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Eine lackierte Schreibschatulle aus Holz, deren schwarz lackierte Oberfläche mit farbigem Lack und makie verziert ist. Der Deckel zeigt einen antiken Spiegel und auf den Seitenflächen sind magatama-Ketten abgebildet. Magatama sind kommaförmige Perlen aus Jade oder anderen Mineralien, die in vielen prähistorischen Fundstätten in Japan, vor allem in Hügelgräbern, gefunden wurden. Der innere Bereich des Spiegels in Form einer achtblättrigen Blüte zeigt ein Vogelpaar und ist mit der Inschrift 紀元貳千五百三十七年 (kigen nisen gohyaku sanjuu nana nen – Jahr 2537) versehen, während der äußere Rand mit Ranken- und Wolkenmustern verziert ist. Der sich von der Oberfläche abhebende „Bronzespiegel“ wurde mit Techniken der Lackkunst aufgetragen, die sogar die Oberflächentextur und die Bronzepatina realitätsgetreu nachahmen, sodass die Schreibschatulle wirkt, als wäre ein echter Spiegel in sie eingefügt worden. In Japan wurde bis zur Umstellung auf das westliche Kalendersystem im Jahr 1872 (Meiji 5) der Lunisolarkalender verwendet, während für die Jahreszählung der Name der Ära oder die Zählung nach dem 60-Jahres-Zyklus diente. Das bei dieser Kalenderreform zunächst eigeführte System basierte auf dem Sonnenkalender sowie einer Zählung, die auf das Datum der Inthronisierung des Jinmu-tennō (der erste Kaiser Japans) zurückgriff. Nach diesem Kalender entspricht das auf der Schatulle angegeben Jahr 2537 dem Jahr 1876 (Meiji 9). Alte Spiegel und magatama sind charakteristische Objekte für die frühe archäologische Forschung in Japan, weshalb das Design dieser Schreibschatulle überaus symbolhaft für Siebold ist, der historische Artefakte über alles liebte. Sollte es sich bei dem auf der Schatulle angegebenen Jahr tatsächlich um das Herstellungsjahr handeln, könnte es sich sogar um ein eigens für ihn angefertigtes Objekt handeln. (KH)

Sammler/in:
Heinrich von Siebold (1852 St. Martin/Boppard - 1908 Schloss Freudenstein/Bozen) DNBarrow_outward
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