur Bewahrung der Objekte zu treten. Das nun erstellte Konservierungskonzept bezieht auch Informationen zum geplanten Aufenthalt und Gebrauch des Objektes (z. B. Sonderausstellung, Dauerausstellung, Leihgabe etc.) mit ein und dient als Grundlage für die konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen.

Ein wesentlicher Aufgabenbereich ist die Betreuung von Ausstellungen und Leihgaben. Dieser umfasst u. a. das Erstellen von konservatorischen Qualitätsstandards, Leihfähigkeitsgutachten, Zustandsdokumentationen, Supervision von Verpackungen sowie Kurierreisen.

Mittels Maßnahmen der Präventiven Konservierung wird angestrebt, die Bedingungen für die Sammlungsgegenstände in den Depots (ca. 3.800 m2) hinsichtlich verschiedenster Parameter wie relative Luftfeuchte, Temperatur, Licht/Beleuchtung, Schädlinge, Schadstoffe etc. kontinuierlich zu überprüfen und zu verbessern.

In Zusammenarbeit mit Universitäten werden von den RestauratorInnen auch Praktika und Diplomarbeiten von Studierenden des Fachbereichs betreut.

Für die Eröffnung des Weltmuseums Wien liegen die Arbeitsschwerpunkte der Abteilung für die Jahre 2016/17 in der Planung der Vitrinen, der Konzeption der Objektmontage und der Konservierung und Restaurierung von etwa 3.200 Objekten für die neue Schausammlung.

In der Abteilung Textilkonservierung wird der Arbeitsalltag der Restauratorinnen hauptsächlich von den Themen Sammlungs- und Depotpflege, Konservierung und Restaurierung sowie Präsentation und Ausstellungsmontage geprägt.

Jedes Objekt kann viele Geschichten erzählen: über seine Herstellung, Materialien und Techniken, über seine Verwendung im Alltag von Menschen, über Handel und Wandel, über Phasen von Wertschätzung, Pflege, Reparaturen, Veränderungen, über Zeiten der Vernachlässigung an feuchten oder insektenbefallenen Orten, über sich verändernde Ausstellungspraxis, über fremde, frühere oder ganz nahe eigene kulturelle Phänomene. Die große Freude und Herausforderung der Textilkonservierung besteht darin, diese Informationen zu erkennen, zu dokumentieren, zu erhalten und weiterzugeben.

Sammlungspflege und vorbeugende Erhaltungsmaßnahmen im Textildepot
Das Textildepot, das 2013 neu eingerichtet wurde, bietet auf ca. 600 m2 Nutzfläche Platz für etwa 15.000 textile Objekte. Hier finden sich kleinformatige Gewebefragmente, Accessoires oder Behältnisse, Kleidungsstücke aus aller Welt, große Behänge, textiler Hausrat, Teppiche oder Zeltteile. Alle Objekte sind entweder gewebt, gefilzt, geflochten, genetzt, gestrickt, genäht, bemalt, bestickt, bedruckt … und meist auf unzählige Arten verziert.

Das Erforschen, Photographieren und Dokumentieren der Objekte, Lagerungsverbesserungen, Klima- und Schädlingskontrollen sowie das Erfassen und Versorgen von Neuerwerbungen bergen viel Arbeit.

Konservierung und Restaurierung
In der für Textilobjekte eingerichteten Werkstatt gibt es einen zentralen Raum mit großen Tischen, auf denen ausgewählte Objekte für Ausstellungszwecke vorbereitet werden: Dies umfasst meist Reinigungs- sowie häufig Glättungs- oder Rückformungsmaßnahmen, wenn eine gefaltete oder geknitterte frühere Lagerung die „Lesbarkeit“ und Ästhetik eines Ausstellungsstückes beeinträchtigt. Beschädigungen müssen durch geeignete Unterlegungs- und Nähmaßnahmen versorgt werden, für die passendes Garn oder Stoffmaterial oft im „Nassbereich“ der Werkstatt extra eingefärbt wird. Diese Schritte werden wie bei der Objektkonservierung jedoch erst nach einer sorgfältigen Voruntersuchung, Schadensdokumentation, manchmal auch nach naturwissenschaftlichen Analysen und im Austausch mit den SammlungskuratorInnen gesetzt, was wiederum bedeutet, dass ein erheblicher Teil der Arbeitszeit am Computer verbracht wird.

