Verhüllt, enthüllt!

Das Kopftuch

18. Oktober 2018 bis 26. Februar 2019
Ein mit unzähligen Bedeutungen aufgeladenes Stück Stoff erhitzt die Gemüter: das Tuch, mit dem sich religiöse Frauen ihren Kopf, ihr Antlitz und mitunter den ganzen Körper bedecken. Doch das Gebot für Frauen, sich das Haupt zu verhüllen, ist seit Jahrhunderten ebenso Bestandteil der europäischen Kultur. Seine Geschichte reicht von den Anfängen des Christentums bis in unsere Zeit.

Über die Ausstellung

Über die Ausstellung

Für die Christen wird der Schleier zum Sinnbild der Ehrbarkeit, Schamhaftigkeit und Jungfräulichkeit. Der Apostel Paulus fordert von den Frauen, ihr Antlitz mit einem Schleier zu verhüllen, wenn sie mit Gott reden. Offenes Haar gilt als unsittlich, nur der Jungfrau Maria kommt mitunter solches zu. Das bedeckte Haupt zählt zum Vorrecht verheirateter Frauen wie zur Ordenstracht der Nonnen. Trauernde legen den Witwenschleier an. Im Spätmittelalter bestimmen in den Städten Europas Kleiderordnungen, wie sich die Frauen Kopf und Hals zu umhüllen haben.

Zu Beginn der 1920er Jahre beklagt der Papst den Leichtsinn von Frauen, die sich beim Tanzen in „unanständiger“ Kleidung über die Grenze der Schamhaftigkeit hinwegsetzen.  Zur Zeit des autoritären österreichischen Ständestaates und des Nationalsozialismus sollen Kopftuch und Dirndl Heimat und Bodenständigkeit vermitteln. In den 1950er Jahren steht das bedruckte Kopftuch als Modeaccessoire für Luxus, Eleganz und Emanzipation. Schritt für Schrittt werden die Machtverhältnisse in den Geschlechterbeziehungen hinterfragt. Erst 1976 wird in Österreich das patriarchalische Ehemodell vom Gleichbehandlungs- bzw. Partnerschaftsprinzip gesetzlich abgelöst.

Während ein Teil der jungen Musliminnen sich in der Öffentlichkeit gegenüber Fremden verschleiern muss, da sie sonst als sündig und den Männern als verfügbar gelten, kreieren andere eine Art Streetwear-Look, farbenfroh und frech, sexy und züchtig zugleich. Im Iran stellen sich Aktivistinnen mit offenem Haar gut sichtbar auf belebte Kreuzungen und schwenken als Zeichen des Protests ihr Kopftuch, während im Westen sich Designerinnen an der Mode der 1950er Jahre orientieren und Vintage-Kopftücher im Programm führen. "Modest Fashion", körperferne Kleidung ist über Religion hinweg weltweit ein Milliardengeschäft. Queen Elizabeth II. trägt nach wie vor als persönliches Branding ein Kopftuch von Hermès – nicht nur wenn sie ausreitet.

Das Weltmuseum Wien präsentiert 17 eigenständige Positionen zum Thema Kopftuch, die den Blick auf dieses Stückchen Stoff um neue (und möglicherweise unerwartete) Aspekte erweitern sollen.

Täglich außer Mittwoch
10 bis 18 Uhr

Freitag
bis 21 Uhr

Weltmuseum Wien

Heldenplatz
1010 Wien

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Galerie

Heimatlied? Voilages – Verschleierungen

Ein Kurzfilm von Bele Marx & Gilles Mussard mit Timna Brauer

Aus dem Projekt heimat–made in schlins, ein festiver filmdrehtag von Bele Marx & Gilles Mussard entstand ein vielschichtiges Kaleidoskop aus Bildern und Szenen, welches die Vorstellungen und Klischees von Heimat spielerisch aufs Korn nimmt, hinterfragt und mit einer Prise Selbstironie würzt. Es geht aber nicht nur um Vorurteile, sondern auch um das Verbindende, die Beziehung zwischen Selbsterfahrung und Identität. Ein weiterer Höhepunkt dieses Projekts sind Kurz- und Experimentalfilme wie der Film Heimatlied? Voilages – Verschleierungen mit Timna Brauer, der im Rahmen dieser Ausstellung zu sehen ist. Timna Brauer komponierte unter anderem den Soundtrack und wirkte im Hauptfilm des Projekts heimat–made in schlins, ein festiver filmdrehtag mit.

Führung

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Mitwirkende:

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