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Körpertuch
20. Jahrhundert | Christoph von Fürer-Haimendorf
Bei den Naga tragen Männer und Frauen solche Tücher als Umhang über den Oberkörper gewickelt oder gefaltet über der Schulter, wobei die Enden in den Gürtel gesteckt werden. Gewebt werden sie ausschließlich von Frauen. Diese sind vor allem im produktiven und agrarischen Bereich tätig, Männern obliegen vor allem soziale und rituelle Aktivitäten wie die Jagd; in alten Zeiten gehörten dazu auch der Krieg und die Kopfjagd. Würden sie weibliche Tätigkeiten, wie eben das Weben, ausführen, verlören sie ihre spezifischen Fähigkeiten und würden „zur Frau werden“. Auch Frauen sind allerdings in der Weberei Tabus unterworfen. Da diese Tätigkeit die Fruchtbarkeit stören kann, wird sie in vielen Gruppen nur in der Periode zwischen der Ernte und der nächsten Aussaat durchgeführt, jedoch auf keinen Fall dann, wenn die Männer auf der Jagd oder im Krieg sind.
Ein Schultertuch vom Typus des hier vorliegenden war das prestigeträchtigste Textil der Männer aus dem Stamm der Ao-Naga und repräsentierte das Ideal männlicher Identität. Die Muster auf dem Mittelstreifen, der von Männern gefertigt und nachträglich in das von Frauen gewebte Tuch eingesetzt wurde, verweisen auf die Aspekte der Person des Trägers, auf die er besonders stolz war. Kein Motiv diente nur der Dekoration; vielmehr konnten Eingeweihte aus dem abstrakten Muster ablesen, welchen Rang der Träger in der traditionellen Gesellschaft innehatte. Status wurde durch Erfolg als Krieger oder durch das Abhalten von Verdienstfesten erworben. Mit der Anzahl an Bullen, Mithun-Rindern und Schweinen, die zur Verköstigung der Dorfgemeinschaft geopfert wurden, stieg das soziale Ansehen. Die stilisierten Mithun-Köpfe auf dem Mittelstreifen zeigen auch, wie viele Generationen von Vorfahren des Trägers derlei Feste schon ausgerichtet hatten, die letztendlich der Umwandlung von Reichtum in Status dienten.
All diese Bedeutungen gingen mit dem rapiden Kulturwandel verloren; heute dienen solche Tücher eher als Identität stiftendes Symbol der Ao als Stamm.

Sammlung:
Christoph von Fürer-Haimendorf (1909 Wien - 1995 London) DNBarrow_outward
Zeit:
20. Jahrhundert
Objektbezeichnung
Schultertuch
Kultur
Nagaland / Ao
Material/Technik:
Baumwolle, Leinwandbindung, Bemalung, Färbung im Garn, Fransen aus Kettfäden - gedreht
Bildrecht
Weltmuseum Wien
Sammlungsbereich
Süd-, SO-Asien, Himalaya
Geographie
Südasien/Subkontinent/Indien/Assam/Nugma
Inv. Nr.
126434



