Präsentation und Ausstellungsmontagen
Bei jeder Ausstellung, insbesondere auch bei der aktuellen neuen Schausammlung des Weltmuseums Wien, wird dem Team Erfindungsreichtum, handwerkliches Geschick und viel Kreativität abverlangt, wenn es darum geht, mit möglichst unsichtbaren Unterbauten schwebende, lebendig inszenierte und dabei immer so substanzschonend wie möglich angelegte Textilmontagen zu entwickeln. Kaum ein Textilobjekt kann ohne einen schützenden und stützenden Unterbau, ohne eine raffinierte „Schwerkraftüberlistung“ und ohne versteckte Staub- oder Lichtschutzmaßnahmen ausgestellt werden. Häufig verlangen geringe Ausstellungsbudgets, dass im Interesse der Objekterhaltung um Kompromisse gerungen werden muss.

Neben den klassischen graphischen Blättern, Büchern, Archivalien, Photos und vielen anderen Papierobjekten, ist die Papierkonservierung auch für pflanzliche Beschreib- und Baststoffe verantwortlich, die einen fließenden Übergang in den textilen Bereich bilden. Viele Objekte bestehen zudem aus Materialkombinationen mit einem Papieranteil oder einem Material mit papierähnlichem Charakter.

Der Überschneidungsbereich mit anderen Fachgebieten spiegelt sich auch in der Werkstättensituation wider – die „mobile“ Papierrestauratorin wechselt je nach Erfordernis zwischen den Räumen der Textil- und Objektkonservierung. Durch diese Zusammenarbeit mit den anderen RestauratorInnen können selbst für Objekte mit komplexen Materialkombinationen gute Lösungen gefunden werden.

Da die vielfältigen Aufgaben der Konservierung, der Depotpflege und der Ausstellungsvorbereitung durch derzeit eine teilzeitbeschäftigte Restauratorin nicht abgedeckt werden können, müssen anlassbezogen externe Fachkräfte hinzugezogen und folgende Schwerpunkte gesetzt werden: zurückhaltende Konservierungen anstelle von aufwendigen Einzelobjektrestaurierungen und die Verbesserung der Lagerungsbedingungen von konservierten Objekten statt einer systematischen Depotpflege.

Eine einheitliche Lagerung der Papierobjekte ist in der Vergangenheit nicht erfolgt:
In Schubladen übereinanderliegend, gerahmt an ausziehbaren Gitterwänden, gerollt auf Regalen, offen in Fächern der Kompaktanlagen liegend, gefaltet, gehängt oder in Schachteln gepackt – so unterschiedlich wie die Lagerung ist auch die Qualität der Verpackung. Nötige Verbesserungen erfolgen immer individuell, an Objekt und Standort angepasst, und in Rücksprache mit den SammlungskuratorInnen.

Gerade die richtige Handhabung der Gegenstände erweist sich als wesentlich für deren Erhaltung. Saugendes Material wie Papier und besonders empfindliches Photomaterial nehmen vermehrt Verunreinigungen auf. An Händen klebende Schweiß-, Fett- oder Schmutzreste bewirken chemische Veränderungen, die oft erst nach einiger Zeit am Objekt sichtbar werden. Besonderes Augenmerk wird deshalb auf einfache präventive Schutzmaßnahmen wie z. B. Schutzhüllen, Unterlagen und Passepartouts gelegt.

Unter dem Begriff Präventiver Konservierung versteht man all jene Handlungen die gesetzt werden, um Schäden an Sammlungsobjekten zu verhindern oder zu minimieren und um Schadensprozesse zu verlangsamen. Dies inkludiert das Analysieren und Bewerten von Risiken, die Entwicklung und Umsetzung von Richtlinien zur Schaffung adäquater Umgebungsbedingungen für Depot und Ausstellungen, das Integrated Pest Management (IPM) und die Optimierung von Objektlagerung, Verpackung und Transport. Die Verantwortung für diesen großen Aufgabenbereich hat das Museumsteam, bestehend aus Restauratoren, Sammlungstechnikern, Kuratoren, Gebäudemanagement, Aufsehern und anderen Museumsexperten. 

