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Fingerbecher

Cinibokang

Hinweis: Nachfolgender Text stammt aus einem Sammlungskatalog des 19. Jahrhunderts und spiegelt in Sprache und Perspektive teilweise koloniale Denkmuster wider. Wir präsentieren den Text in seiner Originalfassung, um die Sammlungsgeschichte transparent zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe zu fördern. Bestimmte Begriffe und Formulierungen können heute als problematisch empfunden werden. Ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2009 kam zu dem Schluss, dass die meisten Beschreibungen sachlich korrekt und weiterhin verwendbar sind; lediglich wenige Details erwiesen sich als ungenau oder fehlerhaft. Ergebnisse dieses Projektes wurden in folgendem Bestandskatalog publiziert: khm-wmw-tm-library.on.worldcat.org/oclc/1457155265"149-150. Fingerbecher - "Tjinibokang".Dieses Gefäss wird ebenfalls bei allen Eingebornen des indischen Archipels angetroffen, nicht allein hier auf Süd-Celebes. Es wird mit Wasser gefüllt und dient dazu, um sich beim Speisen darin die Finger zu waschen. Alle Eingebornen des indischen Archipels führen die Nahrung, die meist fester Beschaffenheit ist, mit den Fingern zum Munde, da Gabel und Löffel bei ihnen unbekannte Dinge sind. Die flüssigen Speisen werden einfach getrunken. Die Speisen der Eingebornen sind meist Reisspeisen, einfach gekochter Reis; gekochter, gebratener Mais, getrocknete, gebratene Fische; getrocknetes, gebratenes Fleisch vom Büffel, vom Hirsch, von Hühnern, Enten und Gänsen, Mehlspeisen und Zuckerwerk aller Art und endlich Früchte. Wenn der Eingeborne sich zum Speisen allein oder in Gesellschaft auf den Boden seines Zimmers mit gekreuzten Beinen niederhockt, so steht immer ein solcher Fingerbecher zu seiner Rechten, in welchem er sich nach jeder Speise seine Finger wäscht, in den er sich auch den Mund mit Wasser ausspült. Diese Fingerbecher sind ans dem verschiedensten Material verfertigt, je nach Wohlhabenheit und Stand. Es können einfache Cocosnussschalen sein, oder Gefässe aus Thon, Messing oder edlen Metallen. Auch auf die Tafel der in Indien lebenden Europäer, die ebenfalls viele indische Speisen, sowie alle Früchte allein mit den Fingern geniessen, kommen derartige Fingerschalen zur Rechten des Essenden. Bei den Europäern hat man sie meist aus gefärbtem Glas oder Porzellan. Die beiden vorliegenden Fingerschalen sind ebenfalls sehr roh gearbeitet."Zitiert aus: Czurda, F. A. J. (1883). Catalog mit Erklärungen der Etnografischen Privatsammlung des Dr. F. A. J. Czurda in Postelberg (Böhmen). (S. 35-36). Wien, Wilhelm Braumüller

Sammler/in:
František A. J. Czurda (1844 Pisek - 1886 Cirebon) DNB

Objektbezeichnung
Fingerbecher

Material/Technik:
Kupferlegierung; gegossen

Bildrecht
Weltmuseum Wien

Sammlungsbereich
Insulares Südostasien

Inv. Nr.
17865

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