Zu den Umweltfaktoren im Innenbereich des Museums, die Objekte in den Ausstellungsräumen bzw. Depots schädigen können, zählen Lichtstrahlung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Museumsschädlinge, flüchtige organische Verbindungen, Luftschadstoffe, Schock & Vibration.

Klima

Die Neue Burg im Komplex der Wiener Hofburg war ursprünglich als Wohntrakt für die kaiserliche Familie gedacht (Baubeginn 1881- Baustopp 1913). Um höchsten Wohnkomfort zu gewährleisten, wurde ein von Carl Böhm entwickeltes innovatives Heizungs- und Belüftungskonzept umgesetzt. Eine Luftbeheizung mit Außenluftzufuhr sollte für angenehme Temperaturen in den Wintermonaten sorgen, ein zusätzliches 2. Kellergeschoß die Kühlkapazität in den Sommermonaten erhöhen.

Im Zuge der Neueröffnung des Weltmuseums Wien wird der historische Luftbrunnen für eine optimale Nutzung der Frischluftversorgung im Museum adaptiert.

Um die Umsetzung des Konzepts einer passiven Klimatisierung zu ermöglichen, wurden die Richtlinien nach ASHRAE als erstrebenswertes Ziel festgelegt. Das Klima in den Depot- und Ausstellungsräumen wird in Zukunft einem saisonal bedingten Wechsel der Lufttemperatur (19°C – max. 26°C) und der relativen Luftfeuchtigkeit (40%-60%) unterliegen. Klimaschleusen und eine Außenbeschattung aus Streckmetallgitter im den Ausstellungssälen sollen ein stabiles Klima mit nur geringen Schwankungen gewährleisten. Objekte, die äußerst sensibel auf Klimaschwankungen reagieren, werden in konditionierten Vitrinen oder in kleinen, aktiv klimatisierten Depots aufbewahrt. Zu den Sorgenkindern, die ein enger definiertes Klima benötigen, zählen die Elfenbeinsammlung, die Sammlung asiatischer Lackarbeiten, korrosionsgefährdete Metalle und Leder- bzw. Fellobjekte.

Lichtmanagement

Der Balanceakt zwischen Ausstellen und Konservieren ist oft ein schwieriger. Durch Lichtstrahlung können irreversible Schäden in Form von Ausbleichen, Farbveränderung oder Materialermüdung auftreten. Deshalb werden im Vorfeld die Ausstellungsdauer, die zu wählende Beleuchtungsstärke, aber auch der Wert eines lichtempfindlichen Sammlungsgegenstandes diskutiert. Nicht alle Materialien sind lichtempfindlich, und es gibt Richtlinien, die Auskunft über die zu erwartende Lichtempfindlichkeit von Materialien geben. Dabei fungiert der ISO Blaumaßstab als Referenz. Der Blaumaßstab besteht aus acht Textilstreifen, wobei der jeweils vorangehende dreimal lichtempfindlicher ist als der darauffolgende. Sehr lichtempfindlich (ISO BWS #1, #2, #3) sind die meisten Pflanzenextrakte, helle Farbstoffe und Farblacke, frühe synthetische Farben und kolorierte Photographien. Auch manche Federfarben, Felle, Leder oder Naturfasern zählen zu dieser Kategorie.

Oftmals reflektieren die Richtlinien die tatsächliche Lichtempfindlichkeit eines spezifischen Objekts nicht ausreichend, deshalb wurden In situ spot tests entwickelt. Microfading ist eine rasche, zerstörungsfreie und objektspezifische Methode, um die Lichtempfindlichkeit zu testen. Dabei wird sichtbares Licht als Spot im Submillimeterbereich auf das Objekt geworfen und das Resultat als Farbveränderung mit einem Spektrophotometer verfolgt. Für die Neuaufstellung der Sammlung, die über einen langen Zeitraum zu sehen sein wird, wurden Lichtempfindlichkeitstests an ausgewählten Textilien und Papierarbeiten durchgeführt.

Manche Papierobjekte werden auf Grund ihrer Lichtempfindlichkeit nur als Reproduktionen in der Ausstellung zu sehen sein, andere werden nach einer definierten Anzahl von Luxstunden (Lux=Einheit der Beleuchtungsstärke) ausgewechselt oder durch technische Lösungen geschützt.

Integrated Pest Management
Seit 2002 wird im Weltmuseum Wien das Integrated Pest Management (IPM) angewandt – darunter versteht man alle Methoden zum Schutz von Kunst- und Kulturgütern vor Schädlingsbefall ohne Verwendung von gesundheits- und umweltschädlichen Mitteln. Sehr großer Wert wird auf Präventionsmaßnahmen in allen Depoträumen gelegt, wobei die Sauberkeit der Museumsobjekte sowie deren Umgebung, die Regulierung der klimatischen Bedingungen (optimal: kühl und nicht zu feucht) und die Einhaltung von strengen Quarantäneregeln (keine Einschleppung von Schädlingen) maßgeblich sind. Um einen möglichen Insektenbefall rechtzeitig erkennen zu können, wird ein regelmäßiges Monitoring (mittels Klebe- und Pheromonfallen) eingesetzt. Zur Bekämpfung eines eventuellen Insektenbefalles bzw. aus präventiven Gründen (Quarantänemaßnahme) stehen dem Weltmuseum zwei Methoden zur Verfügung: Einfrieren oder Anoxia-Behandlung mit Sauerstoffabsorbern.

Die Aufgabenbereiche der Sammlungstechniker sind vielfältig. Die zwei wichtigsten Ziele dieser Tätigkeit sind die praktische Handhabung der Sammlungsobjekte in der Ausstellung, im Depot und in der Transportlogistik sowie die Schaffung bestmöglicher Bedingungen für deren Erhaltung und Lagerung. Diese Arbeiten werden in Absprache mit den RestauratorInnen sowie den KuratorInnen mit Kreativität, handwerklichem Geschick, Teamfähigkeit, Organisationstalent und vor allem einem großen Verantwortungsgefühl für die Handhabung der wertvollen Kulturgüter ausgeführt.

Objekttransport
Der Transport von Objekten scheint auf den ersten Blick sehr simpel zu sein. Man nehme ein Objekt und führe es von A nach B!? Hinter diesem sehr einfach anmutenden Schritt stecken viel Planung und Organisation; Größe und Materialien der zu transportierenden Gegenstände machen die Aufgabe komplex. Zum Beispiel mussten zahlreiche Großobjekte in das Zentraldepot des KHM-Museumverbandes gebracht werden. Bereits ein Jahr zuvor wurde bezüglich des freien Platzes im Zentraldepot korrespondiert. Der Registrar muss die entsprechende Verstandortung der einzelnen Objekte vornehmen. Die Bezeichnung des Standorts im Depot umfasst folgende Angaben: Raum/Regal/Feld/Fach. Diese werden digital in der Museumsdatenbank gespeichert und auf Papier am Objekt angebracht.

Kurz vor dem eigentlichen Transport müssen die Objekte sicher und schonend verpackt werden.
Fragile Objekte benötigen Zusatzkonstruktionen, damit sie während des Transports keinen Schaden nehmen. Besonders große Objekte passen nicht immer durch die Türen des Museums, daher muss in Einzelfällen ein Speditionskran bedient werden, der die Großobjekte über den Museumsbalkon hebt. 
Die Arbeit ist nun jedoch noch nicht getan: Oftmals müssen die Objekte auch zur Schädlingsbekämpfung transportiert werden, wo sie etwa sechs Wochen behandelt werden.

Objektlagerung
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Objektlagerung in den verschiedenen Depots des Weltmuseums Wien. Als Laie kann man sich in den labyrinthähnlichen Gängen der Depots im Keller leicht verirren, jedoch hat auch hier alles seine Ordnung. Die Objekte sind sowohl regional als auch nach besonderen Anforderungen der Materialien (z. B. asiatischer Lack, Elfenbein, Metall) getrennt aufgeteilt. Hierbei achten die Sammlungstechniker vor allem auf die optimale Lagerung, die Kontrolle und Wartung der klimatischen Gerätschaften sowie auf das Integrated Pest Management (IPM).

Objektmontage
Für manche Ausstellungen müssen die Sammlungstechniker in Zusammenarbeit mit den RestauratorInnen sowie den KuratorInnen die Montagen für die Objekte herstellen. Diese Aufgabe benötigt oft viel Einfallsreichtum, Kreativität und auch ein gewisses Maß an Diplomatie – die Montagen müssen den jeweiligen Anforderungen sowohl der KuratorInnen als auch der RestauratorInnen genügen.

Kontakt
+43 1 534 30-5052
info@weltmuseumwien.at​​​​​​​

Schriftarchiv

Schriftarchiv

Das Archiv des Weltmuseums Wien beherbergt Quellenmaterial zur Geschichte des Museums und der Erwerbung seiner Sammlungen sowie biographische Quellen zu EthnologInnen, SammlerInnen und Forschungsreisenden. Die Archivalien zur Museumsgeschichte reichen vorwiegend von der Eröffnung des eigenständigen Museums für Völkerkunde, am 25. Mai 1928, bis zur Gegenwart. Unterlagen zu Ausstellungen und Veranstaltungen, Zeitungsausschnitte und vieles mehr dokumentieren die wechselvolle Geschichte des Museums.

Einen Schwerpunkt des Archivs bilden Teil- bzw. Splitternachlässe von EthnologInnen, Reisenden und ehemaligen MitarbeiterInnen wie beispielsweise von Johann Natterer, Otto Finsch, Franz Heger, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, Robert Unterwelz, Wanda Hanke und Etta Becker-Donner. Einige Nachlässe wurden bereits bearbeitet und teilweise publiziert, die wissenschaftliche Erfassung der Bestände wird kontinuierlich fortgesetzt.

In den Sammlungsaktenbefinden sich ergänzende Unterlagen zu Sammlungserwerbungen, Handschriften, Korrespondenzen und Notizen zu einzelnen SammlerInnen.

Im Verwaltungsarchiv werden Direktionsakten, administrative Aufzeichnungen, Personalia, und Dokumentationen interner Tätigkeiten verwahrt.

Das Bilderarchiv umfasst Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Graphiken, Drucke und eine Sammlung von Ausstellungsplakaten. Ein Teil der Daten ist bereits digital erfasst und die betreffenden Objekte sind verstandortet. An der weiteren Digitalisierung und Verstandortung wird gearbeitet.

Kontakt
Mag. Ildikó Cazan-Simányi
+43 1 534 30-5118
ildiko.cazan@weltmuseumwien.at

Das Archiv steht sowohl wissenschaftlichen ForscherInnen als auch interessierten Privatpersonen, nach telefonischer Terminvereinbarung, offen.

Provenienzforschung

Provenienzforschung und Restitution

1998 begann, auf Basis des im selben Jahr beschlossenen Kunstrückgabegesetzes, auch im Weltmuseum Wien (damals Museum für Völkerkunde) die Provenienzforschung. Es geht dabei um die systematische Überprüfung der Bestände, die ab 1933 ins Haus gelangt sind. Unter anderem wird die Herkunft von über 63.000 Objekten bzw. Inventarnummern untersucht, wobei oft eine Inventarnummer aus mehreren Einzelobjekten besteht. Zu allen bedenklichen Erwerbungen werden Dossiers erstellt.

Diese Dossiers werden der im Bundesdenkmalamt angesiedelten Kommission für Provenienzforschung übergeben und von dort an den Kunstrückgabebeirat des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur weitergeleitet, der die zuständige Ministerin in der Entscheidung betreffend einer allfälligen Rückgabe an die ursprünglichen Eigentümer und Eigentümerinnen bzw. deren Rechtsnachfolger und -nachfolgerinnen berät.

Recherchiert wird nicht nur im Archiv des Weltmuseums Wien, sondern auch in einer Reihe von externen Archiven im In– und Ausland. Die Recherchen erfolgen in Kooperation mit der Kommission für Provenienzforschung

Provenienzforscherin im Auftrag der Kommission für Provenienzforschung: Dr. Gabriele Anderl

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Mag. Ildikó Cazan-Simányi
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ildiko.cazan@weltmuseumwien.at

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